Dabei schien man zuletzt – nach mittlerweile anderthalb Jahren wöchentlicher Sitzungen – einer Unterzeichnung der Landeszusatzvereinbarung so nah wie noch nie. Und dann das: Ressortdirektor Michael Mayr soll während der gestrigen Verhandlungsrunde die Hausärzte beschuldigt haben, die Ursache für die übermäßige Inanspruchnahme der Notaufnahmen zu sein. Woraufhin die FIMMG-Delegation (Landessekretär Dr. Luigi Rubino, Dr. Fabio Salvio, Dr. Domenico Bossio und Dr. Ivelina Angelova) aufstanden und die Verhandlungen abbrachen.<BR /><BR /><BR /><BR />„Diese vereinfachende Analyse erscheint aus unserer Sicht nicht korrekt, da sie eine wesentlich komplexere Betrachtung erfordert“, schreibt die Gewerkschaft später in einer Aussendung dazu. <BR />Ausschlaggebend seien demnach vor allem die langen Wartezeiten für aufschiebbare und prioritäre diagnostische Leistungen, die weit über den gesetzlich festgelegten Grenzen liegen. Hinzu komme der chronische Personalmangel in den Krankenhäusern und territorialen Gesundheitsdiensten sowie die operativen Schwierigkeiten der Allgemeinmediziner, die überhaupt nicht berücksichtigt werden. <BR />„Es genügt festzustellen, dass die Südtiroler Hausärzte jene Ärzte mit der höchsten durchschnittlichen Patientenzahl in Italien sind und durchschnittlich 70 Patientenkontakte pro Tag verzeichnen, was einer täglichen Gesamtzahl von rund 21.000 Kontakten in ganz Südtirol entspricht“, schreibt die FIMMG. <BR />Sie weist daher „diese Instrumentalisierung zurück, die den Hausarzt zum Sündenbock macht“. <BR />Ganz schlägt man die Tür jedoch nicht zu: Man sei weiterhin bereit, die Verhandlungen fortzusetzen, aber nur „sofern der Respekt gegenüber der beruflichen Rolle der Hausärzte und ihrer gewerkschaftlichen Vertreter gewährleistet wird“. Und um „so schnell wie möglich eine Vereinbarung zum Vorteil der betreuten Bevölkerung im Rahmen des öffentlichen Gesundheitssystems zu erreichen“.<BR /><BR /><BR /><BR /><BR />Ressortchef Michael Mayr, dessen Äußerungen der Auslöser für den Eklat waren, gibt sich überrascht. Er habe nur angemerkt, „dass wir in Südtirol die höchsten Zugänge der wohnhaften Bevölkerung zu den Notaufnahmen, vor allem der grünen und blauen Kodexe, haben – und das sind belegte Daten“. <BR /><BR />Auf die Reaktion der FIMMG hin habe er die Verhandlung mit der Vertretungsmehrheit der Gewerkschaften weitergeführt. „Unsererseits besteht weiterhin die Bereitschaft, die Verhandlungen fortzuführen und zu einem positiven Abschluss für die Gesundheitsversorgung zu bringen“, betont er.