Dienstag, 22. März 2022

KZ-Überlebender 96-jährig im Bombenhagel getötet

Seine ist eine der traurigen Geschichten, die der Krieg in der Ukraine schreibt: Boris Romantschenko hatte die Konzentrationslager Buchenwald, Peenemünde, Dora und Bergen-Belsen überstanden, nun ist er im Alter von 96 Jahren bei einem russischen Bombenangriff auf sein Wohnhaus in Charkiw getötet worden.

Im Lager der Nazis gelitten, Corona überstanden, von russischen Bomben getötet: Das Schicksal des 96-jährigen Boris Romantschenko, der sich für die Aufarbeitung des Holocaust (im Bild: bei einer Gedenkveranstaltung) eingesetzt hatte, macht betroffen. - Foto: © ANSA / TELEGRAM

Der 96-jährige Boris Romantschenko sei am Freitag durch einen Angriff auf sein mehrstöckiges Wohnhaus in der ostukrainischen Stadt ums Leben gekommen, sagte der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner. Romantschenko habe die Konzentrationslager Buchenwald, Peenemünde, Dora und Bergen-Belsen überlebt, teilte die Stiftung auf Twitter mit.

Wagner berief sich auf Informationen eines langjährigen Vertrauten der Stiftung in Charkiw. „Wir trauern um einen engen Freund“, hieß es in einer Mitteilung der Gedenkstätte. Im Jahr 1942 sei er nach Dortmund verschleppt worden, wo er unter Tage Zwangsarbeit habe leisten müssen. Er habe versucht zu fliehen, sei aber aufgegriffen und im Oktober 1943 ins KZ Buchenwald eingewiesen worden. In Peenemünde habe er später auch an Raketen mitbauen müssen.

Romantschenko hatte seine Wohnung aus Angst vor Corona seit Monaten nicht verlassen

Romantschenko habe sich später intensiv für die Erinnerung an die NS-Verbrechen eingesetzt. Er sei Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora gewesen. Seit den 1990er-Jahren sei er regelmäßig zu Veranstaltungen auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers bei Weimar gekommen, sagte Wagner.
Seine Wohnung in Charkiw habe Romantschenko seit Monaten nicht verlassen – aus Angst, sich mit Corona zu infizieren. Am Freitag habe ein Geschoss das Gebäude getroffen. Romantschenkos Wohnung sei ausgebrannt.

„Der entsetzliche Tod von Boris Romantschenko zeigt, wie bedrohlich der Krieg in der Ukraine auch für die KZ-Überlebenden ist“, hieß es in der Mitteilung weiter. Gemeinsam mit 30 anderen Gedenkstätten habe die Stiftung ein Hilfsnetzwerk für ehemalige NS-Verfolgte in der Ukraine gegründet.

Gedenkstättenleiter Wagner hatte sich schon zu Beginn des Krieges in der Ukraine besorgt um die dort lebenden KZ-Überlebenden gezeigt. Es sei „besonders tragisch für die ukrainischen KZ-Überlebenden, die mit den russischen Häftlingen in den Lagern gelitten haben, und die nun im Luftschutzkeller sitzen und von russischen Bomben mit dem Leben bedroht werden“, hatte er gesagt.

Alle Berichte über den Krieg in der Ukraine lesen Sie hier.

apa/dpa

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