Dienstag, 17. April 2018

Heftige Unwetter in der Steiermark

Nach dem Starkregen am Montagabend in der Steiermark haben die Einsatzkräfte sowie die Landwirtschaftskammer am Dienstag eine erste Bilanz gezogen. Rund 1800 Feuerwehrleute von knapp 100 Wehren waren im Einsatz, um der Wassermassen Herr zu werden. Mehrere 100 Hektar Ackerflächen südlich von Graz waren betroffen und standen teilweise noch am Dienstag unter Wasser.

Das Einkaufszentrum Citypark wurde überflutet. - Foto: APA
Das Einkaufszentrum Citypark wurde überflutet. - Foto: APA

Hunderte Notrufe wurden von den Disponenten in der Landesleitzentrale Florian Steiermark sowie von der Berufsfeuerwehr Graz in den Abend- und Nachtstunden entgegengenommen. Mehr als 400 Einsätze, die im Zeitraum von 17.00 Uhr bis 3.00 Uhr angefallen sind, waren abzuarbeiten. Dutzende Straßen und Gebäude wurden überflutet. Muren gingen ab, zwischen Retznei und Leibnitz auf der steirischen Südbahnstrecke entgleiste deswegen ein Güterzug. Die Lok wurde schwer beschädigt, ebenso die Schienen und Oberleitungen. Die Reparaturen werden Tage oder Wochen dauern. Umleitungen und Schienenersatzverkehr wurden seitens der ÖBB eingerichtet.

Personen aus Fahrzeugen gerettet

Sowohl in Graz als auch in Wildon (Bezirk Leibnitz) retteten Feuerwehrleute Insassen aus Fahrzeugen, die in den Wassermassen steckengeblieben waren. In der Landeshauptstadt war die Ursache der über die Ufer getretene Mühlgang bei der Eisenbahnunterführung Herrgottwiesgasse. Neben Auto-Insassen mussten auch die Passagiere einer Straßenbahn-Garnitur, die auf den Schienen in dem Bereich nicht mehr weiter konnte, aus der Tram begleitet werden. In Wildon war der Wurzingbach über die Ufer getreten und hatte ein Auto mitgerissen. Bei der Rettung der Insassen habe es sich um einen „lebensgefährlichen Einsatz” gehandelt, schilderte Marcel Keutz von der Freiwilligen Feuerwehr Wildon.

Externen Inhalt öffnen

Dienstagmittag waren immer noch 57 Wehren mit rund 700 Kräften im Einsatz, um die Schäden zu beseitigen und aufzuräumen. Am Grazer Grieskai drohte Montagabend ein Mehrparteienhaus einzustürzen, da die Fundamente des Hauses unterspült wurden. Das Haus wurde evakuiert und ein Statiker hinzugezogen, am Dienstag gab es Entwarnung.

Noch in den Nachstunden gingen die Pegel der Grazer Bäche in den Normalbereich zurück. Der Pegel der Mur stieg dagegen auf über vier Meter an. Dienstagfrüh wurde daher die Promenade bis auf weiteres gesperrt und zwar bei der Ostseite der Mur zwischen den Abgängen Roseggerkai (Augartenbrücke) und Kaiser-Franz-Josef-Kai (Gründerzeitabgang).

Einkaufszentrum unter Wasser

In Graz-Umgebung, etwa in Fernitz, wurden Wohnanlagen überschwemmt und Stromleitungen beschädigt. Am meisten Aufsehen erregte das in das Einkaufszentrum Citypark eindringe Wasser. Im Erdgeschoß wurden mehrere Geschäfte zentimeterhoch überschwemmt und auch die Parkgarage stand unter Wasser. Rolltreppen führten ins Nass hinunter.

In der Landwirtschaft traf es vor allem den Süden von Graz und Leibnitz: „Im Schnitt ist innerhalb weniger Stunden die doppelte Niederschlagsmenge des Monats April niedergegangen - bis zu 112 Liter pro Quadratmeter”, teilte die Kammer mit. Ein besonderer Starkregen-Hotspot war der Norden von Leibnitz im Raum Ragnitz, wo zwischen Montag 20.00 Uhr und Dienstag 9.00 Uhr 112 Liter Regen pro Quadratmeter niedergingen.

Ackerflächen in Flussnähe wurden überschwemmt - zur Freude einiger Schwäne, die sich auf den neuen „Seen” niederließen. „Noch nie gab es im April einen derart heftigen Starkregen. Wir kennen diesen allerdings seit einigen Jahren in der warmen Jahreszeit. Dies ist ein weiteres Zeichen für den fortschreitenden Klimawandel”, meinte Kammerdirektor Werner Brugner. 

Historisch betrachtet gab es in Graz aber durchaus noch heftigere Niederschläge. Im Juli 1913 sollen im Stiftingtal im Osten von Graz mehr als 600 Milliliter Regen während eines Unwetters gefallen sein. Die Daten wurden aber nicht gemessen, sondern rekonstruiert und seien wissenschaftlich anerkannt, erklärte Pehsl.

apa

stol