Am 12. März seien der 17-jährige Sohn der deutschen Urlauberfamilie mit seinem älteren Bruder (20) und einem Freund (18) zitternd, blutend und völlig aufgelöst gegen 1.20 Uhr nachts in die Ferienwohnung in Ladis zurückgekehrt.<BR /><BR />„Papa, da war ein Mann und hat mit der Heugabel auf uns eingeschlagen, ich dachte, der bringt uns um“, schildert ihm der Jüngere unter Tränen und noch ganz im Schock. Der 19-jährige Freund habe aufgrund der Kopfwunde kaum ein Wort herausgebracht. Auch heute noch seien die drei aufgrund des brutalen Angriffs „bis ins Mark erschüttert“ und „verstört“.<BR /><BR /><BR />Was sie in der Nacht vom 11. auf den 12. März erlebt haben, machte die Tage darauf Schlagzeilen. „Wirt attackierte Deutsche in Ladis mit Heugabel“, hieß es in der Tiroler Tageszeitung. Auch internationale Medien berichteten. Nun wendete sich die betroffene Hamburger Familie in einem Schreiben an den Bürgermeister von Ladis und schilderte die Geschehnisse aus ihrer Sicht. Der Grund: Der beschuldigte Wirt und Hotelier ist auch Gemeindepolitiker. Man solle nicht zur Tagesordnung übergeben, sagen sie.<h3> Mit Heugabel attackiert</h3>Die drei jungen Männer waren demnach in der Nacht zu Fuß von Fiss in die Ferienwohnung nach Ladis gegangen. Neben der Piste entdeckten sie auf der Terrasse eines leeren Après-Ski-Lokals einen Snackautomaten. Sie sahen, dass eine Schokolade aus der Halterung heraushing, mutmaßten, dass schon jemand bezahlt hatte, die Süßigkeit aber nicht heruntergefallen war, und begannen das Gerät zu kippen und daran zu rütteln. Danach hätten sie sich auf eine Bank gesetzt und die Schokolade gegessen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1144911_image" /></div> <BR /><BR />Der Hotelier wäre mit einem bereiften Pistenfahrzeug, hoher Geschwindigkeit und extrem grellen Licht auf die drei zugerast. Er sei vom Gefährt abgesprungen und brüllend und mit erhobener Heugabel – die Zinken nach oben – auf sie zugerannt. Einen der Burschen, der flüchten wollte, habe er im Vorbeirennen mit den Gabelzinken im Rücken getroffen. Die anderen beiden wären auf der Balustrade gehockt bzw. gekauert und hätten gefleht, ihnen nichts zu tun.<h3> Klaffende Kopfwunde</h3>Den 18-Jährigen habe er mit der Gabel auf den Kopf geschlagen und ihm damit eine große, klaffende Wunde zugefügt, die gleich zu bluten begann. Trotzdem habe er „kaltblütig, zielgerichtet, mit voller Absicht“, auf den Kopf des anderen schlagen wollen. Der konnte einen Hieb mit dem Arm noch abwehren. Der Angreifer versetzte den beiden weitere Schläge.<BR /><BR />Panisch seien die jungen Männer geflüchtet – man verlor sich dabei aus den Augen und fürchtete, dass der Freund mit der Kopfwunde irgendwo liegen könnte. Während sie sich versteckten, habe der Wirt mit voll aufgeblendeten Scheinwerfern Jagd auf sie gemacht und sei die Piste auf- und abgefahren. Schließlich konnten alle drei in die Unterkunft zurück retten. Selbst seien die drei nicht handgreiflich geworden.<h3> Geschockt Urlaub abgebrochen</h3>Neben der Kopfwunde trugen die jungen Männer auch Prellungen davon. „Allein einem glücklichen Zufall geschuldet, ist hierbei nichts Schlimmeres passiert.“ Die Folgen hätten vom Verlust des Augenlichts, über einen Schädelbasisbruch bis zum Tod führen können, schildert der Vater. Die Familie hat Ladis, wo sie mehrfach Urlaub gemacht haben, geschockt verlassen und den Urlaub vorzeitig abgebrochen.<BR /><BR />Verkürzt findet sich diese Schilderung auch im Polizeibericht: „Der Lokalbetreiber, ein 45-jähriger Österreicher, fuhr zum Restaurant, stellte die Deutschen zur Rede und attackierte sie schließlich mit einer mitgeführten Heugabel“, heißt es darin.<h3> Ganz andere Version vom Wirt</h3>Ganz anders schildert nun der Wirt die Situation. Er habe aus reiner Notwehr gehandelt und sein Hab und Gut und sein Leben gegen „drei Halbwüchsige“ verteidigt, die auf ihn losgegangen seien. „Es ist makaber, dass man vom Opfer zum Täter gemacht wird“, widerspricht er den Erzählungen der Urlauberfamilie. Es ist makaber, dass man vom Opfer zum Täter gemacht wird<h3> Wirt verteidigt sich</h3>Es sei losgegangen, als er mitten in der Nacht einen Anruf bekommen habe, dass auf der Terrasse randaliert wird. Das sei in der Vergangenheit immer wieder passiert. Wie er heraufgekommen ist, sei aber niemand mehr da gewesen. „Ich bin ums Haus herum, um zu schauen. Da ist einer auf mich hinaufgesprungen“, schildert der Touristiker. Er sei schwer auf die Halswirbelsäule gestürzt und sei daraufhin ein, zwei Sekunden bewusstlos gewesen. Vom Sturz benebelt habe er geschrien, was los sei.<h3> Von Jugendlichen angegriffen</h3>„Daraufhin habe er gehört, wie die jungen Männer gesagt haben: Den machen wir jetzt fertig“, behauptet er. „Ich habe mich um mein Leben gewehrt.“ Er habe selbst drei Kinder. Einer der jungen Männer sei wieder auf ihn los. „Ich habe etwas zum Schlagen gesucht, damit ich mich wehren kann.“ Dabei habe er die Heugabel genommen, deren Zinken sich aber gleich lösten. Er habe gar nicht geschaut, wo er hinschlägt. Zwei sind mit Bierkrügen gekommen und auf ihn zugestürmt.“<BR />„Ein Bierkrug ist ganz knapp an seinem Ohr vorbei“, sagt er. Er habe die beiden wiederum mit dem Stock getroffen. Seit dem Sturz habe er Schmerzen. Die Rippe sei geprellt. „Ich kann nicht einmal mehr ein Bier zapfen.“<h3> Bürgermeister wurde verdächtigt</h3>„Ich bedaure, wenn es so einen Vorfall in meiner Gemeinde gibt“, sagt der Bürgermeister Hans-Georg Pittl. Er hat deshalb mit der betroffenen Familie nach diesem Brief Kontakt aufgenommen. „Ich muss abwarten, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind“, betont er. Es gebe immer zwei Seiten, aktuell stehen Aussage gegen Aussage. Laut der Polizei ist der Akt bisher nicht abgeschlossen, es stehen weitere Ermittlungen aus.<BR /><BR />Kurios: Auch der Bürgermeister wurde kurz von Unbeteiligten verdächtigt, der Angreifer zu sein, weil er selbst einen Automaten auf seinem Hof stehen hat. Er habe zunächst gar nicht ausgekannt – konnte das dann aber schnell aufklären, sagt Pittl.