Samstag, 17. Oktober 2020

Heldinnen: Stark, aber unterbezahlt

Sie leisteten immer schon unverzichtbare Dienste in der Gesellschaft – ob in der Altenpflege, Kinder- oder Behindertenbetreuung. „Gesehen wurden wir aber kaum. Dies änderte sich mit Covid-19; da waren wir plötzlich die Heldinnen“, sagte Kathrin Huebser, die Vorsitzende des Landesverbandes der Sozialberufe (lvs), am Freitag (Tag der Sozialberufe).

Marta von Wohlgemuth  (von links) mit Antonella Bruzzese, Astrid Fischnaller, Christine Auckenthaler und  Martha Gruber, den „Stimmen aus der Praxis“. Sie berichteten über ihre Erfahrungen in der Zeit des Lockdown. Rechts Kathrin Huebser, die Vorsitzende des Landesverbandes.
Badge Local
Marta von Wohlgemuth (von links) mit Antonella Bruzzese, Astrid Fischnaller, Christine Auckenthaler und Martha Gruber, den „Stimmen aus der Praxis“. Sie berichteten über ihre Erfahrungen in der Zeit des Lockdown. Rechts Kathrin Huebser, die Vorsitzende des Landesverbandes. - Foto: © br
Huebser ging auf diesen Wandel ein: „Gestern waren wir da, betreuten Pflegebedürftige, entlasteten Angehörige und leisteten unsere Arbeit mit viel Freude und Engagement – nicht immer unter leichten Bedingungen.“ Von den anvertrauten Menschen sei viel Wertschätzung und Dankbarkeit zurückgekommen. „Wir waren stark, aber unterbezahlt“, sagte Huebser.

Dann kam Corona und mit den steigenden Zahlen der Lockdown. Da wurden die Mitarbeiter in den Sozialberufen plötzlich Heldinnen. „Wir haben Pflegebedürftige betreut und mussten häufig unsere Kompetenzen überschreiten. Wir haben funktioniert und waren einziger sozialer Kontakt, der Einsamkeit und Unverständnis bei den Menschen in Isolation auffangen musste“, sagte Huebser – und fügte hinzu: „Wir waren stark, aber unterbezahlt.“

Heldinnen sind sie immer noch, erledigen ihre Arbeit immer noch mit Freude und Motivation – trotz Maske, Abstand und Zeitdruck, und „stark und unterbezahlt“ sind sie immer noch.

„Was muss sich ändern?“ fragte Huebser. Die Mitarbeiter in den Sozialberufen wünschen sich ein Arbeiten ohne Zeitdruck und wollen eine gut vorbereitete, anerkannte und geschätzte Berufsgruppe sein, die „stark und angemessen entlohnt ist.“

Soweit ist es allerdings noch nicht, auch wenn für die anspruchsvolle Gesellschaft von heute eine gute Um- und Versorgung selbstverständlich ist. „Weniger selbstverständlich ist die gesellschaftliche Wertschätzung und Anerkennung derer, die diesen hohen Ansprüchen in ihrer täglichen Arbeit gerecht werden“, betonte lvs-Geschäftsführerin Marta von Wohlgemuth. Der Landesverband verweise seit fast 10 Jahren auf Umstände und Missstände, ohne bessere Rahmenbedingungen und Lohngerechtigkeit für die Sozialberufe mit Fach- und Berufsausbildung erreicht zu haben.

Auch auf die Petition „Die Sozialberufe, ein marktwirtschaftliches Paradox“, die über 5000 Mal unterzeichnet wurde, sei nach Ankündigungen und Versprechungen nicht viel weitergegangen.

Klare Bildungsverläufe und Aufstiegschancen, ein dem Gesundheitswesen gleichberechtigtes Sozialwesen und Klarheit über die Kompetenzen sind nur einige der Forderungen, die von Wohlgemuth vorbrachte.

„Die Sozialberufe sind eine sehr wichtige Säule in der Betreuung und Begleitung von älteren Menschen, Menschen mit Beeinträchtigung und auch von Kindern. Danke für das, was ihr leistet“, betonte Soziallandesrätin Waltraud Deeg. Am Landesgesetz für Sozialberufe werde gearbeitet. „Es stärkt die Sozialberufe, wertet sie auf und verleiht ihnen Sichtbarkeit“, sagte Deeg. Im November läuft eine Imagekampagne an, die bewusst machen soll, wie wichtig diese Berufe sind.

br