Schattenplätze waren in diesem Sommer heiß begehrt, Ventilatoren und Klimaanlagen liefen auf Hochtouren, und gegen Temperaturen von weit über 30 Grad half oft nur noch der Sprung ins kühle Nass. „Der heurige Sommer war wochenlang extrem heiß und stellt somit den Allzeitrekord aus dem Sommer 2003 ein“, fasst Meteorologe Dieter Peterlin vom Amt für Meteorologie und Lawinenwarnung in der Agentur für Bevölkerungsschutz zusammen. Über alle drei Monate lagen die Temperaturen auf dem Niveau des bisherigen Rekordsommers. Bei den Extremwerten wurde der Sommer 2003 sogar übertroffen: Zählt man die letzten Maitage dazu, gab es heuer insgesamt 27 Tage mit mehr als 35 Grad Celsius und 32 Tropennächte mit Temperaturen über 20 Grad Celsius in Bozen (siehe virtuelle Grafik unten).<h3> Hitze, Dürre und teils heftige Gewitter</h3>Fünf Hitzewellen machten den Sommer zu einer schweißtreibenden Angelegenheit: Ende Mai, Ende Juni, Mitte Juli, Ende Juli bis Anfang August sowie Mitte August kletterten die Temperaturen immer wieder weit über die 30-Grad-Marke und näherten sich zeitweise der 40-Grad-Marke. Dazwischen blieb wenig Zeit zum Durchatmen. Etwas Abkühlung gab es nur an einzelnen Tagen Anfang Juni, Mitte Juli und Ende August. Die Hitze machte sich auch in den Gewässern bemerkbar: Der Kalterer See etwa heizte sich zeitweise auf bis zu 28 Grad auf.<h3> Höchsttemperatur von 38,9 Grad an gleich drei Tagen erreicht</h3>Die höchste Temperatur des Sommers von 38,9 Grad wurde an gleich drei Tagen erreicht: am 30. Juli in Bozen, am 31. Juli in Auer und ein weiteres Mal in Auer am 5. August. Die tiefste Temperatur von 1,2 Grad wurde sowohl am 4. als auch am 11. Juni in Sexten gemessen.<BR /><BR />Für Schlagzeilen sorgte neben der Hitze aber auch die langanhaltende Trockenheit, die nicht nur die Landwirtschaft, sondern zeitweise auch die Stromversorgung vor Herausforderungen stellte ( <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/bilanz-nach-zwei-regnerischen-tagen-nur-oberflaechliche-trockenheit-vorbei" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">wir haben berichtet</a>). Meteorologisch fällt die Niederschlagsbilanz für die drei Sommermonate aber dennoch ausgeglichen aus. „Ein regenreicher Juni und verbreitete Niederschläge im August haben den trockenen Juli aufgefangen, sodass die Regenmengen insgesamt nahe den langjährigen Durchschnittswerten lagen“, erklärt Peterlin.<BR /><BR /><BR /> <div class="embed-box"><div class="container-wrapper-genially" style="position: relative; min-height: 400px; max-width: 100%;"><img src="https://img.genial.ly/5fd380c29270490f70f47a03/f30fb79b-ab39-43a4-b16e-6acb3b0565c8.jpeg" class="loader-genially" style="position: absolute; top: 0; right: 0; bottom: 0; left: 0; margin-top: auto; margin-right: auto; margin-bottom: auto; margin-left: auto; z-index: 1;width: 80px; height: 80px;"/><div id="6a969f73bc3dd86d58bcedb5" class="genially-embed" style="margin: 0px auto; position: relative; height: auto; width: 100%;"></div></div><script>(function (d) { var js, id = "genially-embed-js", ref = d.getElementsByTagName("script")[0]; if (d.getElementById(id)) { return; } js = d.createElement("script"); js.id = id; js.async = true; js.src = "https://view.genially.com/static/embed/embed.js"; ref.parentNode.insertBefore(js, ref); }(document));</script></div> <BR /><BR /><BR />Wenn es dann regnete, fiel der Niederschlag mitunter umso heftiger. Das zeigte sich erst am vergangenen Wochenende, als ein Gewitter mit mehr als 400 Blitzen und nahezu ununterbrochenem Donnergrollen über das Bozner Becken zog. Heftige Niederschläge ließen zudem nicht selten Bäche über die Ufer treten und lösten Murgänge aus – zuletzt etwa in Trafoi, im Ahrntal, bei Meran oder in Sexten.<BR /><BR />Was im Jahr 2003 noch als beispielloser Jahrhundertsommer galt, wirkt angesichts der heutigen Entwicklung zunehmend weniger außergewöhnlich. Dass der heurige Sommer das Rekordniveau von damals erreichen und bei einzelnen Extremwerten sogar übertreffen konnte, ist für den Glaziologen und Klimaforscher Georg Kaser ein klares Zeichen fortschreitender klimatischer Veränderungen. „Solange wir nicht stärker in den Umbau unseres Energiesystems investieren, werden solche Extremwetterereignisse auch in Südtirol häufiger und intensiver auftreten, das ist sicher“, ist Kaser überzeugt. <h3> Grüne fordern einen landesweiten Hitzeschutzplan</h3>Angesichts dieser Entwicklung wächst auch politisch der Druck, Südtirol besser auf die zunehmende Hitze vorzubereiten. Die Grünen wollen deshalb konkrete Maßnahmen ergreifen und fordern den Landtag in einem Beschlussantrag auf, einen landesweiten Hitzeschutzplan auszuarbeiten. Öffentliche Gebäude wie Schulen und Seniorenheime sollen besser gegen Hitzewellen gerüstet, Schattenplätze und kühle Bereiche geschaffen und besonders gefährdete Menschen besser geschützt werden. Zudem schlagen die Grünen ein Netz kostenloser „Cool Zones“ sowie mehr Trinkbrunnen und schattige Aufenthaltsorte vor. „Wir müssen uns an die Veränderungen anpassen und ihnen zuvorkommen. Nur so können wir verhindern, dass wir immer stärker der Hitze ausgesetzt sind“, so die Grünen-Abgeordneten Zeno Oberkofler, Brigitte Foppa und Madeleine Rohrer.<h3> Herbstwetter lässt noch auf sich warten</h3>Obwohl heute der meteorologische Herbst beginnt, zeigt sich das Wetter weiterhin von seiner sommerlichen Seite. Ein Ende der Hitze ist damit vorerst nicht in Sicht: Die Temperaturen sollen die ganze Woche um die 30 Grad liegen. Wer auf kühlere, gemütliche Herbsttage gehofft hat, muss sich also noch gedulden. Der kalendarische Sommer hat schließlich noch bis zum 23. September Zeit.