Fischereiverbände beklagen eine sich verschärfenden Krise - setzen aber zugleich auf neue Strategien, um aus der Plage eine wirtschaftliche Chance zu machen. Besonders betroffen sind die Bestände von Miesmuscheln sowie Venusmuscheln in Lagunen, Teichen und Küstengewässern. Die invasive Blaukrabbe hingegen zeigt sich von der Hitze völlig unbeeindruckt und breitet sich im Gegenteil weiter aus.<BR /><BR />Das Krisenzentrum bleibt das Delta des Flusses Po an der Adria. <BR />Inzwischen hat sich die Blaukrabbe jedoch auch entlang weiter Teile der italienischen Küste ausgebreitet - von der Lagune von Venedig über Grado und Marano bis an die Adriaküste Venetiens, der Emilia-Romagna, der Marken, der Abruzzen und Apuliens. Auch an der tyrrhenischen Küste gilt ihre Präsenz inzwischen als dauerhaft, unter anderem in der Lagune von Orbetello in der Toskana, an der Mündung des Flusses Arno sowie auf Sardinien, Sizilien und in Kalabrien.<BR /><BR />Besonders dramatisch ist die Entwicklung in Friaul-Julisch Venetien. <BR />Dort wurden nach Angaben von Fischerverbänden in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 bereits so viele Blaukrabben gefangen wie im gesamten Jahr 2025. Die Tiere kommen inzwischen nicht mehr nur in Lagunen vor, sondern befinden sich bis zu vier Seemeilen vor der Küste im offenen Meer.<BR /><BR />Nach Angaben des Wissenschaftlers markierte das Jahr 2017 den Wendepunkt der Invasion. Wurden zuvor durchschnittlich weniger als 1,5 Kilogramm Blaukrabben pro Boot und Jahr gefangen, stieg die Fangmenge bis 2023 auf 9.124 Kilogramm. Die Entwicklung sei nicht allein auf den Klimawandel zurückzuführen. Entscheidend sei vielmehr die besondere Ökologie des Po-Deltas. Adriatische Meeresströmungen würden große Mengen an Nährstoffen in das Gebiet transportieren. Dadurch wachsen Phytoplankton und Muscheln besonders gut - die wichtigste Nahrungsquelle der Blaukrabbe.<BR /><BR />Gleichzeitig wächst die Zahl der gefangenen Blaukrabben auch an der venezianischen Küste weiter. Deshalb setzt das Konsortium der Fischerkooperativen im norditalienischen Adria-Gebiet Polesine nun auf eine neue Vermarktungsstrategie. Statt die Tiere kostenintensiv zu entsorgen, sollen sie künftig in Italien verarbeitet und unter eigener Marke verkauft werden.<BR /><BR />Der Präsident des Fischerkonsortiums in der Polesine-Gegend Paolo Mancin kündigte die Einführung verzehrfertiger Produkte in drei Varianten an: Krabbenscheren, Filetfleisch sowie gemischtes Krabbenfleisch im Glas. Ziel ist es, aus der Massenvermehrung der Blaukrabbe eine neue Wertschöpfungskette zu entwickeln. Laut einer Umfrage des Fischerverbands würden sechs von sieben Italienern die Blaukrabbe gerne probieren, viele schrecken jedoch vor der aufwendigen Reinigung zurück. Fertig verarbeitete Produkte könnten daher nicht nur den Absatz steigern, sondern auch den Fischern eine dringend benötigte neue Einnahmequelle eröffnen. Die Blaue Krabbe gilt in Asien und in den USA längst als Delikatesse.