<b>von Elmar Pichler Rolle und Jakob Pramstaller</b><BR /><BR /><b>Herr Wolf, reden Sie eigentlich noch Tirolerisch?</b><BR />Armin Wolf: Ganz selten. Ich bin seit über 30 Jahren in Wien, und seitdem meine Eltern beide tot sind, bin ich nur mehr sehr wenig in Tirol und ganz selten in Innsbruck. Wenn ich aber – so wie im letzten Herbst – beim 40-jährigen Matura-Treffen bin, das wir übrigens ein Wochenende lang in Südtirol verbracht haben, kommt der Tiroler Dialekt quasi von Stunde zu Stunde mehr heraus. Aber im Alltag rede ich Tirolerisch einfach gar nicht mehr, obwohl meine Frau es sehr mag.<BR /><BR /><b>Sie wussten schon sehr früh, dass der Journalismus Ihr Beruf sein würde?</b><BR />Wolf: Nein, gar nicht. Mein Vater war Hausmeister im Olympischen Dorf in Innsbruck und meine Mutter Kassiererin im Supermarkt, und mein erster ernsthafter Berufswunsch war Lehrer. Ich wollte ganz lang Lehrer an der Handelsakademie werden, wo ich selber zur Schule gegangen bin. Dann war ich, vor der Matura, an einem Tag der Offenen Tür an der Uni und habe eine Vorlesung von Anton Pelinka über Politikwissenschaft gehört. Die war so fantastisch, dass ich beschlossen habe, ich studiere jetzt Politikwissenschaft. Ich wusste aber nicht, was man damit für einen Beruf ergreifen könnte, und habe beschlossen, ich werde der Nachfolger von Anton Pelinka (lacht). Das ist nicht ganz gelungen, offensichtlich... Weil ich mir mein Studium selbst finanzieren musste, habe ich einen Nebenjob gesucht, und ich konnte tatsächlich von meiner Maturaklasse an der Handelsakademie runterschauen auf das Dach des ORF-Landesstudios. Ich hatte an der HAK vier Jahre lang eine Schülerzeitung gemacht und bin rüber marschiert zum ORF und habe gefragt, ob sie mich nicht als freien Mitarbeiter nehmen würden, und erstaunlicherweise haben die mich genommen. Eigentlich war es nur ein Nebenjob, ich habe dann aber relativ schnell immer mehr gearbeitet und immer weniger studiert - und dann war ich plötzlich Journalist!<BR /><BR /><b>Stimmt es, dass Sie sich politisch engagiert haben, bei der Jungen ÖVP?</b><BR />Wolf: Meine Eltern waren ganz kleine ÖVP-Basisfunktionäre und haben zu Hause viel über Politik geredet. Irgendwann haben sie mich zu einer Sitzung mitgenommen, ich fand das interessant und bin beigetreten. Als Mitglied der Jungen ÖVP war aber nicht sehr aktiv. Wirklich engagiert war ich in der überregionalen Schülervertretung, in der Union Höhere Schüler. Heute heißt sie Schülerunion - das ist die ÖVP-Schülerorganisation. Dort war ich tatsächlich aktiv und mit 18 Jahren auch im Bundesvorstand. Weil ich aber im ORF sehr bald mehr gearbeitet habe, war nach ein paar Monaten klar, ich kann nicht irgendwo Mitglied sein und über die Innsbrucker Gemeinderatssitzungen berichten…<BR /><BR /><b>Haben Sie aus dieser Zeit Erinnerungen an die legendären Landeshauptleute Eduard Wallnöfer und Silvius Magnago? </b><BR />Wolf: Wallnöfer bin ich mehrfach begegnet. Ich kann mich gut daran erinnern, wie mich Wolfgang Schopper, damals der landespolitische Redakteur im ORF-Landesstudio, zum ersten Mal zu einem Hintergrundgespräch mit dem Landeshauptmann mitgenommen hat. Wallnöfer war schon eine eindrucksvolle Figur. Magnago habe ich nie getroffen. Meine erste intensivere Auseinandersetzung mit Südtirol war eine halbstündige Radiosendung über die Autobiografie von Friedl Volgger… <BR /><BR /><b>Heute gibt es derlei Überfiguren in der Politik nicht mehr oder kann es gar nicht geben?