Freitag, 6. Mai 2022

„Vor 50 Jahren gab es vor allem Stadel-, Haus- und Waldbrände“

Wie hat sich das Feuerwehr-Dasein verändert? Wie haben sich die Einsätze verändert? Heute gebe es vermehrt technische Einsätze, sagt Landesfeuerwehrpräsident Wolfram Gapp. Vor 50 Jahren sah das noch ganz anders aus. Ein Gespräch zum heutigen Landesfeuerwehrtag.

306 Freiwillige Feuerwehren sind in Südtirol rund um die Uhr bereit. - Foto: © fm

Von: Ulrike Huber


STOL Herr Gapp, letzthin waren die Feuerwehren wieder mehr Feuerwehr. Es gab viele Waldbrände. Immer mehr wirkt sich der Klimawandel auch auf Ihre Arbeit aus...

Wolfram Gapp: Ja, stimmt. Unsere Arbeit ist aber auch im Zeichen der Nachhaltigkeit zu sehen. Wenn es uns gelingt, einen Waldbrand schnell und effizient zu löschen, ist das ein Akt der Nachhaltigkeit. Durch unser schnelles Eingreifen wird nur eine kleine Fläche zerstört. Natürlich kommen uns die guten Forstwege und die Speicherbecken zugute, die die Forstbehörde errichtet.

STOL: Ein Brand entsteht freilich nicht von alleine. Was können Bürger zur Vorbeugung tun?
Gapp: Ich will jetzt keinem einen Vorsatz vorwerfen, aber von Fahrlässigkeit müssen wir wohl ausgehen: Eine nicht ganz ausgelöschte Zigarette, im Wald deponierte Asche, nicht gelöschte Lagerfeuer. Unsere Mitbürger sollten von unüberlegten Handlungen Abstand nehmen.

Wolfram Gapp - Foto: © fm



STOL: Anderes Thema. Südtirol hat immer mehr lange Straßentunnels. Sind Unfälle in Tunnels vor allem für Fahrzeuge mit alternativem Antrieb gefährlich?
Gapp: Eigentlich sind Unfälle für solche Fahrzeuge nicht gefährlicher als Unfälle, in die Lkw mit Gefahrgut involviert sind. Die neuen Antriebsarten für Fahrzeuge sind neue Herausforderungen für die Feuerwehren so wie es alle Neuerungen in der Technologie sind. Wir verschließen uns den neuen Techniken nicht. Denken wir 50 Jahre zurück: Da gab es für uns Stadel-, Haus- und Waldbrände und Naturkatastrophen, heute kommen immer mehr technische Einsätze auf uns zu.

STOL: Und auf die muss man sich auch in der Ausbildung vorbereiten...
Gapp: Ja, das stimmt. Inzwischen gibt es bei uns über 40 verschiedene Lehrgänge für Feuerwehrleute. Dabei muss ich auch sagen, dass es unser Glück ist, dass bei uns sehr viele verschiedene Berufsgruppen vertreten sind und wir damit in vielen Bereichen Leute haben, die mit den Geräten umgehen können. Ich denke an Schlosser, die mit hydraulischen Rettungsgeräten gut umgehen können oder Tischler, die bei Türöffnungen eine wichtige Hilfe sind oder auch Bauern, die regelmäßig eine Motorsäge benutzen. Aber natürlich gibt es auch viele Leute, die mit diesen Geräten nicht affin sind und die natürlich genauso für den Einsatz vorbereitet sein wollen und auch die nötigen Kurse brauchen. Zum Glück ist die Bereitschaft groß, diese Kurse zu besuchen.

STOL: Feuerwehrmann sein bedeutet nicht einfach viel Blaulicht und Tatütataa, sondern viel mehr...
Gapp: Ja, das trifft immer mehr zu. Man kann freiwillig dazugehen, dann aber gibt es Pflichten. Beispielsweise steht in unseren Statuten, dass man bei den Proben dabei sein muss, wenn es Beruf und Gesundheit zulassen, selbiges gilt für die Einsätze. Natürlich haben wir es uns selbst auferlegt, mit der Freiwilligkeit und auch mit der Bereitschaft vieler Arbeitgeber und auch der Familien unserer Feuerwehrmänner und -frauen sorgsam umzugehen. Wir versuchen, zu den Einsätzen nur so viele Leute wie nötig zu rufen und sie auch nur so lange wie nötig dort zu belassen.

STOL Immer mehr Leute sagen, sie seien in ihrem Leben genug ausgelastet, sie möchten sich nur projektbezogen freiwillig engagieren. Haben Sie ein Nachwuchsproblem?
Gapp: Nein, zum Glück haben die Feuerwehren damit kein Problem. Bei den Jungen haben wir sogar einen Zuwachs von 10 Prozent.

STOL: Warum ist es so toll, bei der Feuerwehr zu sein?
Gapp: Ich denke, es ist die Vielfältigkeit. Aber es ist auch schön, wenn Erfahrung mit jugendlichem Enthusiasmus zusammenkommen und man sieht, wie die verschiedenen Fähigkeiten der Leute sich ergänzen. Es ist die Aufgabe der Kommandanten, die Feuerwehrleute zu führen und sie entsprechend ihren Fähigkeiten einzusetzen. Das Aufeinander-Schauen, das Übernehmen von Verantwortung und die Disziplin machen unsere Arbeit interessant.

STOL: Wie schaut es mit den Finanzen nach 2 Jahren Pandemie aus?
Gapp: Ja, darüber werden wir uns unterhalten müssen. Der Feuerwehrdienst ist ein Gemeindedienst, die Bilanzen werden von den Gemeinden genehmigt. Mancherorts gibt es Probleme, die sind wir dabei zu lösen. In den 2 Jahren Pandemie fehlten vielen Wehren Einnahmequellen wie die Feste. Wir hoffen auf öffentliche Unterstützung. Genauso hoffen wir auch, dass die Bürokratie nicht noch weiter ausufert. Wir als Verband unterstützen die Wehren zwar, wo wir können, mancherorts hilft auch die Gemeinde, aber viel machen die Leute draußen selber.

uli

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