Montag, 01. Februar 2021

„Hier wohnen wir: Nimm Rücksicht auf das Wild“

Oswald Kottersteger ist Jäger und Revierleiter in Prettau. Er war einer der ersten Revierleiter, die auf den „Massenansturm“ im diesjährigen Coronawinter reagierten und die Freizeitsportler aufforderte, Rücksicht auf die Wildtiere zu nehmen. Auf seine und auf die Initiative vieler anderer besorgter Jäger hat der Südtiroler Jagdverband Hinweistafeln erarbeitet, welche sportbegeisterte Naturfreunde für die Tierwelt sensibilisieren sollen.

Eine Aktion des Südtiroler Jagdverbandes soll für die Tierwelt sensibilisieren.
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Eine Aktion des Südtiroler Jagdverbandes soll für die Tierwelt sensibilisieren. - Foto: © südtiroler Jagdverband
Prettau zählt zu den schneereichsten Revieren im Land. Mit seinen 12 Dreitausendern ist es Anziehungspunkt für unzählige Skitourengeher und Schneeschuhwanderer. Diese bringen viel Unruhe in die Hochlagen und Wälder.

„Für Reh und Gams sind Skifahrer, die plötzlich den Hang oder durch den Wald herunter geschossen kommen, eine Bedrohung. Sie fliehen panisch. Das kostet, wenn es immer wieder passiert, unter Umständen so viel Kraft, dass die Tiere den Winter nicht überstehen,“ weiß Kottersteger.



Betroffen sind auch andere Tierarten: Rotwild, die störungsempfindlichen Raufußhühner und selbst das Steinwild. Deshalb ist es wichtig, vor allem im Wald ausschließlich auf den ausgewiesenen Routen zu bleiben. Auf diese Weise können sich die Wildtiere auf die Anwesenheit des Menschen einstellen.

800 Hinweistafeln an Skitouren- und Wanderrouten

Mit der Kampagne „Hier wohnen wir. Nimm Rücksicht auf das Wild“ wollen die Südtiroler Jäger und ihr Verband auf diese Problematik hinweisen. In diesen Tagen werden rund 800 Hinweistafeln an besonders frequentierten Skitouren- und Wanderrouten angebracht.

Auch die Hundehalter sind gebeten, ihre Vierbeiner anzuleinen. „Welches Herrchen oder Frauchen kann schon zu 100 Prozent sicher sein, dass der Hund nicht beim Anblick eines Wildtieres auf Nimmerwiedersehen im Wald verschwindet? Die Durchführungsverordnung zum Schutz der Tierwelt sieht jedenfalls Leinenpflicht vor. Niemals darf ein Hund unkontrolliert durch den Wald streunen, denn einen umherstöbernden Hund empfinden Wildtiere noch mehr als Bedrohung“, so der Jagdverband. Das Anleinen im Winter sei umso wichtiger, als sich die Wildtiere gerade jetzt oft in der Nähe von Wegen aufhalten, weil sie dort leichter vorankommen.

Landesjägermeister Günther Rabensteiner unterstreicht: „Wir wollen die Menschen mit dieser Aktion nicht aus der Natur verbannen. Wir alle wissen, wie gut es uns tut, in einer schönen Bergwelt Kraft zu tanken, ganz besonders in Zeiten wie diesen. Es geht vielmehr darum, die Interessen der Wildtiere und der Menschen miteinander zu vereinbaren. Die Menschen sollen die Natur genießen und dabei Rücksicht auf die Wildtiere nehmen.“

Im Dezember hatte bereits der Direktor des Südtiroler Jagdverbandes Benedikt Terzer im Interview mit STOL dazu aufgerufen, die sogenannte Wildruhezonen zu respektieren.

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Was Wintersportler und Naturfreunde jetzt für das Wild tun können:

- Bleiben Sie auf den ausgewiesenen Routen und markierten Wegen, vor allem im Wald.

- Meiden Sie die Dämmerung. Das ist die Zeit, in der viele Wildtiere die Ruhe im Wald nutzen, um nach Nahrung zu suchen.

- Umgehen Sie Waldränder und schneefreie Flächen, hier halten sich Wildtiere gerne auf.

- An Futterstellen ist es besonders wichtig, dass das Wild Ruhe findet. Bitte umgehen Sie diese großräumig.

- Nehmen Sie Ihren Hund an die Leine.

stol

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