Das sagt der Pädiatrie-Primar über Corona-Erkrankungen bei Kindern, die Impfung unter 12 Jahren und über den Impfstoff.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="695819_image" /></div> <BR /><b>Herr Primar, ist eine Corona-Impfung für ab 12-Jährige zu empfehlen oder nicht?</b><BR />Dr. Helmuth Egger: Ich empfehle, Minderjährige ab 12 Jahren impfen zu lassen, weil die Wirkung des Impfstoffs klar belegt ist. Zudem ist die Impfung sicher. Und die möglichen, aber seltenen Nebenwirkungen einer Impfung sind weit geringer als Auswirkungen einer Corona-Infektion. Das ist wissenschaftlich belegt. Sobald es die Zulassung der Europäischen Arzneimittelkommission gibt, werde ich allen Eltern auch empfehlen, ihre Kinder unter 12 Jahren impfen zu lassen. Die Impfung ist die einzige Möglichkeit, um aus dem Corona-Dilemma auszusteigen.<BR /><BR /><b>Sind Ihre Kinder geimpft?</b><BR />Dr. Egger: Ich habe 3 Kinder. Die Tochter mit über 12 Jahren ist schon geimpft, die beiden anderen Kinder sind noch nicht alt genug. Ich warte aber hart, bis die Corona-Impfung ab 5 Jahren zugelassen wird, denn dann melde ich meine beiden anderen Kinder sofort zur Impfung an. <BR /><BR /><b>Wann glauben Sie, ist eine Impfung ab 5 Jahren möglich? Wird es die Corona-Impfung bald auch für unter 5-Jährige geben?</b><BR />Dr. Egger: Eine Impfung für Kinder unter 5 Jahren wird sicherlich irgendwann eingeführt. Derzeit laufen in den USA aber die Tests für die Impfung für Kinder von 5 bis 11 Jahren. Sehr wahrscheinlich wird im November in Amerika das Verfahren zur offiziellen Zulassung der Impfung für unter 12-Jährige beginnen. Ich hoffe, dass aufgrund der Datenlage am Beginn des nächsten Jahres auch Europa mitzieht. Ich denke, dass wir im Jänner oder Februar die ersten 5- bis 11-Jährigen impfen können. Wenn sich diese Impfung dann als gut erweist, mit einem guten Schutz, wird die Testphase für die unter 5-Jährigen beginnen, ob zuerst für die 2- bis 5-Jährigen oder gleich auch für Säuglinge, das weiß ich nicht. <BR /><BR /><b>Bei Kindern verläuft eine Corona-Infektion in den meisten Fällen problemlos. Warum soll man sie dann impfen lassen?</b><BR />Dr. Egger: Bei einem Viertel der Fälle verläuft die Infektion völlig asymptomatisch. Und bei über der Hälfte der infizierten Kinder treten nur leichte Symptome auf, wie zum Beispiel Kopf- und Halsschmerzen sowie Muskel- oder Gelenkschmerzen. Höchst selten kommt es zu schwerwiegenden Infektionen, die dann auch tödlich sein können. Im Kindesalter sind schwere Verläufe also sehr, sehr selten, aber es gibt Infektionen mit schweren Verläufen. Im vergangenen Winter hatten wir hier am Meraner Krankenhaus einige mit dem Coronavirus infizierte Kinder, die wir auf die Intensivstation verlegen mussten. <BR /><BR /><b>Und wie schaut es mit den Folgeerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen aus?</b><BR />Dr. Egger: Das eine ist die typische Corona-Infektion mit den bekannten Symptomen und Fieber, es gibt aber auch Folgeerkrankungen durch Corona, die nicht ganz so bekannt sind. Zum einen ist es eine multisystemische Erkrankung, die alle Organe betrifft, so etwas wie eine Autoimmunerkrankung, bei welcher der Körper gegen sich selber reagiert. Diese Kinder sind dann meist intensiv- und teils sogar beatmungspflichtig. Die Erkrankung ist gut behandelbar, aber die betroffenen Kinder sind 2 bis 3 Wochen lang im Spital. Weiters kann eine isolierte Herzmuskelentzündung auftreten, die ein Prozent der Kinder mit einer Corona-Erkrankung betrifft. Das ist ein relativ hoher Prozentsatz, wenn man bedenkt, dass heute jede vierte Infektion einen Minderjährigen betrifft. Eine weitere Folgeerkrankung ist „Long Covid“, das es auch bei Kindern gibt, weniger mit Geruchs- und Geschmacksstörungen, mehr mit wochenlangen Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Impfen schützt also Kinder und Jugendliche, reduziert aber auch die Übertragung einer Corona-Infektion auf ältere und schwächere Leute. <BR /><BR /><b>In erster Linie ist eine Impfung also Eigenschutz. Oder wie sehen Sie das als Experte?</b><BR />Helmuth Egger: Ja, richtig! Die Impfung ist prinzipiell für den Eigenschutz gedacht. Wenn man auch die 12- bis 18-Jährigen impft, erreicht man sicherlich nicht schneller die Herdenimmunität. Solange wir bei den 18- bis 60-Jährigen eine so niedrige Impfbereitschaft haben, können sich auch alle Südtiroler unter 18 Jahren impfen lassen, die Herdenimmunität erreichen wir trotzdem nicht. Kinder und Jugendliche gegen Corona zu impfen, ist also kein politischer Schachzug, um die Herdenimmunität zu erreichen, es geht nur um einen guten Infektionsschutz. <BR /><BR /><b>Glauben Sie, dass es irgendwann eine Corona-Impfpflicht geben wird, beispielsweise für Kinder bis 12 Jahren und jünger?</b><BR />Dr. Egger: Ich glaube nicht, weil dieses Thema die Bevölkerung sozial spaltet. Die Eltern müssen ohne Zwang einsehen, dass die Impfung ihre Kinder vor dem Coronavirus schützt. Eine Impfpflicht wäre in meinen Augen also nicht zielführend, wobei ich ein absoluter Impfbefürworter bin. Es gibt ja auch andere Impfungen und Eltern, die ihre Kinder absolut nicht impfen lassen. Wir können nur aufklären. <BR /><BR /><b>Was sagen Sie zum Vorwurf der Impfgegner, dass die Impfstoffe zu wenig erforscht seien?</b><BR />Dr. Egger: Dieser Vorwurf ist nicht haltbar. Es stimmt, dass die Impfung sehr schnell entwickelt und eingeführt wurde, was auch seine medizinischen Gründe hat. Die Gruppe der Coronaviren ist seit weit über 20 Jahren bekannt. Das wissen viele nicht. Und seither wurde massiv geforscht, weshalb man den Angriffspunkt bzw. das Spike-Protein schon vor der Pandemie genau gekannt hat. Man wusste also, wohin diese Impfung gehen muss. Und natürlich gab es diesmal viel Geld, um auf mehreren Schienen zu forschen, um schnellstmöglich einen Impfstoff zu haben. Wir haben gut erforschte Impfstoffe.