</b><BR />Wolf: Da bin ich nicht ganz sicher. Ich weiß nicht, ob zum Beispiel Erwin Pröll, der bis vor nicht so langer Zeit über 20 Jahre lang Landeshauptmann in Niederösterreich war, nicht auch so eine Figur war. Aber ja, es war eine völlig andere Zeit. Die ÖVP hatte in Tirol eine Zweidrittelmehrheit im Landtag, und von Wallnöfer ist der legendäre Satz überliefert: „Ohne an täglichen Amtsmissbrauch koansch dös Land nit regiern“. Völlig undenkbar, dass das ein Politiker heute sagen würde – oder er hätte zumindest ein erhebliches Problem... <BR /><BR /><b>Haben Sie irgendeinen Bezug zu Südtirol, familiär, freundschaftlich oder gesellschaftlich?</b><BR />Wolf: Sie haben meinen Wikipedia-Eintrag nicht bis zum Ende gelesen (lacht). Mein Urgroßvater Viktor Wolf von Glanvell hat den ersten Dolomiten-Führer geschrieben. Er war ein sehr bekannter Alpinist und hat in Südtirol sehr, sehr viele Erstbesteigungen gemacht. In den Sextner Dolomiten gibt es sogar einen Glanvell-Turm. Er ist in der Welt der Alpinisten eine echte Nummer…<BR /><BR /><b>Jetzt haben Sie uns erwischt. Aber Sie selbst haben mit Alpinismus nichts am Hut?</b><BR />Wolf: Ich bin mit 21 nach Wien ausgewandert, und ich fühle mich dort sehr wohl. Ich bin in meinem Leben auf genau drei Berggipfeln gestanden.<BR /><BR /><b>Gibt es außer dem Urgroßvater noch einen anderen Bezug zu Südtirol?</b><BR />Wolf: Meine Frau und ich sind immer wieder gerne in einem sehr sehr schönen Hotel in der Nähe von Meran. Südtirol ist ja ein unfassbar glückliches Land, weil es diese wunderbare Kombination hat - eine Landschaft wie Nordtirol und das Wetter und die Lebensart aus dem Süden. Unschlagbar. Und einer meiner engsten Freunde ist Südtiroler - der langjährige ORF-Korrespondent Franz Kössler.<BR /><BR /><b>Wenn Sie regelmäßig im Meraner Raum urlauben, erleben auch Sie den Overtourism?</b><BR />Wolf: Ich wohne in Wien in der Innenstadt. Da kommen sie zwischen Weihnachten und Silvester nicht mehr durch die Gassen. Vor zwei Wochen war ich in Madrid, an einem völlig beliebigen April-Wochenende. Da war Madrid ungefähr so voll wie die Wiener Innenstadt zu Weihnachten und Silvester. Das hätte ich in Südtirol jetzt so noch nicht wahrgenommen. Klar ist, dass immer mehr Leute immer mehr reisen. Südtirol ist ein besonders schöner Flecken Erde und da kommen viele Leute hin. Was ich so großartig finde an Südtirol ist, dass fast jede Woche irgendwo ein unfassbar schönes kleines Boutique Hotel aufmacht – ein altes Haus, sensationell renoviert, oder ein kleines neues Hotel mit einer grandiosen Architektur. Ich glaube, es gibt wenige Orte auf der Welt, wo es auf so wenig Platz so viele fantastische Hotels gibt.