Denn das Virus entwickelt sich weiter und findet immer wieder neue Schlupflöcher, um Leute zu infizieren.<BR /><BR /><b>Ab Herbst soll es überarbeitete Corona-Impfstoffe geben. Was ist neu an diesen Impfstoffen?</b><BR />Dr. Patrick Franzoni: An diesen Impfstoffen wird noch weiterhin gefeilt – aktuell ist der am weitesten fortgeschrittene jener von Moderna. Der überarbeitete Impfstoff setzt sich aus 2 Komponenten zusammen: Zum einen hat er die Wirkung des Impfstoffes, der von Moderna zurzeit verabreicht wird – des sogenannten Spikevax – und zum anderen besteht er aus einer aktualisierten Variante, die gezielten Schutz gegen die Spike-Proteins, also gegen die SARS-CoV-2 Omikron-Variante BA.1 bietet. Studien haben bisher ergeben, dass der überarbeitete Impfstoff eine bessere Wirkung hat, als der noch aktuell im Umlauf stehende: Allerdings zeigt dies auch, dass der gegenwärtige Impfstoff nach wie vor sehr gute Ergebnisse erzielt, da er ja auch in der neuen Variante enthalten ist. Ende Oktober wird dann auch BioNTech/Pfizer seine überarbeitete Variante auf den Markt bringen: Auch hier wird der neue Impfstoff zum einen die Wirkung des gegenwärtigen Impfstoffes, als auch eine gezielte Wirkung gegen die Omikron-Varianten BA.4 und BA.5, die bei uns in Südtirol derzeit mit extrem hoher Frequenz zirkulieren, haben. Der Haken an der ganzen Sache ist, dass es im Herbst womöglich wieder neue Omikron-Varianten geben könnte, jedoch wird die Wissenschaft auch dann weiterhin den alten Impfstoff in neue, überarbeitete einfließen lassen, da dieser bis jetzt immer im Stande war, die B-Lymphozyten bzw. die zelluläre Immunität zu verstärken und den Krankheitsverlauf deutlich zu mildern.<BR /><BR /><b>Sollte mit der vierten Dosis noch gewartet werden, bis die neuen Impfstoffe erhältlich sind, oder sollte man sich trotzdem so schnell wie möglich impfen lassen?</b><BR />Dr. Franzoni: Wenn man zur Risikogruppe gehört, sollte man die vierte Dosis so schnell wie möglich machen und zwar aus dem Grund, dass die Wirkung des gegenwärtigen Impfstoffes nach wie vor sehr gut ist und speziell Risikopatienten vor schweren Krankheitsverläufen schützt.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-55405022_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Wer sollte sich mit den neuen Impfstoffen impfen lassen?</b><BR />Dr. Franzoni: Darüber herrscht noch keine Klarheit. In Großbritannien wird zurzeit darüber diskutiert, die neuen Impfstoffe nur den über 65-Jährigen zu verabreichen. In Italien werden es womöglich wiederum die über 50 bzw. über 60-Jährigen sein, die sich mit den neuen Impfstoffen vor dem Virus schützen sollten. Aber wie gesagt, da gibt es noch keine finalen Beschlüsse. Was sich auf alle Fälle sagen lässt, ist, dass jene die nicht zur Risikogruppe gehören und den Impfzyklus – bestehend aus erster, zweiter und Booster-Impfung – abgeschlossen haben, immer noch sehr gut gegen einen schweren Krankheitsverlauf geschützt sind.<BR /><BR /><b>Ist ein baldiges Ende der Corona-Pandemie realistisch?</b><BR />Dr. Franzoni: Leider nicht. Allerdings ist man mittlerweile sehr gut vorbereitet. Durch die zahlreichen, verschiedenen Infektionen musste man sich immer neu anpassen. Doch nicht nur die Wissenschaft passt sich an – auch das Virus tut es: Es entwickelt sich weiter und findet immer wieder neue Schlupflöcher, um Leute zu infizieren. Solange es nur bei der klassischen Infektion bleibt, gibt es keinen Grund zur Sorge. Problematisch wird es lediglich, wenn die Infektion mit schweren Krankheitsverläufen verbunden ist, die betroffene Person ins Krankenhaus eingeliefert werden muss und die Krankenhäuser erneut an ihre Grenzen stoßen. Das gilt es bestmöglich zu vermeiden.