Freitag, 05. August 2016

Heftige Unwetter: So geht’s in den nächsten Stunden weiter

Die Gewitter kamen schnell und heftig. Seit Freitagmorgen will der Regen in Südtirol gar nicht mehr aufhören zu fallen. In St. Martin in Passeier fiel innerhalb weniger Stunden mehr Niederschlag als in einem durchschnittlichen August. Wie geht’s weiter? Ein Gespräch mit Meteorologe Dieter Peterlin.

Eine Wiese wird zum Sturzbach: Schnappschuss aus der Nähe der Industriezone von Dorf Tirol. - Foto: Video Aktiv Schnalstal
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Eine Wiese wird zum Sturzbach: Schnappschuss aus der Nähe der Industriezone von Dorf Tirol. - Foto: Video Aktiv Schnalstal

Südtirol Online: Herr Peterlin, seit Stunden regnet es in Südtirol überaus heftig. Können Sie die vergangenen Stunden für uns zusammenfassen?
Dieter Peterlin, Meteorologe des Landeswetterdienstes: Eine Kaltfront hat Südtirol erfasst, sie zieht heute von West nach Ost übers Land hinweg. In der Nacht gab es schon erste Gewitter, richtig los ging es dann in den frühen Morgenstunden. Die stärksten Niederschlagsmengen fielen auf der Linie Burggrafenamt-Passeiertal-Ridnaun-Wipptal.

STOL: Können Sie uns ein paar aktuelle Werte nennen?
Peterlin: Am meisten Niederschlag fiel bisher (Stand 10.30 Uhr) in St. Martin in Passeier mit 130 Liter pro Quadratmeter. Zur Einordnung: Das ist mehr als im durchschnittlichen August. Im August liegt die durchschnittliche Niederschlagsmenge in St. Martin nämlich bei 117 Liter pro Quadratmeter. Auch in Meran wurden große Niederschlagsmengen verzeichnet – 80 Liter pro Quadratmeter. Sterzing kommt derzeit auf 86, Ridnaun auf 90, Bozen auf 43.

STOL: Wie geht’s weiter?
Peterlin: In den nächsten Stunden zieht die Kaltfront in Richtung Osten, es regnet weiter, zum Teil auch kräftig. Eine deutliche Wetterbesserung gibt’s dann am frühen Abend: Dann ist die Front abgezogen. Am Wochenende kehrt schon wieder der Sommer zurück.

STOL: Die Kaltfront soll in Richtung Osten abziehen: Muss sich nun das Pustertal wappnen oder ziehen die Gewitter Richtung Nord- und Osttirol ab?
Peterlin: Im ganzen Land wird in den nächsten Stunden noch starker Regen fallen. Am extremsten zeigt sich die Wetterlage aber im Bereich Burggrafenamt-Passeiertal.

STOL: Wieso genau das Burggrafenamt und Passeiertal?
Peterlin: Dort hat sich in den vergangenen Stunden eine sogenannte Gewitterlinie gebildet. Die Gewitter blieben dabei recht standhaft, über Stunden hat es wirklich geschüttet. Es fielen extrem starke Regenmengen innerhalb kürzester Zeit. Dass sich so eine Gewitterlinie bildet, passiert im Passeiertal recht häufig.

STOL: Hat man Gewitter in diesem Ausmaß erwartet?
Peterlin: Wir haben mit einer massiven Kaltfront gerechnet. Auch stärkere Gewitter waren erwartet worden. Wo diese genau niedergehen, ist immer schwer zu prognostizieren.

STOL: Eine Kaltfront dieser Art – durchaus üblich oder eine Ausnahme?
Peterlin: Das passiert schon öfters. Was man allerdings sagen kann: Heuer haben wir einen wahren Gewittersommer.

Interview: Petra Gasslitter

stol