<BR /><BR /><b>Was machen Sie im Urlaub? Wandern oder Skifahren? </b><BR />Wolf: Ich glaube, ich bin einer der ganz wenigen erwachsenen Tiroler, der in seinem ganzen Leben noch nie auf Skiern gestanden ist, und ich habe es auch nicht mehr vor. Deswegen komme ich schon manchmal auch im Winter, aber dann nur zum Spazierengehen. Ich finde, die Landschaft ist einfach so wunderbar. Das Hotel, in dem wir immer sind, steht auf einem Berg. Man kommt nur mit der Seilbahn hin, und allein dort vor der Tür zu sitzen und über die Landschaft zu schauen, ist schon prachtvoll, und dort spazieren zu gehen wunderbar, sehr erholsam. Aber es ist nicht so, dass ich alle zwei Monate in Südtirol bin. Das wäre jetzt übertrieben. Südtirol hat ja einen großen Nachteil - es ist von Wien für ein Wochenende dummerweise zu weit weg. Man braucht mindestens sechs bis sieben Stunden hin und das ist leider mühsam.<BR /><BR /><b><BR />Sie haben 2013 ein Buch geschrieben und gefragt, wozu es noch Journalisten braucht. Heute, 13 Jahre später, hat sich noch viel mehr verändert und ändert sich immer noch. Die Frage ist dieselbe: Wozu braucht es noch Journalisten?</b>Wolf: Ich glaube, wir brauchen heute Journalisten noch mehr als vor 13 Jahren – wegen der künstlichen Intelligenz, aber noch viel mehr wegen Social Media. Menschen unter 30 - oder eigentlich unter 40 – bekommen mittlerweile einen Großteil ihrer Informationen aus Social Media. Auf den ersten Blick ist da nicht mehr unterscheidbar, was ist seriöse Information und was nicht. Das war in meiner Kindheit völlig anders. Da konnte man nicht einfach eine Tageszeitung wie die „Dolomiten“ gründen. Dafür hat man sehr viel Geld gebraucht. Wenn damals irgendwer irgendwelche Verschwörungstheorien in die Welt bringen wollte, musste er ein Flugblatt drucken, aber niemand hätte das Flugblatt mit der „Dolomiten“ verwechselt. Heute kommt jedes Posting auf Social Media gleich daher, und ich kann ohne jeden Aufwand Postings herstellen, die genauso professionell ausschauen wie die des „Standard“ oder der „Presse“. In dieser Welt ist noch viel wichtiger, dass es Leute gibt, die dafür bezahlt werden, unparteiisch und unvoreingenommen, nach professionellen und handwerklichen Kriterien Informationen zu suchen, vor allem aber zu überprüfen und die relevanten, überprüften Informationen einzuordnen und möglichst interessant weiterzuerzählen in diesem ganzen Meer von Propaganda, Fake News, KI-Slop und Klumpert, das man uns verkaufen will. Online ist die Arbeit von Journalisten, glaube ich, so wichtig, wie sie überhaupt noch nie war.<BR /><BR /><b>Kann sich qualifizierter, seriöser Journalismus überhaupt gegen die andere von Ihnen gut beschriebene Welt behaupten? </b><BR />Wolf: Das Hauptproblem ist tatsächlich ein ökonomisches. Wir alle haben momentan keine Idee, wie wir seriösen Journalismus finanzieren. Aber ich glaube nicht, dass seriöser Journalismus nur in einer gedruckten Zeitung oder in Fernsehnachrichten stattfinden kann. Man kann seriösen Journalismus auch auf all diesen Plattformen machen, und ich glaube, man muss ihn dort auch machen, weil derzeit einfach ein Großteil der jüngeren Leute dort ist. Das Problem, das wir haben, ist, dass wir nicht wissen, wie wir sie dazu bringen, dafür zu bezahlen. Das ist für den ORF kein so großes Problem, weil man uns über die Haushaltsabgabe ja bezahlen muss. Für private Medien ist das ein eklatantes Problem. Wenn ich eine Lösung wüsste, hätte ich ein Beratungsunternehmen und würde damit reich werden.<BR /><BR /><b>In der Tat, wie machen wir es den Leuten begreiflich?