Samstag, 07. Dezember 2019

Hausärzte: Jeder 3. dem Burnout nahe

Licht und Schatten bei den Hausärzten. 36 Prozent der befragten Hausärzte sind gemäß einer jüngsten Studie des Instituts für Allgemeinmedizin einem Burnout nahe. 15 Prozent gaben sogar an, nicht mehr die Berufswahl Hausarzt zu treffen, wenn sie die Zeit zurückdrehen könnten.

15 Prozent würden nicht mehr den Beruf Hausarzt wählen, wenn sie die Zeit zurückdrehen könnten.
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15 Prozent würden nicht mehr den Beruf Hausarzt wählen, wenn sie die Zeit zurückdrehen könnten. - Foto: © shutterstock

All dies fördert eine Studie zu Berufszufriedenheit und Wohlbefinden der Hausärzte zu Tage, die im heurigen Herbst durchgeführt worden ist. Allerdings ist die Berufszufriedenheit – mittel bis sehr hoch – im Vergleich zu 2010 von 58 Prozent auf 70 Prozent gestiegen.

Am Samstag wurde das Ergebnis der Studie den Führungskräften des Gesundheitsassessorates und des Sanitätsbetriebs präsentiert.

„Eine ähnliche Studie war bereits 2010 gemacht worden. Nachdem in diesen 9 Jahren digitale Krankschreibung, digitales Rezept sowie die elektronische Rechnung dazugekommen sind und die Patientenzugänge zugenommen haben, wollten wir erneut wissen, wie sich der Berufsalltag der Hausärzte verändert hat“, sagt Dr. Angelika Mahlknecht, Leiterin der Studie.

An der diesjährigen Studie haben 95 von 290 in Südtirol tätigen Hausärzten teilgenommen. „Das ist ein knappes Drittel, aber für eine Studie eine übliche Quote“, so Dr. Mahlknecht. Über 40 Prozent der befragten Hausärzte stammen aus dem Gesundheitsbezirk Bozen und jeweils 20 Prozent aus den Bezirken Meran, Brixen und Bruneck. Betrug der Hausärztinnen-Anteil 2010 noch 39 Prozent, so sind es 9 Jahre später bereits 44 Prozent. Erstmals wurden auch 27 Hausärzte in Ausbildung mittels Online-Bogen befragt. „Bei ihnen liegt der Frauenanteil bereits bei 70 Prozent. Der Medizin-Nachwuchs ist überwiegend weiblich“, sagt Dr. Mahlknecht.

Und während die Hauptgruppe an Hausärzten – 36 Prozent –, die sich 2010 an der Erhebung beteiligt haben, zwischen 21 bis 30 Dienstjahre auf dem Buckel hatten, sind diesmal die Hausärzte mit bis zu 10 Jahren (38 Prozent) die Hauptgruppe.

„Unsere Arbeitshypothese war, dass wegen der neuen bürokratischen Aufgaben und des erhöhten Patientenaufkommens – 2004 wurden 211.843 Patienten gezählt, 2014 bereits 268.996 – Motivation und Berufszufriedenheit nicht zugenommen hätten“, sagt Dr. Mahlknecht. Dem ist aber nicht so. Auch wenn die berufliche Belastung von 73 Prozent (mittel bis sehr hoch) im Jahr 2010 auf 83 Prozent (mittel bis sehr hoch) im Herbst 2019 gestiegen ist, so ist die berufliche Motivation interessanterweise gestiegen: von 66 Prozent (mittel bis sehr hoch vor 9 Jahren) auf 82 Prozent. Aber die Studie zeigt auch Schatten auf. 15 Prozent würden nicht mehr Hausarzt werden wollen und „mit 36 Prozent ein erschreckend hoher Anteil fühlt sich zumindest teilweise einem Burnout nahe“, so Dr. Mahlknecht.

Was gibt den Hausärzten Genugtuung? „Vor allem das Vertrauen und die Wertschätzung der Patienten. Über 80 Prozent bezeichnen diese Faktoren als ziemlich oder sehr motivierend“, so Dr. Mahlknecht. Aber es gebe auch Negativbeispiele. „Hausärzte bemängeln, dass ihre Dienstleistung, weil sie gratis ist, von den Patienten nicht so geschätzt wird. Ein Hausarzt erzählte, dass er von einer Hotelsekretärin zur Hausvisite bestellt worden sei, wie man sonst eben eine Pizza bestellt“, so Dr. Angelika Mahlknecht.

Wo sehen die Hausärzte noch Verbesserungsbedarf? „95 Prozent wünschen sich eine bessere Abstimmung mit dem Spital und 90 Prozent mehr Mitsprache bei gesundheitspolitischen Entscheidungen, die sie betreffen“, so Dr. Mahlknecht. Zudem möchten 75 Prozent mehr Freiraum zum Ausüben von fachlich-medizinischen Schwerpunkten, eine bessere Honorierung für Praxismitarbeiter und die Vergütung von mehr diagnostischen Zusatzleistungen. „Das wäre doch in einer Linie mit dem erklärten Ziel, mehr Gesundheitsleistungen in die Primärversorgung zu verlegen“, so Dr. Mahlknecht.

lu