Die Autoren der Studie (EUSALP, STUDY ON THE EXTERNAL COSTS GENERATED BY TRANSPORT IN THE ALPINE CORRIDORS, 10.4.2026) haben erstmals überzeugend und detailliert erhoben, wieviel die externen Kosten des Verkehrs auf den wichtigsten transalpinen Transitstrecken ausmachen. Das sind Auswirkungen in mindestens 6 Bereichen: CO2-Emissionen, Luftschadstoffe, Lärm, Staus, Unfälle und die Kosten durch die Be- und Entladung beim Bahntransport. Diese Kosten gehen üblicherweise in den Preis einer Fahrt mit dem LKW oder mit dem PKW nicht ein, belasten aber nachweislich die Gesundheit von Mensch und Tier, das Gesundheitswesen, das Klima, die Umwelt und die Infrastruktur.<BR /><BR /> Für das Ausmaß der externen Kosten spielen auch andere Kriterien eine Rolle, etwa die Länge des Transitkorridors (beim Brenner vom Kufstein bis Ala bzw. Verona), die Enge der Täler, die Dichte der Besiedlung längs der Strecke.<h3> Brenner an der Spitze der Alpenkorridore</h3>Am Brenner wie bei allen 8 in dieser Studie untersuchten wichtigsten Alpentransitrouten gehen 96% dieser Kosten auf den Straßenverkehr zurück, nur 4% auf die Bahn. Am Brenner erreichen sie mit 2,096 Mrd. Euro den höchsten Wert aller 8 untersuchten Alpenkorridore – deutlich mehr als am Gotthard (797 Mio. Euro) und an der Tauernroute (877 Mio. Euro). Grund: Die Schweiz verlagert drei Viertel ihres Güterverkehrs auf die Schiene, am Brenner ist es umgekehrt – 2023 liefen nur 25% über die Schiene, 75% über die Straße.<h3> Autobahn kostet ein Vielfaches mehr als die Bahn</h3>Auf der Brennerroute liegen die externen Kosten des Güterverkehrs pro Tonnenkilometer auf der Straße vier Mal höher als bei der Bahn, beim Personenverkehr pro gefahrenem Personenkilometer sogar 9,6 Mal höher. Am teuersten ist der leichte Güterverkehr bis 3,5 Tonnen mit 62,79 Cent externen Kosten pro Tonnenkilometer.<h3> Was eine echte Umweltmaut kosten müsste</h3>Bei 6,50 Cent externen Kosten pro Tonnenkilometer müsste ein typischer 40-Tonnen-LKW für die Strecke Kufstein–Ala (286 km) mit 743,60 Euro mehr belastet werden, ein PKW mit einer Person mit 32,69 Euro. 2025 wurden am Brenner 2,42 Mio. LKW und 10,94 Mio. PKW gezählt – der Rechenwert zeigt, wie deutlich eine reale Umweltmaut ausfallen müsste, wenn die realen Kosten nach Verursacherprinzip eingepreist werden.<h3> Die Forderungen des Heimatpflegeverbandes</h3>Der Heimatpflegeverband fordert die volle Ausschöpfung der EU-Wegekostenrichtlinie, um die Umweltmaut in dieser Größenordnung umgehend einzuführen. Parallel sollen die Trassengebühren für den Schienengüterverkehr sinken, die LKW-Kontrollen auf der A22 systematisch steigen und Österreich das Dieselprivileg abschaffen.<BR /><BR /> Eine höhere Maut würde den Umwegverkehr über den Brenner senken<BR />und die freien Kapazitäten am Gotthard- und am Lötschbergtunnel (2025 zu weniger als der Hälfte ausgelastet) besser nutzen – ein Gewinn für Klima und Lebensqualität. Vor rund einem Monat, am 30. Mai 2026, hat die Bevölkerung im Nordtiroler Wipptal eindrucksvoll für solche Forderungen demonstriert. Der Heimatpflegeverband Südtirol ruft die Landesregierung auf, endlich im Sinne der transitgeplagten Menschen zu handeln und bei der Regierung in Rom rasch die Genehmigung der Umweltmaut auf dem gesamten Autobahnabschnitt Brenner-Verona zu erwirken.