Sonntag, 11. Dezember 2016

Heute ist Welttag der Berge: „Wir müssen uns einschränken“

Der Internationale Tag der Berge (11. Dezember) klingt wie ein Tag für Südtiroler. Der Südtiroler lebt am Berg, er lebt mit dem Berg, er lebt vom Berg. Doch Georg Simeoni, AVS-Präsident, sagt: „Nicht alle schätzen die Landschaft als das, was sie ist.“ Und: „Irgendwann muss genug sein.“

Verletzliche Riesen: Heute ist Welttag der Berge. Im Bild: der Ortler vom Stilfser Joch aus gesehen. - Foto: Fabio Panzera
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Verletzliche Riesen: Heute ist Welttag der Berge. Im Bild: der Ortler vom Stilfser Joch aus gesehen. - Foto: Fabio Panzera

Südtirol Online: Herr Simeoni, Südtiroler sehen sich gerne als Bergmenschen, als Bergvolk. Sind sie das überhaupt noch?
Georg Simeoni, Präsident des Südtiroler Alpenvereins AVS: Die Zahlen sprechen für sich: Südtiroler haben mit den Bergen nach wie vor sehr viel am Hut. Man muss nur schauen, wie viele Woche für Woche in den Bergen unterwegs sind. Wir sind also durchaus noch Bergmenschen in diesem Sinne.

STOL: Der Südtiroler hat ein sehr spezielles Verhältnis zum Berg. Zum einen, stehen Berge für Heimat, Flucht und Zuflucht. Zugleich weiß der Südtiroler, der Berg kann ihm auch gefährlich werden – man denke an Lawinen, Bergunfälle, Felsstürze. Passt unsere Beziehung zum Berg oder müssen wir etwas ändern?
Simeoni: Ich bin der Meinung, dass der Südtiroler die Gefahren am Berg sehr wohl richtig einzuschätzen weiß. Die Ausbildung, die von verschiedenen Vereinen – auch vom AVS – angeboten wird, geht in die richtige Richtung, die Leute müssen sich am Berg ihrer Eigenverantwortung bewusst sein. Es gibt immer noch Menschen, die sich selbst überschätzen – aber denen kann man dann wahrscheinlich auch nicht helfen. Zudem gilt es zu sagen, dass immer noch sehr viel mehr Unfälle auf den Straßen als in den Bergen passieren.

STOL: Die Berge sind Südtirols größtes Kapital – als Erholungs- aber auch als Wirtschaftsraum. Schätzen und schützen wir die Landschaft genug?
Simeoni: Eine gute Frage. Nicht alle schätzen die Landschaft als das, was sie ist. Wir führen oft größere Diskussionen und haben unsere Auseinandersetzungen mit Gruppen, die unbedingt noch mehr erschließen, noch mehr verbauen wollen. Aber irgendwann muss genug sein. Wenn wir den Tourismus, den wir haben, erhalten möchten, dann müssen wir uns auch etwas einschränken – und die Natur und die Berge schützen, beziehungsweise, das erhalten, was jetzt noch intakt ist.

STOL: Wenn Arno Kompatscher auch bei einem Tourismusrekordsommer sagt, er sei nach wie vor überzeugt, Südtirol müsse von außen besser erreichbar werden, dann sagen Sie...
Simeoni: Südtirol ist auf jeden Fall erreichbar. Vor kurzem fand in Brixen eine internationale Bergsteigerversammlung statt – mit Delegierten aus 140 Ländern – und niemand hatte Probleme, nach Brixen zu kommen.

STOL: Mit Sommer 2017 soll ein Pilotprojekt zur Verkehrsberuhigung der Dolomitenpässe starten: An sogenannten „Green Days“ soll das Sellajoch für einige Stunden Radlern und Fußgängern gehören. Wie bewerten Sie diese Initiative?
Simeoni: Noch bevor die Dolomiten überhaupt zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt wurden, hatten wir als Alpenverein schon eine partielle Schließung der Pässe gefordert. Und nach wie vor sind wir der Meinung, dass die Dolomitenpässe an Sommertagen nur für den öffentlichen Verkehr geöffnet werden sollten. Die „Green Days“ sind sicherlich eine Möglichkeit, zu testen, wie man eine Sperre organisatorisch umsetzen könnte. Aber: Fünf oder zehn Tage Sperre im gesamten Sommer sind sicherlich nicht ausreichend.

Interview: Petra Gasslitter
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Internationaler Tag der Berge am 11. Dezember: Die Vereinten Nationen haben diesen Tag 2003 ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für die Probleme der Berge zu schaffen – die da, unter anderem, wären: Klimawandel, Gletscherschmelze, Verbauung, Lärm, Schadstoffe. Umweltlandesrat Richard Theiner sagt: Wollen wir die Berge erhalten, müssen wir sie schützen. 

stol