<b>Wie sind Sie dazu gekommen, sich mit Heilkräutern und Arzneien zu beschäftigen?</b><BR /><BR />Schwester Lutgarde Honegger: Bis ins Jahr 2000 halfen die Schwestern in der Landwirtschaft. Unser Kloster hat die Kräuter betreffend keine Tradition entfaltet. Auch in den existierenden Dokumenten finden wir keinen Hinweis auf Kräuteranbau, -verarbeitung und -verwendung. Als ich 2006 als Novizin nach Müstair gekommen bin, habe ich im Garten geholfen und in der Gemeinschaft trat der Wunsch auf, dass ich mich mehr damit beschäftige. Sr. Teresita vom Kloster Heiligkreuz gab mir Ratschläge und schon bald begann ich, eigenen Tee herzustellen. <BR /><BR /><b>Wie war die Nachfrage?</b><BR /><BR />Sr. Lutgarde: Die Nachfrage war hoch, pro Jahr verkauften wir bis zu 1.000 Säckchen in unserem Klosterladen. Ich habe 17 verschiedene Mischungen angeboten. Sie wirkten z.B. bei Husten, bei Grippe oder waren gut für die Verdauung. Dann habe ich eine Ausbildung zur Kräuterfrau gemacht und Cremen, Salben und Tinkturen produziert. Die Arbeit brachte viel Freude, gerade durch die Begegnungen und den Austausch, die sie ermöglichte. Die Natur kann durch einfache Mittel Heilung schenken. Ich habe auch einmal gelesen, dass besonders Kinder und ältere Menschen zunächst auf Naturmedizin setzen sollen, bevor sie zur Schulmedizin greifen.<BR /><BR /><b>Warum haben Sie 2024 aufgehört, Mittel aus Kräutern herzustellen?</b><BR /><BR />Sr. Lutgarde: Ich hatte dafür immer weniger Zeit. Da es im Kloster an Nachwuchs fehlt und viele Mitglieder älter geworden sind, übernahm ich vermehrt andere Aufgabenbereiche. <BR /><BR /><b>Haben Sie erlebt, dass ein Kräutermittel jemandem besonders geholfen hat?</b><BR /><BR />Sr. Lutgarde: Einmal gab ich einer Mutter Kapuzinerkresse für ihre Tochter, die Blasenentzündungen hatte. Sie hatte Antibiotika genommen, die wollte sie nicht mehr. Die Tinktur half ihr. Sie hatte danach keine Beschwerden mehr.<BR /><BR /><b>Badesalz</b><BR />„Auf 1 kg grobes Meersalz brauche ich drei Joghurtbecher Kräuter nach Wahl, wie z.B. Lavendel, Duftrose oder Kamille, und fülle das schichtweise in ein entsprechendes Gurkenglas. Dann lasse ich das Ganze für vier bis sechs Wochen an einem dunklen Ort stehen, damit es ziehen kann. Zum Gebrauch wird die gewünschte Menge am besten in ein Leinensäckchen gefüllt und so ins einfliessende Badewasser getan.“ <h3> Im Garten der Ordensfrauen</h3>Aus ihren Kräutern hat Schwester Lutgarde Honegger von Müstair so einiges hergestellt: von Teemischungen über Salz bis hin zu Duftsäckchen, Cremen und Salben. „In der „Apotheke Gottes„ finden wir viele natürliche Heilkräfte“, sagt sie.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1320822_image" /></div> Mit geschickten Händen zupft Sr. Lutgarde Honegger an der Kletterpflanze. „Das ist Hopfen“, sagt sie und reißt die Spitze ab. „Die Spitze ist essbar, ihr Geschmack erinnert an grünen Spargel.“ Gesagt, und schon verschwindet der „Hopfenspargel“ in ihrem Mund. Weibliche Hopfenblüten hat die Ordensfrau für Teemischungen verwendet; Hopfentee kann beim Einschlafen helfen und bei Stress beruhigen. Mehrere Jahre stellte sie Teemischungen, Kräuter- und Badesalz, Cremen, Salben, Tinkturen und Seifen her. Das bedeutete, Kräuter ernten, trocknen, säubern sowie Kraut, Blätter und Blüten weiterzuverarbeiten. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1320825_image" /></div> <BR /><b>Zwischen den Pflanzen</b><BR /><BR />Heute fehlt ihr die Zeit für Kräuteranbau und -verarbeitung. Zwei Gärtner kümmern sich um die weitläufigen Anlagen des Klosters. Nur der kleine Apfelbaumgarten ist ihr ganz persönliches „Reich“ geblieben. Eine jede Pflanze, ein jedes Kraut kennt sie dort – und deren Wirkung. Sr. Lutgarde zeigt auf einen Strauch. „Das ist Weißdorn. Die Pflanze ist gut fürs Altersherz. Weißdorn trägt rote Beerenfrüchte. Diese sind essbar und wurden früher, in Kriegszeiten, getrocknet zum Strecken von Mehl verwendet.“ <BR /><BR />Dann geht sie weiter und deutet auf ein grünes Gewächs, das sich sternenförmig aus dem Boden hebt. Es ist als Königskerze oder Wollblume bekannt, die Blüten werden bei Husten verwendet. <BR /><BR />Sr. Lutgardes Blick richtet sich auf die nächste Pflanze, ihre Hände berühren die feinen gefransten Blätter. Es ist Beifuß, ein Estragongewächs. „Davon sollte man nicht zu viel zu sich nehmen. Das kann sonst unerwünschte Nebenwirkungen haben“, weiß sie. Die Klosterfrau bückt sich, ihre Hände gleiten nach unten. „Du gehörst nicht hierher“, schmunzelt sie und reißt das Beikraut heraus. <BR /><BR />Zwischendurch muss sie jäten, „Ordnung schaffen“, wie sie sagt. Aber ansonsten macht der Apfelbaumgarten nur wenig Arbeit. Sr. Lutgarde geht zu den Walderdbeeren, sie pflückt ein Blatt ab und wickelt es mithilfe eines Grashalms um ihren Finger. „Wenn man eine kleine Schnittwunde hat, dann hilft es.“ Man glaubt es ihr sofort. <BR /><BR /><b>Tipps von Schwester Lutgarde Honegger</b><BR />• Kräuter im Garten pflanzen und nur jene pflücken und verwenden, die sich etwas abseits von Straßen befinden. <BR /><BR />• Bei einem Insektenstich können folgende zwei Kräuter Linderung verschaffen: - Spitzwegerich-Blätter leicht zerdrücken und den Saft auf den Stich auftragen. - Mit der Unterseite eines Salbeiblattes über die betroffene Stelle streichen. <BR /><BR />• Kräuter im Tee: Wasser aufkochen, auf die Seite stellen und verschiedene getrocknete Kräuter dazugeben. Den Tee 3 bis 4 Minuten bei geschlossenem Deckel ziehen lassen. Thymian macht die Haut rein und lindert Husten, Oregano wirkt beruhigend. Nicht mehr als acht verschiedene Kräuter kombinieren, um eine optimale Wirkung zu erzielen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1320828_image" /></div>