Donnerstag, 16. April 2020

Holzschnitzerei-Werkstätten-Verband „Gardena Art“ fordert Unterstützung

Die Grödner Holzschnitzerei, ein Jahrhunderte alter Wirtschaftszweig, riskiert den Untergang. In einem Brief an die Landesverwaltung fordert der Verband „Gardena Art“ Unterstützung.

Die Grödner Holzschnitzerei ist weitum bekannt.
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Die Grödner Holzschnitzerei ist weitum bekannt. - Foto: © Gardena Art
Kürzlich hat sich der Holzschnitzerei-Werkstätten-Verband „Gardena Art“ über einen offenen Brief an die Landesverwaltung sowie an die Gemeinden gewandt. Mit Genugtuung habe man in den letzten Tagen entnommen, dass die Landesregierung in Sachen Corona-Krise auf schnelle Hilfe setzen will, wobei der Wirtschaft und den Familien stark geholfen werden soll um finanzielle Ausfälle aufzufangen und die Basis für einen Neustart zu legen. In diesem Zusammenhang habe der Verband 3 große und wichtige Anliegen.

Der Verband fordert, dass die Hilfen wirklich schnell erfolgen und dass für die Betroffenen die Gesuche so unbürokratisch wie nur möglich gestaltet werden.

„Wir wissen alle, dass Südtirol ein Land der „Buckler“ ist. Wir arbeiten sehr gerne, doch wenn es um Papierkram und Zettl geht, dann schmeißt so mancher von uns das Handtuch. Aus diesem Grund muss es möglich sein, dass Steuerberater oder Patronate dies für die Betroffenen erledigen können, es sei denn, das Ganze wird derart einfach gestaltet, damit es auch der größte Zettelverächter“, so die klare Aussage einiger Mitglieder des Verbandes.

2 große Wirtschaftssäulen

Gröden stehe auf 2 großen Wirtschaftssäulen: Tourismus und Holzschnitzerei. Letztere kann eine Geschichte von über 400 Jahre aufweisen. Seit 1995 sind jedoch die Umsätze in der Holzschnitzerei rückgängig und man habe zumindest bis jetzt das große Glück, dass die Tourismusbranche die arbeitslos gewordenen Handwerker auffangen konnte. So konnten viele ihren Lebensunterhalt als Liftangestellte, Schneekatzenfahrer, Skilehrer, Wanderführer, Kellner/in usw. beziehen.

Doch jetzt, da die Corona-Krise sämtliche Wirtschaftssparten nahezu lahm gelegt hat und speziell der Tourismus auch mit enormen Rückgängen zu kämpfen hat und haben wird, stellt sich der Verband die Frage, wer die arbeitslos gewordenen Handwerker auffangen wird. Der Tourismus, so gehe man davon aus, wird es für eine längere Zeit nicht tun können.

Daraus folge das 3. wichtige Anliegen der Organisation. „Die Hilfen müssen so lange anhalten, bis Licht am Ende des Tunnels sichtbar wird und es unseren Betrieben in der Holzschnitzerei-Branche wieder möglich ist, auf eigenen Füßen zu stehen“ die klare Aussage der Unterzeichner des Briefes.

Wirtschaftszweig erhalten

Es gehe dabei nicht nur um das Erhalten von Arbeitsplätzen und um das Fortbestehen von Firmen. „Es wäre jammerschade, wenn ein so alter Wirtschaftszweig, wie es die Grödner Holzschnitzerei ist, untergehen würde. Aus Erfahrung weiß man, dass verlorenes Wissen nicht mehr zurückkehrt, und genau das gilt es auch zu vermeiden“, unterstreicht der Verband.

Die Grödner Holzschnitzereien sind und bleiben laut dem Verband „wertvolle Luxusgüter die sich jemand erst dann leisten kann, wenn er das nötige Kleingeld dafür übrig hat“. Die Zeit nach Corona werde für die Holzschnitzerei-Branche besonders hart werden. „Dies weil sehr viele Bürger das hart Ersparte bereits aufgebraucht haben oder dabei sind, den letzten 'Notgroschen' aufzubrauchen. Das hart und mühsam verdiente Geld nach Corona werden die Bürger damit verwenden um lebensnotwendige Mittel wie Nahrung und Kleidung zu kaufen. Des Weiteren müssen Steuern, Mieten, Heizungskosten, Versicherungen, Bankraten und vieles mehr bezahlt werden“, heißt es im Brief.

Bis genügend Erspartes vorhanden sein wird, um sich eine Grödner Holzschnitzerei zu leisten, werde voraussichtlich viel Zeit vergehen. „Und diese dramatische Zeit, wo Existenzängste und die Sorge vor finanziellen Engpässen vorherrschen, muss mit Hilfe der Landesregierung überbrückt werden. Die Einnahmen sind gleich Null, der Einbruch beträgt 100 Prozent. Die Gefahr, dass ein ganzer Wirtschaftszweig verschwindet, ist enorm groß und leider sehr realistisch“, heißt es abschließend im Brief an die Politik.

Gründung 1998

Zur Erinnerung, der Holzschnitzerei-Werkstätten-Verband Gardena Art wurde im Jahr 1998 gegründet und zählt Zurzeit circa 14 eingeschriebene Holzschnitzerei-Werkstätten. Zu seinen Hauptaufgaben zählen die Kontrolle der heimischen Produktion hinsichtlich Qualität und Ursprung und die Koordination von Marketingaktivitäten. Die Steigerung des Bekanntheitsgrades der Marke GARDENA ART und damit der echten, qualitativ hochwertigen Grödner Holzschnitzerei stehe dabei immer im Vordergrund.

Wie von der Satzung des Verbandes vorgesehen, werden die Holzskulpturen der Marke GARDENA ART ausschließlich im Grödnertal und in den angrenzenden Gemeinden gefertigt und die Mitglieder setzen sich dafür ein, die Tradition der Holzschnitzerei, die im Grödnertal seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergegeben wird, aufrecht zu erhalten.

pas

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