Beide Organe sind Tag und Nacht aktiv und halten uns Menschen am Leben. Das Herz schlägt ohne Pause rund 100.000-mal am Tag und versorgt alle Organe – inklusive das Gehirn – mit dem lebenswichtigen Sauerstoff. Auch das Gehirn ist rund um die Uhr aktiv. Selbst im Schlaf schaltet es nicht komplett ab, sondern verarbeitet die Eindrücke des Tages und entführt uns in eine Traumwelt. „Über das autonome Nervensystem und wichtige Botenstoffe, wie das Stresshormon Adrenalin, sind beide Organe eng miteinander verknüpft“, erklärt Dr. Peter Marschang. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1077732_image" /></div> <BR /><BR />Das Herz mit den angeschlossenen Gefäßen arbeitet einer Pumpe gleich und schickt mit jedem Herzschlag rund 70 Milliliter Blut durch den Körper. Pro Minute sind es etwa 5 Liter, in 24 Stunden immerhin über 7200 Liter Blut. Das Gehirn hingegen ist das oberste Steuerorgan des zentralen Nervensystems und hat vielfältige Aufgaben, die Dr. Marschang aufzählt: Der Hirnstamm ist für die Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Körperfunktionen wie Wasser- Energie- und Wärmehaushalt zuständig und steuert auch den Schlaf-Wachrhythmus und die Kopfnerven. Das Kleinhirn ist das Zentrum für Bewegungen und Gleichgewicht, und das Großhirn ist für alle höheren Hirnfunktionen zuständig. Dazu zählen neben Willkürbewegungen und den Berührungs- und Schmerzempfindungen auch der Gesichts- Hör-, Geruchs- und Geschmacksinn. Zudem sind auch die Zentren für die Sprache, für logisches Denken und für die Emotionen in diesem Gehirnteil angesiedelt. <h3>Notfall Herzinfarkt und Schlaganfall</h3>Das Gehirn ist für seine Tätigkeit auf das Herz angewiesen: Nachdem es im Gegensatz zu anderen Organen über keinen Energiespeicher verfügt und seinen Energiebedarf nur über Glukose (Traubenzucker) aus dem Blut decken kann, führt bereits ein kurzfristiger Ausfall der Herzfunktion zu einer Funktionsunterbrechung des Gehirns mit Bewusstseinsverlust. „Ein Beispiel ist der klassische Ohnmachtsanfall, der bei dafür anfälligen Menschen nach längerem Stehen zur kurzzeitigen Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff führt und durch das resultierende Umfallen sofort reversibel ist“, erklärt Dr. Marschang. <BR /><BR />Ganz anders verhält es sich bei einem Herzinfarkt mit Herzstillstand oder jeder anderen Unterbrechung der Sauerstoffversorgung des Gehirns. „Bereits nach wenigen Minuten kommt es dadurch zu einer irreversiblen Schädigung mit Absterben von Hirngewebe“, sagt der Internist. Ähnlich wie bei einem Herzinfarkt kann im Gehirn der Verschluss einer Arterie zu einem Schlaganfall führen. Oft ist das Vorhofflimmern, die häufigste Störung des Herzrhythmus, die Ursache für einen Schlaganfall. Dabei kann sich im Herzen ein Blutgerinnsel bilden, das dann über die Arterien als sogenannter Embolus in das Gehirn verschleppt wird und dort einen Schlaganfall auslöst. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1077735_image" /></div> <BR /><BR />„Wichtig zu wissen ist, dass auch eine andere Form der Embolie lebensgefährliche Folgen haben kann“, führt der Primar aus. „Wenn sich ein Blutgerinnsel in einer tiefen Vene bildet, spricht man von einer Thrombose. Ähnlich wie beim Vorhofflimmern kann ein solcher Embolus über die Venen in das rechte Herz und weiter in die Lunge gelangen. Man spricht dann von einer Lungenembolie, die durch Rechtsherzversagen lebensgefährlich werden kann.“ Bei etwa einem Viertel der Menschen existiert zudem eine Verbindung zwischen rechtem und linkem Vorhof, sodass ein solcher venöser Thrombus – zwar eher selten – direkt in das Gehirn verschleppt werden kann, was man als paradoxe Embolie bezeichnet. „Eine besonders schwere Erkrankung ist die Entzündung der Herzklappen, die Endokarditis. Je nach Befall kann es dabei ebenso zu einer Streuung von Blutgerinnseln und auch infektiösen Erregern in das Gehirn kommen“, weiß der Facharzt. <h3> „Broken Heart Syndrom“</h3>Beide Organe gemeinsam betrifft auch eine Krankheit, die als „Broken heart Syndrom“ (zu Deutsch: „Gebrochenes-Herz-Syndrom“) oder Takotsubo-Kardiomyopathie bezeichnet wird. „Dabei wirken starke emotionale Ereignisse, wie zum Beispiel der Verlust eines nahen Angehörigen, als Auslöser für Symptome und Krankheitszeichen, die auch durch medizinisches Fachpersonal im Einzelfall nur schwer von einem akuten Herzinfarkt zu unterscheiden sind“, sagt Dr. Peter Marschang. <BR /><BR />Zu Schädigungen und Funktionsausfällen können auch langdauernde Einflussfaktoren führen. Dazu zählen zum Beispiel ein nicht behandelter Bluthochdruck oder eine reduzierte Herzleistung, die sich auf die Gehirnfunktion auswirken und eine Demenzerkrankung begünstigen kann. „Umgekehrt können Stressfaktoren oder chronische neurologische Erkrankungen wie zum Beispiel die Parkinsonerkrankung unmittelbare Auswirkungen auf die Herz- und Kreislauffunktion haben“, berichtet der Facharzt.<BR /><BR />Dies zeige, dass Herz und Hirn sowohl bei normaler Funktion als auch unter Krankheitsbedingungen nicht voneinander zu trennen seien. Für die korrekte Diagnose und erfolgreiche Behandlung der genannten Krankheiten sei deshalb oft eine interdisziplinäre Herangehensweise mit Einbeziehung von Herz- und Gehirnspezialisten notwendig, erklärt Dr. Marschang. Er bricht aber neben der oft notwendigen medikamentösen Therapie auch eine Lanze für eine entsprechende Lebensstiländerung mit körperlicher Bewegung und gesunder Ernährung – denn das tut beiden Organen – Herz und Gehirn – gut. <h3> Was Herz und Hirn gut tut</h3>Ein gesundes Leben mit körperlicher Bewegung und gesunder Ernährung hält gesund und unterstützt im Krankheitsfall eine medikamentöse Therapie. „Die körperliche Bewegung sollte idealerweise 2 bis 3 Mal pro Woche über 30 Minuten in mittlerer Intensität in Form von Ausdauersportarten, wie beispielsweise Laufen, Radfahren, Schwimmen erfolgen“, erklärt Prof. Dr. Peter Marschang. <BR /><BR />„Als Ernährungsempfehlung würde ich primär raten, tierische Fette zu reduzieren und durch hochwertige Pflanzenfette, wie zum Beispiel Olivenöl, zu ersetzen.“ Sehr gute Daten gibt es für die in Italien weit verbreitete mediterrane Diät.