Wir haben mit ihm über diesen historischen Moment gesprochen.<BR /><BR /><b>Herr Mestre den Abend gut überstanden?</b><BR />Daniel Mestre: Ja, das war schon ein Erlebnis. Besonders die Messe zu singen für diesen historischen Moment, das werden wir unser Leben nie vergessen. Leider war der Schluss nicht so wie wir gewünscht.<BR /><BR /><b>Warum?</b><BR />Mestre: Weil wir im Freien bei der Segnung noch singen sollten, aber zuvor wurden wir von der spanischen Polizei hinaus auf die Straße getrieben.<BR /><BR /><p class="text-space-left"> </p> <b>Was ist denn passiert?</b><BR />Mestre: Manche Sänger hatten katalanische Fahnen in den Mappen, um zu zeigen, dass die Katalanen sehr stolz sind. Antoni Gaudì, der Architekt der Sagrada Familia, war ein stolzer Katalane. Er war im Gefängnis, weil er katalanisch gesprochen hat. Schon eine Woche vor der Feier gab es eine Polemik, weil diese ganz auf Spanische gehalten werden sollte und das wäre nicht im Sinne von Gaudì gewesen. Und während wir gesungen haben, hat die spanische Polizei die Mappen kontrolliert. So wurde dekretiert, dass von der Hymne von Monserrat, „Virlolai“, – das wäre der Schlussgesang gewesen – nur die erste Strophe gesungen werden durfte. Dann wurden wir 600 Sänger aus der Kathedrale hinausgeschmissen und auf die Straße gestellt wie Verbrecher. Dabei haben wir am Montag noch drei Stunden das Stück geübt, das extra für den Segen komponiert worden war. Es wurde dann nur Playback gespielt. Total übertrieben. Aber Südtirol hat ja eine ähnliche Geschichte.<BR /><BR /><b>Zurück zum Erfreulichen. Wie kommt man zu so einem Engagement?</b><BR />Mestre: Ich bin der künstlerische Leiter der katalanischen Chorvereinigung (FCEC), in Südtirol wäre das der Sängerbund, und habe mit dem FCEC-Präsident die Chöre ausgesucht; unter anderem auch meinen Chor „Choral Carmina“. Wir sind 45 Mitglieder und dazu die sechs Passeirerinnen. <BR /><BR /><b>Wie kamen Sie auf die Sängerinnen aus dem Passeier?</b><BR />Mestre: Meine Frau Ulrike Haller stammt aus St. Leonhard. Und als ich an Weihnachten dort war, habe ich Luise Pamer, die Tante meiner Frau, erzählt, dass der Papst nach Barcelona kommen wird, um den Christusturm zu segnen. Und meine Frage war: Wollt ihr da mitsingen? Ja, natürlich, war die Antwort und so haben Luise Pamer und Ulrike Moosmair, Obfrau des Kirchenchors, die Frauen ausgewählt.<BR /><BR /><b>Wie oft wurde geprobt?</b><BR />Mestre: Es gab nur eine einzige Probe mit allen Chören am vergangenen Montag. Da waren auch die Passeirerinnen dabei. Zuvor haben sie in St. Leonhard die Lieder mit meinen Angaben einstudiert. Die Passeirer Frauen waren total dankbar, eine solche Möglichkeit gehabt zu haben, das zu erleben. Und ich bin froh, dass die Südtirolerinnen dabei sein konnten. Wir hatten auch Schweizer und Deutsche im Chor, aber auch Argentinier, Venezolaner und Franzosen haben mitgesungen.<BR /><BR /><b>Was wurde gesungen?</b> Mestre: Das Kyrie, Gloria, Sanctus, das Vater unser usw. – sehr viel von katalanischen Komponisten. Es waren Lieder auf Latein und Katalanisch. Da habe ich bei der Aussprache geholfen. Das Halleluja von meinem Lehrer des Knabenchors Escolania de Montserrat, in dem auch ich vier Jahre gesungen habe. Der Papst hat ja am Mittwochvormittag zum 1.000 Jahr-Jubiläum Monserrat besucht.<BR /><BR /><b>Haben Sie dirigiert? </b><BR />Mestre: Dirigent war der Kapellmeister der Sagrada Familia. Ich habe die Messe mit meinem Chor einstudiert und mit den 600 Sängern mitgesungen.<BR /><BR /><b>Wie groß war die Aufregung?</b><BR />Mestre: Die Aufregung war natürlich da, aber es war unglaublich schön und beeindruckend in der höchsten Kirche der Welt und inmitten dieser Schönheit, sozusagen in einem Wald von Natur zu singen. Ein Problem war die Akustik, weil die Kathedrale eben so groß ist. Aber mit Lautsprechern konnte das verbessert werden. Das wurde letztlich gut hingekriegt.<BR /><BR /><b>So einen historischen Moment gibt es nur einmal im Leben. Was geht einem da durch den Kopf? Durchs Herz?</b><BR />Mestre: Als Katalane, als Christ und als Musiker hat alles zusammen eine Riesenfreude gemacht. Dieser Abend bleibt für immer. Davon wird man den Kindern und Enkeln erzählen. Wir haben so ein Glück in einer Stadt zu leben, die solche Genies wie Gaudì hervorgebracht hat. Die Schönheit seiner Kunstwerke können wir jeden Tag genießen.