Samstag, 09. Mai 2020

Historischer Rekord an Verbraucheranfragen

Der diesjährige Europatag am 9. Mai wird von der weltweiten Coronavirus-Pandemie überlagert. Wie wichtig grenzüberschreitende Verbraucherinformationen in dieser Krise sind, spürt das Netzwerk der Europäischen Verbraucherzentren (ECC-Net): Es verzeichnet ein nie dagewesenes Hoch an Anfragen: 17.600 Verbraucheranfragen.

Das ECC-Net feiert sein 15-jähriges Bestehen.
Das ECC-Net feiert sein 15-jähriges Bestehen. - Foto: © ECC
Was tun, wenn mein Flug gestrichen wird? Kann ich mein Hotel kostenlos stornieren? Bekomme ich das Geld für das abgesagte Konzert zurück? Seit Anfang Februar erhält das Netzwerk der Europäischen Verbraucherzentren (ECC-Net) zahlreiche Anfragen im Zusammenhang mit der Coronakrise.

Im April verzeichnet es sogar den aktivsten Monat seiner Geschichte mit dem Rekordwert von 17.600 Anfragen; das sind fast doppelt so viele wie im selben Monat des Vorjahres. Mehr als 2500 davon hat das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) Italien beantwortet. „In den letzten 15 Jahren mussten wir uns so einigen Herausforderungen stellen, aber diese ist wohl die Größte“, erklärt Monika Nardo, Leiterin des Büro in Bozen und fährt fort: „Die Anfragen nehmen ständig zu, die Rechtslage ist schwierig und ungewiss. Es ist weder für Verbraucher, noch für Unternehmen eine leichte Zeit, schon gar nicht aus finanzieller Sicht.“

Reisethemen stehen hoch im Kurs

Besonders bei den Themen Unterkunft, Pauschalreise und Fluggastrechte kann das Netzwerk derzeit helfen. So zum Beispiel einem Ehepaar aus Italien, das aufgrund von Ausgangssperre und Grenzschließungen die 2000 Euro teure Reise nach Teneriffa nicht wahrnehmen konnte. Die deutsche Fluggesellschaft weigerte sich, die Kosten zu erstatten. Die Begründung: In Deutschland hätte man sich zum gegebenen Zeitpunkt noch frei bewegen können.

„Vor allem am heutigen Europatag sollten wir uns daran erinnern,“ sagt Milena Favretto, Beraterin im EVZ in Bozen, “dass Verbraucher, und insbesondere Reisende, in und dank der Europäischen Union durch eine Reihe von (Fahrgast-) Rechten umfassend geschützt sein sollten.“

Dass Flug- und Fahrgastrechte und die Rechte der Pauschalreisenden plötzlich durch die Corona-Notverordnungen der EU-Mitgliedsstaaten arg zusammengestutzt wurden, musste Barbara Klotzner, Beraterin im EVZ beobachten: „Auch gänzlich neue Fragen stellen sich, die noch vor zwei Monaten undenkbar waren, zum Beispiel ob angedachte Sicherheitsmaßnahmen, wie Plexiglasscheiben auf dem Strand, die Urlaubsfreude dermaßen trüben können, dass dadurch eine Preisreduktion oder gar ein Rücktritt vom Vertrag zu rechtfertigen ist.“

15 Jahre ECC-Net: Erfahrung und Austausch

Nicht nur aufgrund der Coronakrise ist 2020 kein Jahr wie jedes andere für das ECC-Net. Das ECC-Net feiert in diesem Jahr auch sein 15-jähriges Bestehen. In der aktuellen Krise bewähren sich die langjährige Erfahrung und Stabilität des mehr als 150 Personen zählenden internationalen Juristenteams. Die Europäischen Verbraucherzentren tauschen sich über aktuelle Gesetzesänderungen in Zusammenhang mit der Pandemie aus.

Einige europäische Länder haben etwa ihr Reiserecht oder die Bestimmungen für die Erstattung von Veranstaltungstickets angepasst. So verfügen die Europäischen Verbraucherzentren stets über die aktuellsten Informationen, die sie auf ihren Internetseiten oder in der persönlichen Beratung an Verbraucher weitergeben.


EVZ Italien: Kostenlose Anlaufstelle für Verbraucher

In genau solchen und vielen weiteren Fällen können Verbraucher sich kostenlos an das europäische Netzwerk wenden. Ansprechpartner für italienische Verbraucher ist das EVZ Italien mit Sitz in Bozen und Rom. Dort findet man zur Zeit Antworten zu den häufig gestellten Fragen zu Verbraucherrechten in Corona-Zeiten und Infos zu Fallen im Internet.

Das Netzwerk der Europäischen Verbraucherzentren

Jedes EU-Land sowie Island, Norwegen und das Vereinigte Königreich verfügen über ein Europäisches Verbraucherzentrum und bilden zusammen das Netzwerk ECC-Net. Sie informieren Verbraucher in Europa über ihre Rechte und helfen kostenlos bei grenzüberschreitenden Problemen. Mehr Informationen auf der Internetseite der EU-Kommission, die das ECC-Net kofinanziert.

stol

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