</b><BR />Wolf: Indem wir unendlich viel mehr als früher kommunizieren müssen, wozu es uns gibt. Wir müssen sagen, was wir wie und warum machen und was uns unterscheidet von dem ganzen Mist. Natürlich ist nicht alles auf Social Media Mist. Es gibt dort viel harmlose Unterhaltung und auch vernünftige Dinge, aber seriöser Journalismus ist einfach was Spezifisches, das einen unersetzlichen Wert für eine Demokratie hat. Es gibt keine Demokratie ohne freie und seriöse Medien. Das müssen wir viel mehr erklären. <BR /><BR /><b>Hat man versucht, auch Sie in eine sogenannte politische Schublade zu stecken?</b><BR />Wolf: Derlei Versuche gibt es die ganze Zeit, und zwar immer, wenn ich einen Politiker besonders kritisch befrage. Dessen Anhänger finden, dass ich erstens ein Gfrast bin (hinterhältige Person, Anm. d. Red.) und selbstverständlich ein politischer Agent der Gegenseite. Solange das aber regelmäßig von allen Seiten passiert, passt es eh. <BR /><BR /><b>Sie haben im ORF eine leitende Funktion und außerdem breite Schultern…</b><BR />Wolf: Ich moderiere die ZiB 2 jetzt seit 24 Jahren. Nicht zur Freude von allen Menschen, die schon im Studio waren, aber ich sitze noch immer da.<BR /><BR /><b>Sie sind gefürchtet für das schon legendäre: „Jetzt haben Sie meine Frage nicht beantwortet.“ </b><BR />Wolf: Ach, was heißt gefürchtet? Wir laden ja keine Leute von der Straße ins Studio ein, sondern Spitzenpolitiker, die viele Me-dientrainings hinter sich haben. Ich befrage diese Leute zehn Minuten lang über ihre Arbeit, die sie das ganze Jahr über machen, während ich ein paar Stunden Zeit habe, mich vorzubereiten. Wer sich fürchtet, zehn Minuten über seine Arbeit befragt zu werden, hat ein größeres Problem als meine Fragen.<BR /><BR /><b>Sehr pointiert. Wenn also ein Politiker aus Südtirol zu Ihnen kommen würde, der nicht unbedingt ein Vollprofi ist, würden Sie ihn sanfter anfassen?</b><BR />Wolf: Na ja, den würden wir vermutlich nicht einladen. Die ZiB 2 ist eine nationale Nachrichtensendung und das wichtigste Interviewformat, das es in Österreich gibt. Wir laden nur in besonderen Fällen Regionalpolitiker ein. Zu Beginn der Corona-Krise hatten wir wegen der Vorfälle in Ischgl den Tiroler Gesundheitslandesrat in der Sendung. Das ist ein recht legendäres Interview geworden, weil Landesrat Bernhard Tilg immer wieder gesagt hat, man hätte alles richtig gemacht. Außer der Landesregierung in Tirol hatten damals allerdings nicht sehr viele Leute diesen Eindruck. Aber auch da denke ich mir, der Landesrat verdient gut 15.000 Euro im Monat – der ist auch ein Spitzenpolitiker. Den muss man zehn Minuten über seine Arbeit befragen können, ohne dass ein dramatischer Unfall passiert. Ich verspreche Ihnen, Sie können mit mir eine Stunde über meine Arbeit reden und ich werde das so überstehen, dass ich danach nicht weinend zurücktreten muss. Das würde ich mir auch von den Profipolitikern erwarten, die wir ins Studio einladen.<BR /><BR /><b>Wer war Ihr unangenehmster oder schwierigster Interviewpartner?</b><BR />Wolf: Wladimir Putin.<BR /><b><BR />Was war schwierig?