Irina Lino erzählt auch, wo sie Gott tatsächlich findet. Im Prunk der Gotteshäuser sei das eher selten, schreibt sie. <BR /><BR />So viel Tränen, Schmerz und Leid in dieser Welt! Da genügt ein Blick in die „Dolomiten“… schon hat man die ganze Bandbreite Unglück auf dem Frühstückstisch. Und fast jeden Tag wünsche ich mir die rosarote Brille, um sie zu lesen. <BR /><BR />Wo warst du, Herrgott, WO, als der 19-Jährige im Großen Montiggler See ertrunken ist? Hattest du Kopfhörer auf, als die Schlammwalze in Kärnten das Gegendtal, ein ganzes Dorf mit seinen Tieren und einen alten Mann unter sich begraben hat? <BR /><BR />Die Todesstille nach Wetterkatastrophen, das Flehen aus Schützengräben, an Krankenbetten, in Ausnahmesituation… das musst du doch hören!!! Oder bist du taub geworden? Willst du uns bestrafen? Hast du einfach das Interesse an deinen gierigen Kindern verloren, die geglaubt haben, es mit der Natur aufnehmen zu können? Sag, gibt es dich überhaupt? Oder entspringst du nur unserer Todesangst vor der uferlosen Dunkelheit? <BR /><BR />Immer öfter stellen sich Menschen Fragen wie diese. Menschen, die sich von dir verlassen fühlen. Menschen, die den Glauben an dich verloren haben. Menschen, die sich von dir abwenden, weil sie ihr Seelenheil anderswo verorten. Auch ich gehe immer wieder von neuem auf die Suche nach dir. <BR /><BR />Und… ich finde dich. Nicht immer schnell, nicht immer leicht, aber… ich finde dich. Nur selten in dem Prunk der Gotteshäuser, die dein Bild in Gold einrahmen. Und auch nicht im Gebet. Ich finde dich in mir – ich finde dich in uns. Im Bemühen der Helfer, die sich für andere einsetzen. Im Zusammenhalt der Gemeinschaft, die sich um ihre Schwachen kümmert. Ich finde dich in der Schönheit eines Sonnenuntergangs, im Lachen spielender Kinder, im Klang einer Symphonie, in den Farben eines Bildes, im Schnurren meiner Katze, doch vor allem finde ich dich im Mitgefühl, in Herzlichkeit und Toleranz, im Verzeihen und… in der göttlichen Kraft der Liebe, aus der das Gute erwächst. <BR />