Ebenso wichtig seien Selbstuntersuchungen der Haut und Vorsorgeuntersuchungen beim Hautarzt, der durch hochmoderne Technik Frühformen und Vorstufen von Hautkrebs erkennen kann.<BR /><BR /><b>Ist jetzt im Winter, wenn die Haut nicht mehr so gebräunt ist, ein idealer Zeitpunkt für eine Hautkrebs-Vorsorgeuntersuchung? </b><BR />Dr. Leyla Rafi-Stenger: Ja, das stimmt, weil die gebräunte Haut Veränderungen schwerer erkennen lassen kann. Allerdings sind neuere, hochmoderne und die künstliche Intelligenz nutzende Untersuchungsmethoden in der Lage, unabhängig vom Bräunungsgrad eine hocheffiziente Hautkrebsdiagnostik durchzuführen. Denn auch bei Menschen mit dunkler Hautfarbe treten Melanome auf, und auch sie sollten deshalb zur Hautkrebsvorsorge-Untersuchung kommen. <BR /><BR /><b>Wie oft sollte man die Haut vom Arzt untersuchen lassen?</b><BR />Dr. Rafi-Stenger: In Deutschland werden Vorsorgeuntersuchungen zur Hautkrebsfrüherkennung von den Krankenkassen für alle Patienten ab dem 35. Lebensjahr alle 2 Jahre ohne Altersbegrenzung übernommen. Das ist ein guter Rhythmus für regelmäßige Screening-Untersuchungen und bis ins hohe Alter zu empfehlen. Engmaschige Kontrolluntersuchungen, also etwa alle 6 oder 12 Monate, sind abgesehen von speziellen Sonderfällen, nicht notwendig.<BR /><BR /><b>Kann der Laie Hautkrebs auch mit freiem Auge erkennen? Ist es dann schon zu spät?</b><BR />Dr. Rafi-Stenger: Fortgeschrittene Stadien des weißen oder schwarzen Hautkrebs sind im Einzelfall vom Nicht-Mediziner mit bloßem Auge zu erkennen. Frühstadien und Vorstufen eines bösartigen, schwarzen und weißen Hautkrebses wird nur der Hautfacharzt erkennen. Daher sind regelmäßige 2-jährige Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll. Ebenso wichtig sind aber auch regelmäßige Selbstuntersuchungen der Haut durch den Patienten oder auf der Körperrückseite durch den Partner. Jede neu aufgetretene Hautveränderung, die einem auffällig erscheint oder sich nach einiger Zeit nicht zurückbildet, sollte beim Hautarzt abgeklärt werden. <BR /><BR /><b>Welche Tumorarten gibt es?</b><BR />Dr. Rafi-Stenger: Man unterscheidet zwischen weißem und schwarzem Hautkrebs. Der weiße Hautkrebs ist wesentlich häufiger anzutreffen als der schwarze Hautkrebs, verläuft im Allgemeinen jedoch weniger aggressiv und ist besser behandelbar. Rechtzeitig erkannt ist der weiße Hautkrebs immer heilbar! Der schwarze Hautkrebs hingegen ist die gefährlichste Hautkrebsart, weil er sich schnell über Lymph- und Blutbahnen im Körper ausbreitet und in andere Organe metastasieren kann. Spät erkannt, kann ein malignes Melanom – also schwarzer Hautkrebs – tödlich enden! Die Zahl der Melanome hat sich seit 1980 versechsfacht, der weiße Hautkrebs sogar verzehnfacht. Die Sonnenstrahlung ist wesentlich für die Entstehung beider Hautkrebsarten. Daher sind die sonnenexponierten Hautareale wie Gesicht, Handrücken, Nacken, Unterarme, aber auch die Glatze, am häufigsten betroffen. Intensiver Sonnenschutz der Haut – auch im Winter – ist deshalb sehr wichtig.<BR /><BR /><b>Wie wird behandelt?</b><BR />Dr. Rafi-Stenger: Vorstufen und Frühformen des weißen Hautkrebses können lokal mit immunmodulierenden bzw. zytostatikahaltigen Cremes behandelt werden. Auch die photodynamische Therapie, eine Kombination zwischen Creme-Behandlung und Sonnenlicht, wird in Einzelfällen zur Behandlung von Frühformen des weißen Hautkrebses eingesetzt. Fortgeschrittene Stadien lassen sich in örtlicher Betäubung operativ entfernen. Der schwarze Hautkrebs ist viel gefährlicher, hier gibt es keine Therapie mit Cremes und Salben! Er muss operativ entfernt werden. Bei Frühformen gelingt dies meist in örtlicher Betäubung. Ist der Tumor bereits tiefer in die Haut eingewachsen und hat Anschluss an Lymph- und Gefäßbahnen gefunden, ist ein Nachschneiden mit größerem Sicherheitsabstand und gegebenenfalls Lymphknotenentfernungen notwendig. Fortgeschrittene Stadien des schwarzen Hautkrebses erfordern dann noch eine Chemotherapie und/oder Immuntherapie. Derart fortgeschrittene Stadien verlaufen auch heute noch zuweilen tödlich. Daher ist die Frühdiagnostik beim schwarzen Hautkrebs so eminent wichtig. Früh erkannt, ist auch beim schwarzen Hautkrebs mit einer kleinen Operation in örtlicher Betäubung die Erkrankung heilbar. <BR /><BR /><b>Wie ist der Ablauf der Untersuchung beim Hautarzt?</b><BR />D. Rafi-Stenger: Der Facharzt kann Auffälligkeiten zum Teil mit dem Auge erkennen. In der Regel wird zusätzlich mit dem Auflichtmikroskop gearbeitet, das veränderte Strukturen oder Farbtöne bei Pigment- oder Muttermalen und auch Veränderungen an der Schleimhaut erkennt. Eine zunehmend größere Bedeutung kommt der künstlichen Intelligenz zu. 2D-Hautscanner, die Aufnahmen von einzelnen Muttermalen machen und diese mit einer relativ kleinen Datenbank vergleichen, gibt es bereits seit Jahren. Jetzt gibt es hochmoderne 3D-Geräte, die innerhalb von 2 Sekunden mit 92 Kameras die komplette Hautoberfläche scannen. Anschließend wird eine 3D-Körper-Karte mit den gesamten Hautveränderungen erstellt. Der Dermatologe kann sich die relevanten Hautveränderungen mit einer 15- bis 30-fachen Vergrößerung anschauen. Außerdem werden die unscheinbaren Muttermale mit riesigen Datenbanken verglichen. Somit hat der Arzt zusätzliche Informationen, ob das Muttermal gutartig ist oder schon Kriterien einer bösartigen Entartung aufweist. Die Kombination des geschulten, dermatologischen Auges mit der künstlichen Intelligenz optimiert daher die diagnostische Treffsicherheit und erhöht die Quote der Erkennung von Frühformen des malignen Melanoms. Bei einer erneuten Vorsorgeuntersuchung nach 2 Jahren werden die Körperkarten miteinander abgeglichen. Die etwaigen Veränderungen der Muttermale werden angezeigt und auch neu aufgetretene Läsionen sichtbar gemacht. <BR />