„Die Allgemeinmediziner bilden das Fundament unseres Gesundheitswesens. Mehr als 80 Prozent aller gesundheitlichen Probleme der Bürger können im Rahmen der Allgemeinmedizin gelöst werden“, unterstreicht Dr. Giuliano Piccoliori, Hausarzt in Gröden und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen. <BR /><BR />In Südtirol gibt es derzeit 288 Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin. Doch fast 80 Stellen sind vakant. Die Ursachen hierfür sind zum einen die Pensionierungen von Hausärzten, zum anderen fehlen Nachwuchskräfte, die nach ihrem Studium eine Ausbildung in Allgemeinmedizin absolvieren.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1029963_image" /></div> <BR />„Ich bin davon überzeugt, dass das ab Herbst 2024 in Bozen angebotene Medizinstudium dazu beitragen kann, dem Mangel an Hausärztinnen und Hausärzten in Südtirol entgegenzuwirken“, sagt Dr. Adolf Engl, langjähriger Hausarzt und Präsident des Instituts.<BR /><BR /> „Darüber hinaus müssen wir endlich das alte Modell des allein arbeitenden<BR />Hausarztes aufgeben“, ergänzt Dr. Piccoliori.<BR /><BR />„Junge Ärzte wollen sich viel lieber in einem Team weiterentwickeln. Zudem müssen Hausärzte viel stärker von Aufgaben entlastet werden, die nicht rein medizinischer Natur sind. Das setzt Zeit und Energie für die Betreuung der Patienten frei. Der Einsatz von zusätzlichen diagnostischen Mitteln würde einen gezielteren Diagnoseweg ermöglichen und die berufliche Zufriedenheit der Ärztinnen und Ärzte erhöhen. Südtirol kann diese Entwicklung mit Ressourcen fördern und dem Beispiel anderer Regionen (z.B. Veneto) folgen“, unterstreicht Dr. Piccoliori.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1029966_image" /></div> <h3> Ausbildung in Südtirol</h3>Die Ausbildung am Institut für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen dauert 3 Jahre und kann in Voll- oder Teilzeit absolviert werden. Sie findet in deutscher und italienischer Sprache statt. Nach Abschluss der Ausbildung wird der Titel „Arzt für Allgemeinmedizin“ verliehen, der auf EU-Ebene anerkannt ist. Nur wer im Besitz dieses Titels ist, kann mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst einen Vertrag als<BR />Hausarzt abschließen.<BR /><BR /> Die Ausbildung besteht aus 2 Teilen: Der praktische Teil (Vollzeit) umfasst 144 Wochen, zusätzlich 12 Wochen erlaubte Abwesenheit. Darin<BR />eingebettet ist der Theorie-Teil mit etwa 100 je vier- bis fünfstündigen Seminaren. Die Theorie-Seminare finden am Universitären Ausbildungszentrum für Gesundheitsberufe „Claudiana“ in Bozen statt.<BR /><BR /> Im Falle der Ausbildung in Teilzeit müssen gewisse Praktika<BR />dennoch in Vollzeit absolviert werden. „Durch die Ausbildung in Bozen lernen die künftigen Hausärzte das Südtiroler Gesundheitswesen und das Bezugsspital für die spätere Praxistätigkeit kennen. Das 11-monatige Praktikum in den allgemein- medizinischen Praxen garantiert eine praxisorientierte Ausbildung“, sagt Dr. Adolf Engl, langjähriger Hausarzt und Präsident des Instituts.<h3> Ein Stipendium für die Ausbildung in Bozen</h3>Für die Ausbildung in Allgemeinmedizin in Südtirol ist ein monatliches Stipendium vorgesehen, das vom Landesamt für Gesundheitsorganisation festgelegt und ausbezahlt wird. Im Gegenzug verpflichten sich die Absolventinnen und Absolventen dazu, innerhalb von 5 Jahren nach Abschluss der Ausbildung für 3 Jahre als Hausärzte in Südtirol zu arbeiten.<BR /><BR /> „Das Südtiroler Stipendium ist fast viermal so hoch wie jenes im restlichen Staatsgebiet“, sagt Dr. Piccoliori.<BR /><BR />Die nächste Ausbildung in Allgemeinmedizin in Bozen beginnt im September 2024. Die Gesuche sind bis spätestens 31. Mai (12 Uhr) einzureichen. <BR /><BR /><b>Prüfungstermin:</b> 26. Juni 2024, mit Beginn um 9.00 Uhr im Auditorium der „Claudiana“, Gebäude 1, Lorenz-Böhler-Straße 13, Bozen