Die Frau erlitt schwerste Verletzungen und massive Blutungen an beiden Beinen. Dass sie lebend ins Krankenhaus gebracht werden konnte, verdankt sie einem Soldaten des Spezialregiments „Col Moschin“, der zufällig ein Tourniquet, ein Abbindesystem zur Blutstillung stark blutender Gliedmaßen, bei sich trug.<h3> „Zum Glück hatte ich ein Tourniquet im Rucksack“</h3>Der Offizier, dessen Name aus Sicherheitsgründen nicht genannt wird, war mit dem Fahrrad im Stadtzentrum unterwegs, als er auf die Unfallstelle stieß. „Zunächst dachte ich, es finde dort irgendeine Veranstaltung statt“, schilderte er gegenüber lokalen Medien. Dann habe er die schreienden Menschen, das zerstörte Auto und die verletzte Frau gesehen. Gemeinsam mit einer zufällig anwesenden Rettungssanitäterin begann er sofort mit der Erstversorgung.<BR /><BR />„Zum Glück hatte ich ein Tourniquet im Rucksack“, sagte der Soldat. Er trage das Abbindesystem aus beruflichen Gründen immer bei sich. „Man braucht es fast nie, aber wenn man es einsetzt, kann es ein Leben retten - wie in diesem Fall“, erzählt er.<h3> „Diese Maßnahme ermöglichte es, dass die Verletzte lebend ins Krankenhaus gebracht werden konnte“</h3>Während der Offizier das Tourniquet am linken Bein der Frau anlegte, versuchten Passanten mit Gürteln die Blutung am rechten Bein zu stoppen. „Diese erste Maßnahme ermöglichte es, dass die Verletzte lebend ins Krankenhaus gebracht werden konnte“, berichtete der Soldat. Die lebensrettenden Handgriffe habe er während seiner Ausbildung für internationale Einsätze und Kriegsszenarien gelernt. „Das Erste, was man in solchen Fällen tun muss, ist, die Wunde zu komprimieren“, sagte er.<BR /><BR />Nach eigenen Angaben hatte der Offizier zuvor noch nie einen solchen Ernstfall erlebt. „Bislang kannte ich das nur aus Übungen und Trainings“, so der Soldat. Die Frau habe unter Schock gestanden, sei aber bei Bewusstsein gewesen. „Sie schrie nicht und sprach auch nicht. In solchen extremen Situationen nimmt der Körper den Schmerz kaum wahr“, schilderte der Soldat die dramatischen Minuten bis zum Eintreffen des Rettungswagens.<h3> Am schwersten verletzt ist eine 55 Jahre alte Frau aus der Provinz Modena</h3>Trotz der Rettung mussten der deutschen Touristin beide Beine amputiert werden. Sie wird weiterhin auf der Intensivstation des Krankenhauses Baggiovara in Modena behandelt. Die Frau sei zwar noch immer in einem kritischen Zustand, sie zeige jedoch Anzeichen einer schrittweisen Besserung, hieß es in einer Mitteilung des Spitals in Modena am Montag.<BR /><BR />Sie konnte demnach von der Beatmungsunterstützung entwöhnt werden und atmet inzwischen wieder selbstständig. Die Touristin stammt nach Angaben des Opferbeauftragten der Landesregierung von Rheinland-Pfalz aus dem Süden des Bundeslandes. Um ihr Leben kämpft inzwischen noch eine 53-jährigen Polin. Sie erlitt ebenfalls schwere Verletzungen und musste notoperiert werden. <h3> Auf den Boden geworfen, als das Auto auf ihn zugerast ist</h3>Am schwersten verletzt ist eine 55 Jahre alte Frau aus der Provinz Modena, die auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Bologna um ihr Leben kämpft. Sie erlitt zahlreiche Verletzungen, ihr Zustand habe sich jedoch leicht verbessert, berichteten die Ärzte. Ihr Ehemann wird ebenfalls dort behandelt und schwebt nach Angaben der Ärzte nicht mehr in unmittelbarer Lebensgefahr. <BR /><BR />Ein weiterer Patient ist ein 59-jähriger Italiener mit Gesichtsverletzungen. Bereits aus dem Krankenhaus entlassen wurden dagegen drei weitere Verletzte: eine 22-Jährige mit Schädelhirntrauma, ein 30-Jähriger, der eine Panikattacke erlitten hatte, sowie ein 47-jähriger Mann mit Schnittverletzungen. <BR /><BR />Bei Letzterem handelt es sich um den Mann, der den Fahrer des Wagens als Erster gestoppt hatte und dabei von ihm mit Messerstichen verletzt wurde. Mit blutüberströmten Kopf berichtete er, sich auf den Boden geworfen zu haben, als das Auto auf ihn zugerast sei. Nachdem das Auto zum Stehen gekommen war, habe er den flüchtigen Fahrer mit anderen Passanten verfolgt und aufgehalten. <h3> Gegen den Tatverdächtigen wird wegen mehrfachen Mordversuchs und schwerer Körperverletzung ermittelt</h3>Auch ein aus Ägypten stammender Bauarbeiter und dessen Sohn halfen dabei, den Fahrer festzuhalten. Der Vater lebt seit über 30 Jahren in Modena. Der Bürgermeister der Stadt Modena, Massimo Mezzetti, dankte den beiden für ihren Einsatz und denke an eine Auszeichnung für die beiden, sagte er. Diese Ansicht teilt auch Aussenminister und Vizepremier Antonio Tajani, der am Montag die Stadt Modena besuchte. „Ich danke jenen Personen, die den Fahrer festgehalten haben, sie müssen ausgezeichnet werden“, sagte Tajani.<BR /><BR /> Gegen den 31-jährigen Tatverdächtigen, Salim El Koudri, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen mehrfachen Mordversuchs und schwerer Körperverletzung. Der Mann mit marokkanischen Wurzeln, der im Alter von 14 Jahren italienischer Staatsbürger geworden ist und in Wirtschaft promoviert hat, machte bei einem Verhör von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. <BR /><BR />Nach Angaben der Ermittler litt der Mann mit Wohnort in der Gemeinde Ravarino in der Provinz Modena 2022 unter einer psychischen Störung. Der Mann, der sich derzeit in einer Strafanstalt in Mode befindet, soll am Dienstag erneut vernommen werden.