Montag, 30. März 2020

Hilfe bei häuslicher Gewalt: Kampagne des Landesbeirates

Der Landesbeirat für Chancengleichheit startet eine Kampagne gegen Gewalt an Frauen. „Wehrt Euch! Es gibt Hilfe“, lautet der Aufruf. Italienweit werden Frauen dazu aufgerufen, auch in dieser Ausnahmesituation Gewalt nicht hinzunehmen und sich zur Wehr zu setzen.

Auch in einer Ausnahmesituation darf häusliche Gewalt nicht hingenommen werden.
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Auch in einer Ausnahmesituation darf häusliche Gewalt nicht hingenommen werden.
In der derzeitigen Ausnahmesituation und aufgrund der einschränkenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie droht ein Anstieg der häuslichen Gewalt. Angesichts der Ausgangsbeschränkungen sind Frauen in den eigenen 4 Wänden vermehrt Gewaltsituationen ausgesetzt. Frauenverbände- und organisationen schlagen italienweit Alarm und appellieren an die Opfer, sich zur Wehr zu setzen und Gewalt auch in dieser Ausnahmesituation nicht einfach hinzunehmen.

„Wir sind da und lassen Frauen in dieser schwierigen Situation nicht alleine“, betont die Präsidentin des Landesbeirats für Chancengleichheit für Frauen, Ulrike Oberhammer.

„Gewalt an Frauen ist keine Privatangelegenheit, auch wenn sie in den eigenen 4 Wänden stattfindet, sondern ein gesamtgesellschaftliches Thema. Es ist Aufgabe der Gesellschaft, Frauen zu schützen und rechtzeitig zu intervenieren. Mit einer Kampagne wollen wir den Frauen Mut machen, Hilfe zu suchen und Anzeige zu erstatten. Es gibt Wege und Unterstützung aus der Gewaltspirale auszubrechen und ein neues Leben zu beginnen“, erläutert Oberhammer den Hintergrund der neuen Kampagne des Landebeirates.

Schwierigkeiten dürfen nicht in Gewalt münden

Die Südtiroler Landesregierung hatte bereits mit dem Tätigkeitsprogramm des Landesbeirats für Chancengleichheit für Frauen für das Jahr 2020 Initiativen zur Bekämpfung und Vorbeugung von Gewalt gegen Frauen genehmigt. „Wir durchleben derzeit eine Krise, die unsere Gesellschaft tiefgreifend berührt. Manche Menschen gelangen dabei an ihre Grenzen. Dennoch kann es niemals zulässig sein, dass persönliche Schwierigkeiten in Formen von Gewalt an der Partnerin oder der Familie ausarten“, betont Landeshauptmann Arno Kompatscher, der in der Landesregierung auch für Chancengleichheit zuständig ist.

Leider müsse festgestellt werden, dass gerade psychische Ausnahmesituationen zu Gewalt führen würden. „Deshalb ist die Investition in Sensibilisierung und Aufklärung zum Thema der Gewalt in der Familie nach wie vor unabdingbar“, unterstreicht der Landeshauptmann die Wichtigkeit der Initiative.

Aufruf zur landesweiten Verbreitung

Die Kampagne „Gegen Gewalt an Frauen: Wehrt Euch! Es gibt Hilfe!“ wird in den Printmedien und in den sozialen Medien Raum finden. Sie richtet sich gleichzeitig mit einer Plakatvorlage an alle Einrichtungen, die derzeit geöffnet sind und in denen vorwiegend Frauen verkehren oder arbeiten: Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Krankenhäuser, Seniorenwohnheime, die öffentliche Verwaltung und alle Gemeinden.



Der Landesbeirat ersucht darum, die Plakate gut sichtbar in den Eingangs- und Kassenbereichen, in Schaufenstern oder Schaukästen auszuhängen. Ein Aufruf zur Weiterleitung an alle Verteilerkontakte ergeht an alle Frauenorganisationen und die Verbände der Sozialpartnerschaft in Südtirol ebenso wie an alle Banken.

Auch die Südtiroler Bevölkerung und die Unternehmen sind aufgerufen, sich aktiv zu beteiligen und das Online-Plakat weiterzuleiten und aufzuhängen, auch wenn der eigene Betrieb zur Zeit geschlossen ist. Denn auf dem Weg zur Arbeit oder in die noch offenen Geschäfte könnte eine Frau genau dieses Plakat sehen und Mut fassen Hilfe zu holen. Das Plakat kann hier online unter abgerufen werden.

Anlaufstellen auch für Männer

Neben dieser Initiative des Landesbeirats für Chancengleichheit, bieten derzeit zahlreiche öffentliche und private Stellen Hilfe und Beratung, um Konflikten in Familien und Beziehungen vorzubeugen oder solche zu lösen. So stehen die Fachleute der Ehe- und Erzeihungsberatung Südtirol fabe weiterhin für psychologische Beratungsgespräche zur Verfügung. Anmedlungen zur Beratung per Telefon oder via Skype können telefonisch (379 1517349) oder über E-Mail ([email protected]) vorgenommen werden.

Besonders an Männer in schwierigen Lebenssituationen gerichtet ist die Männerberatung der Caritas (0471 324 649 oder [email protected]). Infos für Väter in Coronazeiten bietet die Vereinigung Väter aktiv. Sie hat auch Tipps zur Alltagsgestaltung online gestellt und ist in Notfällen von 8 bis 22 Uhr telefonisch erreichbar (389 1930032). Eine weitere Anlaufstelle ist das Forum Prävention (0471 324 801 - [email protected]).

lpa