Franz Gasser (70) war am Sonntag am frühen Nachmittag mit seiner Frau zum Spaziergang aufgebrochen, das ehemalige Bergwerk im Tinnetal war das Ausflugsziel. Der pensionierte Kassier am Mauthäuschen der Brennerautobahn ist viel auf den Bergen unterwegs und hält im Sommer immer Ausschau nach Pilzen. Doch im November fand er noch nie welche. „Neben dem Weg entdeckte meine Frau gelbe Punkte, fast scherzhaft meinte sie, das seien Pfifferlinge. Ich stieg ab und da waren sie – schöne, frische Pfifferlinge“, schilderte Gasser die freudige Überraschung.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1236360_image" /></div> <h3> „Pilze kennen keinen Kalender“</h3>Bleibt die Frage, ob Pilze im November selten sind, wie im Falle von Villanders auf über 1.000 Metern Höhe. „Selten ja, aber nicht außergewöhnlich“, sagt Pilzexperte Karl Kob. „Das ist kein Wunder, es kommt nur auf die klimatischen Bedingungen an, denn Pilze kennen keinen Kalender. Es zählen einzig und allein die klimatischen Bedingungen“, erklärt der Präsident des mykologischen Vereins „Bresadola“. Sonne und Plusgrade brauche es, genügend Feuchtigkeit in Luft und Boden und keinen Wind. Erst mit Temperaturen unter Null Grad hört laut Kob das Wachstum des Pilzgeflechts im Boden auf. Das alles treffe auf den Fundort zu, bestätigt Gasser: „Der Boden war nicht gefroren, die Sonnenstrahlen waren mild. Auch die Pfifferlinge und die 'Herrennagelen' waren wie im Sommer“. Sommergefühle kamen am Montag auf, beim cremigen Pilzrisotto am Mittagstisch.<h3> Manche mögen's kalt</h3>Es gibt auch Pilze, denen Kälte nicht viel anhaben kann, versichert Kob. Der sogenannte „Kiefernsteinpilz“ möge es kühl, er wurde sogar schon im Schnee gefunden.<BR /><BR /><i>Der mykologische Verein „Bresadola“ zählt italienweit 120 Ortsgruppen von Bozen bis Sizilien, mit rund 8.300 Mitgliedern, und gilt als größter Pilzverein Europas. Präsident auf nationaler Ebene ist Karl Kob (79) aus Bozen.</i>