Sonntag, 19. Juli 2015

Heute vor 30 Jahren: der todbringende Dammbruch von Stava

12.22 Uhr und 55 Sekunden des 19. Juli 1985: Viele Menschen in Stava sitzen gerade am Mittagstisch. Niemand ahnt, dass nur Minuten später 268 Menschen des Dorfes auf der Südseite des Lavaze-Jochs unter enormen Schlammmassen begraben würden. Der Damm eines oberhalb des Dorfes aufgeschütteten Klärbeckens war gebrochen.

Innerhalb von Sekundenschnelle wurde Stava am 19. Juli 1985 verwüstet. (Foto: L'Adige)
Innerhalb von Sekundenschnelle wurde Stava am 19. Juli 1985 verwüstet. (Foto: L'Adige)

30 Jahre ist es nun her, dass der kleine Ort Stava im gleichnamigen Seitental des Fleimstales von Wasser- und Schlammmassen zerstört wurde. 

 

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Der Dammbruch von Stava in einer Doku von "National Geographic", Teil 1

Mit einer Geschwindigkeit von 90 Stundenkilometern rasten 180.000 Kubikmeter an Wasser, Schlamm, Sand, Gebäudeteilen und entwurzelten Bäumen zu Tal.

Der Schlammlawine ging eine gewaltige Druckwelle voraus, die Bäume und Dächer in die Luft schleuderte und Häuser zerstörte. Bis zur Mündung in den Avisio, der durch das Fleimstal fließt, wurde alles weggefegt bzw. niedergewalzt, was im Weg stand.

268 Menschen kamen dabei ums Leben – unter diesen 59 Kinder und Jugendliche. Drei Hotels, 53 Häuser, sechs Industriegebäude und acht Brücken wurden zerstört.

 

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Der Dammbruch von Stava in einer Doku von "National Geographic", Teil 2

Was war passiert? Um das am Prestavel nahe Stava geförderte Fluorit zu waschen, hatte die Bergwerksgesellschaft an einem Berghang oberhalb von Stava zwei Dämme aufgeschüttet. Sie dienten als Absetzbecken für die Bergwerks-Deponien. Allerdings waren diese Dämme über 20 Jahre lang nicht auf ihre Stabilität überprüft worden. Zudem waren bei der Errichtung gravierende bautechnische Fehler begangen worden.

 

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Der Dammbruch von Stava in einer Doku von "National Geographic", Teil 3

An jenem 19. Juli 1985 war zunächst der Damm des oberen Beckens gebrochen und der Inhalt ins untere Becken gestürzt. In der Folge brach auch der Damm des darunter liegenden Beckens. Die Katastrophe nahm ihren Lauf.

An den Bergungs- und Aufräumarbeiten beteiligten sich über 19.000 Mann, unter diesen allein über 8000 Mann der Freiwilligen Feuerwehren des Trentino sowie 4000 Alpini-Soldaten.

 

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Der Dammbruch von Stava in einer Doku von "National Geographic", Teil 4

Hilfe kam damals auch aus Südtirol. Neben der Bozner Berufsfeuerwehr waren auch aus Südtirol viele Männer der Freiwilligen Feuerwehren nach Stava aufgebrochen. Unterstützt wurden die Helfer durch 19 Hubschrauber, 774 Lkw, 137 Spezialfahrzeugen, 16 Kranwagen, 27 Feldküchen.

Seit der Katastrophe wird alljährlich jener Menschen gedacht, die bei der Katastrophe 1985 ums Leben gekommen sind. 13 von ihnen sind bis heute verschollen.

 

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Der Dammbruch von Stava in einer Doku von "National Geographic", Teil 5

Zum 30. Jahrtag ist das Programm der Gedenkfeier am heutigen 19. Juli noch umfassender: Den Auftakt macht eine Gedenkmesse für alle Opfer der Katastrophe in der Pfarrkirche von Tesero mit dem Trentiner Erzbischof Luigi Bressan, mit anschließender Kranzniederlegung am Friedhof und Segnung der Gräber.  

Von 11 bis 16 Uhr bietet das Dokumentationszentrum "stava 1985" Führungen am Unglücksort an, für 13 Uhr ist eine Gedenkfeier im Mehrzweckhaus angesetzt. Um 16 Uhr findet in Prati di Pozzole ein Konzert statt.

stol