Sonntag, 15. August 2021

Hirtenbrief von Bischof Ivo Muser: „Mit Leib und Seele“

Zum Hochfest der Aufnahme Marias in den Himmel hat Bischof Ivo Muser das Schreiben „Mit Leib und Seele“ an die Gläubigen der Diözese verfasst, das er als einen sommerlichen Hirtenbrief zum Innehalten und zum Weiterdenken bezeichnet.

Bischof Ivo Muser hat einen Hirtenbrief zum „Hochunserfrauentag“ verfasst.
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Bischof Ivo Muser hat einen Hirtenbrief zum „Hochunserfrauentag“ verfasst. - Foto: © Oskar Verant
Darin formuliert der Bischof 3 Anliegen, die den „Hochunserfrauentag“ aktuell machen: ein entschiedenes Nein gegenüber Gewalt an Frauen, die Ehrfurcht vor jedem Menschen und den Hinweis darauf, dass das menschliche Sein aus Leib und Seele besteht.

„Wenn wir wieder verstehen, dass das Sein wichtiger ist als das Haben und das Immer-mehr-haben-wollen, kommen wir dem Geschenk und dem Geheimnis des Lebens wieder näher. Wir sind nicht nur Leib, sondern auch Seele“, schreibt Bischof Muser.

Im bislang letzten verbindlichen Glaubenssatz der Kirche heißt es, dass „Maria nach Vollendung des irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde“. Bischof Ivo Muser nimmt diesen Gedanken in seinem Hirtenbrief auf und schreibt eingangs, dass in der heutigen Zeit Körperkult Hochkonjunktur habe. Leib sei aber mehr als nur Körper.

„Leib ist unser Leben in Raum und Zeit, unsere Geschlechtlichkeit, unser Gesicht, unser Händedruck, unser Lachen und Weinen, unsere Erfahrungen, Haltungen und Beziehungen, unser Tun, unsere Entwicklung und unser Sterben müssen. Leib meint die Wunden, die uns geschlagen werden und die wir anderen schlagen. Unser Leib steht für unsere eigene Lebensgeschichte, für unsere Herkunft und für unsere Identität. Körperkult ist nicht christlich, aber auch Leibfeindlichkeit ist es nicht. Was wir am 15. August feiern, ist eine Konsequenz des christlichen Gottes- und Menschenbildes und ein christlicher Kontrapunkt zu Vorstellungen und zu Haltungen, die andere Menschen abwerten und erniedrigen“, so Muser.

Für Bischof Muser ist der „Hochunserfrauentag“ auch ein klares Ausrufezeichen gegen jede Gewalt an Frauen: Gewalt gegenüber Frauen reicht von psychischer Unterdrückung bis hin zu schwersten körperlichen Angriffen. Die vielen Frauenmorde sind erschreckend und beschämend zugleich. Auch die sexuelle Ausbeutung ist eine schwere Verletzung der Würde der Frau.“

Ehrfrucht vor jedem Menschen


Als zweites Anliegen in seinem Hirtenbrief nennt Bischof Muser die Ehrfurcht vor jedem Menschen: „Die neuen Medien geben uns mit vielen guten, hilfreichen und verbindenden Möglichkeiten auch Instrumente in die Hand, mit denen Menschen durch ihre Worte andere Menschen angreifen, an den Pranger stellen, schlechtmachen und gesellschaftlich ausgrenzen. „Shitstorm„ heißt eine Form der öffentlichen Hinrichtung heute. Und ein anderes Unwort lautet: “Fake News„ oder „alternative Wahrheiten„. Bewusst falsche Worte und Behauptungen werden in Umlauf gebracht. Das erzeugt Unsicherheit, Misstrauen, Verdächtigungen. Das vergiftet soziale, politische und persönliche Beziehungen!“

Schließlich ist der Festtag der Aufnahme Marias in den Himmel für den Bischof ein Bekenntnis zum Leib, zur Erde und zur Schöpfung. Der Bischof geht in diesem Zusammenhang auf die aktuelle Gesundheitskrise ein: „Corona ist immer noch ein sehr präsentes Thema. Es geht um die Gesundheit des Leibes und damit um einen Bereich, der alle angeht und der in unserer Gesellschaft die Prioritätenliste anführt. Ohne Zweifel: Der Schutz der körperlichen Gesundheit, auch durch eine Impfung, ist notwendig, gut und wichtig – und auch Ausdruck von Verantwortung, Solidarität und Respekt.“

„Corona konfrontiert uns aber auch mit einer Wahrheit, mit der unsere Gesellschaft sich besonders schwertut: Menschliches Leben ist und bleibt verletzlich, gefährdet, anfällig und sterblich – vor und auch nach Corona. Wie schaut es aus mit dem Schutz unserer Seele? Welche Impfung, welche Pflege, welche Aufmerksamkeit braucht unsere Seele? Wenn wir wieder verstehen, dass das Sein wichtiger ist als das Haben und das Immer-mehr-haben-wollen, kommen wir dem Geschenk und dem Geheimnis des Lebens wieder näher. Wir sind nicht nur Leib, sondern auch Seele! Hat Corona die Kraft, uns menschlicher zu machen? Von allein sicher nicht. Dazu braucht es unsere Entscheidung, die Prioritätenliste unseres Lebens und unserer Gesellschaft zu überdenken und wohl auch zu korrigieren. Und das täte Mensch und Schöpfung gut“, erklärt der Bischof.

Den Hirtenbrief im Wortlaut finde Seid online.

stol