<b>Wie viele Frauen in Südtirol erhalten jährlich die Diagnose Eierstockkrebs?</b><BR /> Dr. Martin Steinkasserer: Statistisch erkranken jährlich 12 bis 15 von 100.000 Frauen an Eierstockkrebs. In Südtirol betrifft diese Erkrankung circa 30 bis 40 Frauen pro Jahr. Das mittlere Erkrankungsalter beträgt 65 bis 70 Jahre. Deutlich jüngere Frauen sind selten und wenn dann vor allem, bei dem Vorliegen eines familiär bedingten Eierstockkrebses betroffen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-64646427_quote" /><BR /><BR /><b>Warum ist diese Krebsart so heimtückisch?</b><BR />Dr. Steinkasserer: Leider gibt es keine Frühsymptome, die auf die Erkrankung hinweisen. Es gibt auch keine wissenschaftlich anerkannten Vorsorgeuntersuchungen zur Frühdiagnostik. Die Schmerzen und Symptome sind oft unklar und diffus. Deshalb wird Eierstockkrebs meistens in einem fortgeschrittenem Stadium entdeckt.<BR /><BR /><b>Welche Beschwerden können auf ein Ovarialkarzinom hinweisen?</b><BR />Dr. Steinkasserer: Gastrointestinale Beschwerden, wie Bauchschmerzen oder Probleme beim Stuhlgang. Manchmal treten auch geschwollene Beine, eine Leistungsminderung oder Blutungsstörungen auf. Da sollte man bereits eine Visite bei einem Gynäkologen vereinbaren. Ein Hauptsymptom, dass spät auftritt, ist, dass der Bauchumfang zunimmt und dass das Gewicht abnimmt.<BR /><BR /><embed id="dtext86-64646534_quote" /><BR /><BR /><b>Welche Faktoren spielen bei der Erkrankung eine Rolle?</b><BR />Dr. Steinkasserer: Zufällige, spontane Veränderungen in der Erbsubstanz führen dazu, dass diese Erkrankung auftritt. Dann gibt es noch familiäre Krebsformen, bei denen ein spezifisches Gen für die Krebsentstehung verantwortlich ist, ein Gen, das also weitervererbt wurde. Das betrifft etwa bis zu 20 Prozent aller Eierstockkrebsfälle. Die längere Einnahme der Pille und Stillen sind dagegen schützende Faktoren.<BR /><BR /><b>Wie erfolgt die Therapie? Gibt es da Fortschritte? </b><BR />Dr. Steinkasserer: Frauen mit Eierstockkrebs müssen operiert werden. Danach folgt eventuell eine Chemo- und Erhaltungstherapie. Gerade diese Erhaltungstherapie hat die Überlebenswahrscheinlichkeit bedeutend gesteigert. Sie retten das Leben der Frauen. Eine große Rolle können auch komplementäre Therapieformen spielen, vor allem, um den Körper und das Immunsystem der Frau zu stärken.<BR /><BR /><embed id="dtext86-64646538_quote" /><BR /><BR /><b>Wie wahrscheinlich ist ein Rückfall?</b><BR />Dr. Steinkasserer: Bei einem weit fortgeschrittenen Stadium kann trotz gut verlaufender Operation und Chemotherapie die Erkrankung wieder auftreten. Das ist kein seltenes Ereignis. Zum Glück sind die Überlebenschancen durch bessere Operationstechniken und medikamentösen Therapien deutlich gestiegen.<BR /><BR /><b>Wie wahrscheinlich ist die Aussicht auf Heilung? </b><BR />Dr. Steinkasserer: Das hängt vom Stadium der Erkrankung ab. Davon gibt es 4: Im ersten und im zweiten Stadium sind die Heilungschancen exzellent, im dritten und vierten Stadium sind sie nicht mehr so hoch, derzeit jedoch viel besser als früher.<BR /><BR /><embed id="dtext86-64646632_quote" /><BR /><BR /><b>Gegen Gebärmutterhalskrebs gibt es eine Impfung. Bei Eierstockkrebs ist die Vorsorge</b><b>eine Präventionsmaßnahme?</b><BR />Dr. Steinkasserer: Beim Eierstockkrebs gibt es weder eine Impfung noch ein Screening wie beim Gebärmutterhalskrebs. Das ist richtig. Umso wichtiger wäre es, dass Frauen bei diffusen Bauchschmerzen, Unwohlsein, Blutungen aus der Scheide wirklich zum Arzt gehen und sich untersuchen lassen. Eine jährliche gynäkologische Visite kann individuell durchaus dazu führen, dass ein Ovarialkarzinom früher diagnostiziert wird.<BR /><BR /><b>Was können Angehörige tun?</b><BR />Dr. Steinkasserer: Eine solche Erkrankung ist sehr belastend – auch für das familiäre und soziale Umfeld. Angehörige können Frauen entlasten, indem sie ihnen belastende Aufgaben abnehmen. Wenn die Frau selbst kommuniziert, dass es ihr zu viel wird, sollte man Bürden abnehmen. Auf keinen Fall aber nach dem Motto: Du bist krank, du darfst nichts mehr tun. Betroffene Frauen wollen als Mensch wahrgenommen werden und nicht als Menschen mit Eierstockkrebs. Sie wollen auf keinen Fall alleine auf die Erkrankung reduziert werden. Bei familiärem Eierstockkrebs können Verwandte ersten Grades eine genetische Untersuchung, zur Abschätzung ihres Erkrankungsrisikos durchführen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-64646636_quote" /><BR /><BR /><b>Wo finden Betroffene Unterstützung? </b><BR />Dr. Steinkasserer: Diagnose und Behandlung der Erkrankung werden im Krankenhaus durchgeführt. Die Patientinnen werden dabei auch psychologisch betreut. Die Südtiroler Krebshilfe ist darüber hinaus ein exzellenter Ansprechpartner für alle Betroffenen. <BR /><BR /><b>Wie oft sollte man nach </b><b>überstandener Erkrankung zur Nachsorge gehen?</b><BR />Dr. Steinkasserer: Das Nachsorgeprogramm ist so organisiert, dass die Intervalle für Visiten sehr kurz gewählt sind: Die ersten 2 Jahre erfolgen sie alle 3 Monate, danach alle 6 Monate. Nach 5 Jahren sollte man jährlich zur Visite kommen, ebenso jederzeit wenn wieder Symptome auftreten.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1025916_image" /></div> <BR />