Mittwoch, 12. Januar 2022

„Wir müssen die Durchseuchung stoppen“

Mit der Omikron-Variante grassiert das Coronavirus aktuell in Südtirol. „Die Durchseuchung ist bereits im Gange. Man sollte sie aber nicht einfach durchlaufen lassen, sondern sie so stark wie möglich bremsen“, erklärt Biostatistiker Markus Falk.

Biostatistiker Markus Falk rät weiterhin zur Vorsicht im Umgang mit der Pandemie.
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Biostatistiker Markus Falk rät weiterhin zur Vorsicht im Umgang mit der Pandemie. - Foto: © Markus Falk / privat
Mit täglich weit über 1000 Neuinfektionen rauscht die Omikron-Welle über Südtirol. Laut Falk sei eine Durchseuchung der Bevölkerung eine erwartbare Entwicklung im Verlauf einer Pandemie: „Man kann sich nicht ewig vor der Infektion schützen. Das heißt aber jetzt nicht, dass jeder eingeladen ist, sich die Infektion abzuholen.“

Man könne derzeit noch nicht abschätzen, in welche Richtung die Entwicklung der Varianten weiter laufen wird: „Omikron ist derart verschieden von Delta, dass es durchaus sein kann, dass die beiden Varianten künftig parallel zirkulieren werden.“

Die aktuellen Daten weisen laut Falk also darauf hin, dass man eine Immunisierung gegenüber verschiedener Varianten benötige, um vollständig gegen eine Covid-Erkrankung geschützt zu sein. Aus Erfahrung wisse man aber, dass dieser Immunschutz bei Coronaviren nur zwischen 6 und 18 Monate halte. „Der 'Coronaschnupfen' wird also auf jeden Fall vermehrt im Alltag präsent sein“, so Falk.

„Es wird aber immer auch Menschen geben, die dieses Virus nicht vertragen – egal ob sie geimpft oder ungeimpft sind oder ob sie schon Kontakt mit dem Virus hatten – und deshalb mit einem schweren Krankheitsverlauf rechnen müssen. In diesen Fällen können uns nur Medikamente helfen“, erklärt der Biostatistiker.

„Das Problem sind die Nadelöhre in unserem System: Die Intensivabteilungen. Man darf also die Durchseuchung jetzt nicht einfach durchlaufen lassen, sondern sollte sie so stark wie möglich einbremsen, damit es nicht zu einem Kollaps des Gesundheitssystems kommt“, so Falk.

Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass die aktuelle Omikron-Welle bereits Ende Jänner abflachen dürfte. „Bis dahin gilt zu hoffen, dass unsere Spitäler dem Druck standhalten“, so Falk abschließend.

Im s+Interview erklärt Markus Falk , was die hohen Coronazahlen in Südtirol ausgelöst hat, warum er seine Prognosen aktuell fast täglich anpassen muss und warum es keine gute Idee ist, die Krankheit jetzt einfach durchlaufen zu lassen.

pho