Sonntag, 04. Oktober 2015

Homosexueller Priester des Vatikanamtes enthoben

Der polnische Priester Krysztof Charamsa, der sich kürzlich zu seiner Homosexualität bekannt hatte, wurde nun seines Amtes in der Glaubenskongregation des Vatikans enthoben.

Priester Krysztof Charamsa - Archivbild
Priester Krysztof Charamsa - Archivbild - Foto: © APA/EPA

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi verurteilte die Äußerungen des Geistlichen als „schwerwiegend und unverantwortlich“. Über seine priesterliche Zukunft müsse sein zuständiger Bischof entscheiden.

Dieser reagierte umgehend: Der Bischof von Pelplin, Ryszard Kasyna, habe gegenüber Charamsa eine Verwarnung ausgesprochen, damit dieser „zum Amt Christi“ zurückkehre, hieß es am Samstagabend in einer Erklärung.

Der Bischof fordere „die Priester und Gläubigen auf, in dieser Absicht zu beten“. Die Äußerungen Charamsas stünden im Widerspruch zum Evangelium und der Lehre der katholischen Kirche.

Bei einer Pressekonferenz in Rom, bei der ihn sein Partner begleitete, sagte Charamsa, er sei glücklich über sein Coming-out. Er wolle sich nun „als Anwalt für alle sexuellen Minderheiten und ihre Familien einsetzen, die im Stillen gelitten haben“. Zugleich dankte er „unserem fantastischen Papst, der es uns erlaubt hat, wieder an den Dialog zu glauben“.

Charamsa stellte er ein Zehn-Punkte-Manifest gegen „institutionalisierte Homophobie in der Kirche“ vor und kündigte zudem ein Buch über seine Erfahrungen in der Vatikan-Verwaltung an. 

Papst legt Bekenntnis zu Ehe und Familie ab 

Neben dem Inhalt stieß im Vatikan der Zeitpunkt von Charamsas Outing auf Verärgerung. Ziel sei es, die Synode unter „ungebührlichen medialen Druck“ zu setzen, hieß es. Ab Sonntag berät Papst Franziskus mit Bischöfen aus aller Welt über die Positionen der Kirche hinsichtlich des Familienbilds.

Bei einem Gebet vor 90.000 Gläubigen auf dem Petersplatz ging Franziskus zwar nicht auf den polnischen Pfarrer ein, gab aber ein klares Bekenntnis zu Ehe und Familie ab. Er sprach sich gegen „Express-Hochzeiten“ und für die Verlobung als Vorstufe der Ehe aus.

"Kirche muss offen sein"

Beim Eröffnungsgottesdienst zur Synode am Sonntag plädierte Franziskus hingegen für eine Öffnung der Kirche. Eine Kirche, die sich verschließe, sei nämlich "keine Brücke, sondern eine Barriere". Vielmehr solle gerade der Mensch, der Fehler begeht "immer begriffen und geliebt werden".

"Die Kirche muss ihn suchen, aufnehmen und begleiten“, sagte der Heilige Vater. Und weiter: "Wir müssen unsere Zeit lieben und dem Menschen unserer Zeit helfen."

Franziskus befasste sich mit dem schwierigen sozialen Kontext für die Familie in der heutigen Zeit. Aufgabe der Kirche sei es, die vielen Familien zu unterstützen, die die Ehe als Raum betrachten, in dem sich die göttliche Liebe offenbare.

apa/afp

stol