</b><BR />Wolf: Wladimir Putin spricht perfekt Deutsch, gibt aber Interviews nur auf Russisch. Das heißt, Sie müssen das mit einem Dolmetscher machen. Ich habe in der ZiB 2 über 3.000 Interviews gemacht und das mit Putin war mit weitem Abstand das schwierigste. Erstens, weil er unglaublich kontrolliert ist. Er ist nicht umsonst gelernter Geheimagent. Zweitens, weil die Umstände im Kreml schwierig waren und vor allem, weil sich Putin einen Spaß daraus macht, Interviewer bloßzustellen. <BR />Es gibt furchtbare Beispiele von bekannten internationalen Journalisten, die Wladimir Putin interviewt haben und die er wie Schulbuben hat sterben lassen, indem er zum Beispiel Gegenfragen stellt zu absurden Details, die Sie nicht wissen können. Er fragt Sie und Sie wissen es nicht. Und dann schaut er Sie an und sagt leicht grinsend: „Ah, das wissen Sie also nicht.“ Wenn ihm das in einem Fernsehinterview dreimal gelingt, denkt sich ein Großteil des Publikums, wer ist eigentlich der Depp, warum darf der den russischen Präsidenten interviewen, der weiß ja gar nichts. Also Putin ist unfassbar schwierig zu interviewen. Ich hatte fünf Tage Zeit, mich vorzubereiten und ich habe fünf Tage nichts anderes gemacht. Das Interview hat 52 Minuten gedauert und es war ganz sicher das Gespräch, vor dem ich am meisten nervös war. Und als das dann letztlich gut gegangen ist und von der „New York Times“ und der „Washington Post“ bis hin zum „Guardian“ gelobt worden ist, war ich happy und erleichtert.<BR /><BR /><b>Gab es vor oder nach dem Interview Zeit für ein paar private Worte, einen Drink sogar?</b><BR />Wolf: Nichts davon. Putin hat uns knapp vier Stunden warten lassen, machte das Interview, ein gemeinsames Foto und er war wieder weg. Und ich bin froh, dass kein Wodka serviert wurde. Ich trinke keinen Alkohol, und es wäre möglicherweise unhöflich gewesen, es abzulehnen.<BR /><BR /><b>Sie sind ein seltener Tiroler, denn Sie fahren nicht Ski und trinken keinen Alkohol…</b><BR />Wolf: …und Watten kann ich auch nicht.<BR /><BR /><b>Das wird ja immer besser…</b><BR />Wolf: Es hatte einen Grund, warum ich ausgewandert bin, und es hat einen Grund, warum ich nicht mehr zurückgekehrt bin. Ich wäre nicht mehr integrationsfähig (lacht).<BR /><BR /><b>Wie kamen Sie überhaupt zur Außenpolitik beim ORF?</b><BR />Wolf: Mein Traum war immer, ich gehe nach Wien und werde Redakteur für Innenpolitik. Kurz vor meiner fixen Anstellung beim ORF habe ich in Wien beim Mittagsjournal ein Praktikum gemacht, und es stellte sich heraus, dass die Innenpolitik damals total langweilig war. Ich dachte, mein Lebenstraum bricht zusammen. Am letzten Tag bot man mir an, ich könnte Außenpolitik-Redakteur werden, was eine absurde Vorstellung war. Bis dahin war das einzige Ausland, das ich kannte, Italien. Ich bin immer mit den Eltern im Sommer für vier Wochen an den Bolsenasee gefahren. Aber ohne nachzudenken habe ich zugesagt. Dann habe ich wochenlang überlegt, wie ich aus der Nummer wieder herauskomme. Ist mir aber nicht gelungen. Ab 1. Jänner 1988 war ich tatsächlich Außenpolitik-Journalist. Und das war die beste Entscheidung in meinem Berufsleben, weil ich sieben Jahre lang in der Welt unterwegs war. Ich war vor den ersten Wahlen nach der Apartheid in Südafrika, als Mandela Präsident geworden ist. Ich war im Irak und habe Saddam Hussein interviewt. 