Gegen den früheren SS-Obersturmbannführer Bernhard Frank ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen Mordverdachts. Das sagte Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu am Dienstag. Sie bestätigte damit einen Bericht der „Bild“-Zeitung. Der inzwischen 97-Jährige soll jahrelang unerkannt in der Nähe von Frankfurt gelebt haben.Geprüft werde, inwieweit der hochrangige SS-Führer Frank für einen Befehl vom Juli 1941 verantwortlich ist, Partisanen und Juden in den weißrussischen Pripjet-Sümpfen zu erschießen, sagte Möller-Scheu. Dabei habe es 10.412 Opfer in der Zivilbevölkerung gegeben, berichtete Staatsanwalt Thomas Will von der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg. Bei dieser Stelle war anonym Material eingegangen, das die Ermittlungen der Justiz gegen Frank in Gang brachte. Es sei Ende 2010 an die zuständige Staatsanwaltschaft in Frankfurt geleitet worden, sagte Will.Der 43 Jahre alte amerikanische Jude und Historiker Mark Gould habe Frank, „den Mörder seiner Familie“, aufgespürt, schreibt die „Bild“-Zeitung. Der Kalifornier habe sich als Neonazi ausgegeben, das Vertrauen des SS-Mörders erworben, der seit 65 Jahren in Hessen lebe und ihn enttarnt. Gould habe Frank über längere Zeit immer wieder aufgesucht, interviewt und dies gefilmt, berichtete Will. Er sprach von rund 100 Stunden Videoaufnahmen.Dabei habe Frank, der das letzte Kommando auf Adolf Hitlers Regierungssitz Obersalzberg gehabt habe, unter anderem bestätigt, dass er den Befehl für die Pripjet-Sümpfe unterschrieb. Die Bedeutung dieser Unterschrift müsse jetzt geklärt werden, sagte Möller-Scheu. Wenn es genauere Erkenntnisse gebe, werde die Staatsanwaltschaft an Frank herantreten, der in einem der Landkreise bei Frankfurt lebt. Zu Gould hat die Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben auch noch keinen direkten Kontakt.dpa