In der Pandemie fuhren viele öffentliche Verkehrsmittel halb leer durch die Gegend. Und jetzt?<BR /><BR />Im Schnitt sind es 500.000 Fahrten weniger pro Woche als vor Ausbruch der Pandemie. Während laut Abo+-Zahlen die Schüler – auch mangels Alternativen – nach wie vor täglich mit Bus und Bahn zur Schule und nach Hause pendeln, sind es vor allem Berufspendler, die während Corona auf die tägliche Fahrt mit dem öffentlichen Verkehrsmittel verzichtet haben und jetzt oft nur zögerlich Bus und Bahn fahren.<BR /><BR />„Die Gründe sind verschiedene“, sagt Dejaco. Zum Einen seien durch Homeoffice viele Fahrten gar nicht mehr nötig. Zum Anderen hätten einige nach wie vor ein gewisses Unbehagen, zusammen mit vielen Menschen über einen längeren Zeitraum im Bus oder Zugabteil zu sitzen. „Dazu kommt noch das subjektive Empfinden, wie keine Lust, mit Maske zu fahren“, weiß Dejaco. Wieder bei anderen sei es wieder zur Gewohnheit geworden, sich einfach ins eigene Auto zu setzen.<h3> Bisher kein Einfluss</h3>Dabei sollte man davon ausgehen, dass die seit Wochen hohen Treibstoffpreise viele wieder auf die Öffis umsteigen lassen. Doch weit gefehlt. Ein Abgleich zwischen Entwicklung der Benzin- und Dieselpreise und Anzahl der Entwertungen des SüdtirolPass habe laut Dejaco gezeigt, dass die Preise keinen Einfluss auf die Nutzung von Bus und Bahn haben. „Dafür ist die Treibstoffteuerung noch zu gering“, so der STA-Generaldirektor. <BR /><BR />Eine einfache Rechnung macht deutlich, dass sich die Teuerung bei einer einzelnen Fahrt kaum auf die Brieftasche niederschlägt. „Betragen die reinen Dieselkosten bei einer Fahrt von Brixen nach Bozen 10,80 Euro, fallen durch die Teuerung jetzt Mehrkosten von 1,20 Euro an – das ist gerade einmal ein Kaffee.“ Für Dejaco zu wenig als Anreiz, auf die Öffis umzusteigen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="766598_image" /></div> <BR />Spürbar werden die gestiegenen Kosten erst, wenn man die Teuerung hochrechnet. Aufs Jahr gerechnet schlägt das tägliche Pendeln mit dem Auto mit fast 315 Euro mehr zu Buche. Mit dieser Summe vor Augen könnte ein Umstieg schon leichter fallen. Wenn alle mit Bus oder Bahn fahren würden, die heute mit dem Auto zur Arbeit pendeln, wäre man wieder auf Vor-Corona-Niveau.<BR /><BR />Es gelte einfach die Macht der Gewohnheit zu brechen, so Dejaco. „Das Angebot muss passen“, sagt er. Neben dem Halb-Stunden-Takt dürfte vor allem das neue Ticketing-System einen neuen Anreiz für den Umstieg bieten. „Dann nämlich kann man einfach mit der Bankomatkarte am Entwerter zahlen“, so Dejaco. Zu lösen bleibt der Andrang zu Stoßzeiten.<BR /><BR />Und was sagt STA-Generaldirektor Joachim Dejaco zur Situation?<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="766601_image" /></div> <BR /><BR /><b>Die Auslastung der Öffis liegt bei 70 Prozent. Und dennoch klagen Pendler über volle Busse und Züge?</b><BR />Joachim Dejaco: Zu den Stoßzeiten, wenn die Schüler zur Schule oder die Pendler zum Arbeitsplatz fahren, mag das auf manchen Linien sicher stimmen. <BR /><BR /><b>Wie soll das dann aber gehen, wenn die Auslastung der öffentlichen Verkehrsmittel im Land wieder Vor-Corona-Niveau erreicht?</b><BR />Dejaco: In den Verträgen mit den neuen Konzessionären für die Buslinien ist vorgesehen, dass sie garantieren müssen, kurzfristig zusätzliche Busse einsetzen zu können. Wenn z.B. im Sommer ein Regentag vorhergesagt wird, müssen sie im Stande sein, innerhalb von 24 Stunden Zusatzbusse einzusetzen, um den zu erwartenden Ansturm an Touristen auffangen zu können, die dann von den Urlaubsdestinationen in die Städte fahren.<BR /><BR /><b>Zusätzliche Busse gut und recht, aber wie sieht es bei der Bahn aus?</b><BR />Dejaco: Bei der Bahn ist eine Potenzierung des Dienstes nicht möglich. Auf der Brennerstrecke wegen der Auslastung. Und auch auf den eingleisigen Strecken Bozen-Meran, Vinschgerbahn und Pusterer Bahnlinie ist mehr als der Halbstundentakt nicht möglich. Und bei einer Garnitur einfach einen Waggon dran hängen ist nicht möglich.