1989 war ich während der gesamten Revolution in Prag und genau in dem Moment, als das Politbüro zurückgetreten ist, stand ich fünf Meter vor Václav Havel. Das war alles unfassbar spannend. Und 14 Monate lang war ich Korrespondent in den USA…<BR /><BR /><b>Mit all diesen Erfahrungen sind Sie dann zurück nach Wien.</b><BR />Wolf: 1995 bin ich vom Radio zum Fernsehen gewechselt. Ich war erst Reporter in der ZiB 2 und habe zwischen 1998 und 2001 die ZiB 3 geleitet, die ich mitentwickelt hatte. Seit 2002 moderiere ich die ZiB 2, und seit 2010 bin ich stellvertretender Chefredakteur. In der Funktion habe ich die Social-Media-Redaktion der ZiB aufgebaut und bis letztes Jahr geleitet. Die ZiB hat heute auf Facebook, Instagram und TikTok dreieinhalb Millionen Follower, was in einem Land mit neun Millionen Einwohnern wirklich nicht übel ist.<BR /><b><BR />Was würden Sie jungen Leuten empfehlen für ihren Berufsweg, angehenden Journalisten zum Beispiel?</b><BR />Wolf: Für mich war die wichtigste Erfahrung in meinem ganzen Berufsleben das Jahr in Amerika. Das war für mich prägend und horizonterweiternd. Ich hatte aber auch das Glück, gemeinsam mit Franz Kössler im ORF-Büro in Washington zu sein und mit Raimund Löw – zwei der besten Außenpolitik-Journalisten, die der ORF je hatte. Ich habe in dem Jahr einfach unendlich viel gelernt. Die Erfahrung von tollen älteren Kolleginnen und Kollegen ist unbezahlbar und man kann dabei ungemein viel lernen. <BR /><b><BR />Wenn Sie privat durch Wien spazieren, wie oft werden Sie angesprochen und um ein Autogramm oder Selfie gebeten?</b><BR />Wolf: Ich würde sagen, ungefähr zwei Drittel der Leute erkennen mich, der Rest sind Touristen (lacht). Im Schnitt werde ich im Laufe eines Tages etwa dreimal freundlich angeredet, von Leuten, die entweder was Nettes sagen oder ein Selfie machen wollen, was total ok ist. Mir geht es also nicht so, wie Andreas Gabalier oder Helene Fischer, die von Autogrammjägern verfolgt werden, wenn sie spazieren gehen. Und die Leute sind immer freundlich. Interessant ist ja, dass ich auf Social Media und per E-Mails ziemlich viel beschimpft und auch immer wieder mal bedroht werde. Es kommen wahnsinnig viele nette Mails, aber es kommt auch richtig viel Mist. Aber im echten Leben, also auf der Straße, bin ich, seit ich moderiere, genau dreimal blöd angeredet worden. Das kommt dann meistens anonym auf Social Media daher.<BR /><BR /><b>Welche Fremdsprachen außer Englisch beherrschen Sie?</b><BR />Wolf: Ich habe tatsächlich in der Schule Italienisch gelernt, auch weil ich das im Urlaub am Bolsenasee gut gebrauchen konnte. Ich konnte bei meiner Matura ziemlich gut Italienisch. Leider habe ich die Hälfte wieder vergessen, weil ich es einfach selten brauche, was schade ist, weil ich die Sprache wunderbar finde und alle Südtiroler darum beneide, dass sie zweisprachig aufwachsen.<BR /><b><BR />Über welchen Medien informieren Sie sich oder welche sind für Sie unverzichtbar?</b><BR />Wolf: Nicht verzichten könnte ich auf mein Abo der „New York Times“. Das digitale Abo kostet praktisch nichts. Für mich ist die NYT mit ihren 1.800 Journalistinnen und Journalisten derzeit das mit Abstand beste Medium der Welt. Ich möchte auch nicht auf mein Abonnement der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ verzichten und keinesfalls auf den Radiosender Ö 1.