Mittwoch, 20. Mai 2020

Honig im Kopf: Ein Meraner Imker erzählt

Schon im jungen Alter von 11 Jahren betreute Imker Michael Hafner sein erstes Bienenvolk. Heute kümmert sich der Imker aus Leidenschaft um Bienen im ganzen Land. Am Weltbienentag erzählt der Meraner im Interview mit STOL, warum er „Honig im Kopf“ hat.

Um die 150 Bienenvölker betreut Imker Michael Hafner in ganz Südtirol.
Badge Local
Um die 150 Bienenvölker betreut Imker Michael Hafner in ganz Südtirol. - Foto: © apisaurum
Imker Michael Hafner ist auf der Suche nach dem „Gold der Bienen“ – deshalb hat er seinen Imkerbetrieb auch „Apisaurum“ genannt, aus dem Lateinischen „apis“ für Biene und „aurum“ für Gold. Bereits mit 11 Jahren gab sein Großvater ein erstes Bienenvolk in seine Obhut. Seitdem hat ihn die Passion für die fleißigen Tiere nicht mehr losgelassen.

Im Interview mit STOL erzählt der 36-Jährige mehr über seine große Leidenschaft, den Umgang mit den Bienen und was er sich zum Weltbienentag wünscht.

STOL: Herr Hafner, Sie sind schon seit jungen Jahren Imker – woher kommt die Passion für Bienen?


Michael Hafner: Ich bin bereits Imker in der 4. Generation. Schon mein Großvater war begeistert von den fleißigen Bestäubern und hat mir viel von seinem Wissen und seiner Passion weitergegeben. Mit 11 habe ich dann mein erstes Bienenvolk übernommen und seitdem hat die Passion nicht nachgelassen. So sind im Laufe der Zeit immer mehr Bienenstöcke dazu gekommen und heute kümmere ich mich um Bienen, im ganzen Land verstreut.

STOL: 2019 haben Sie schließlich Ihre Passion zum Beruf gemacht. Wie wird man Imker?

Hafner: Um Imker zu werden, muss man zunächst das Wesen und die Bedürfnisse der Bienen genau verstehen. Die Begeisterung für diese Tiere ist der wichtigste Antrieb, erst an 2. Stelle geht es dann darum, ihre Produkte zu „stibitzen“. Honig, vor allem aus Südtirol, ist ein sehr hochwertiges Produkt. Dieses noch weiter zu veredeln und damit zu experimentieren hat mich immer schon besonders begeistert. Denn Honig ist nicht nur ein Brotaufstrich zum Frühstück: Eine meiner ersten Kreationen war der Met, ein weinähnliches alkoholisches Getränk, das schon die Wikinger aus Honig gewonnen haben. Im Laufe der Zeit sind dann noch viele weitere außergewöhnliche Kreationen entstanden: Chilihonig, der super zu Nudeln passt, Rosmarin-Salzhonig, den man mit würzigen Käsesorten kombinieren kann oder auch Schokohonig. Schließlich habe ich beschlossen mein Hobby zum Beruf zu machen – einerseits, weil ich gesehen habe, wie viele Facetten das Produkt Honig haben kann und natürlich wegen meiner Begeisterung für die Bienen.

STOL: Heute betreuen Sie Bienenvölker im ganzen Land. Worauf kommt es bei der Bienenpflege an?

Hafner: Ich betreue aktuell um die 150 Bienenvölker vom Vinschgau bis ins Pustertal. Wenn man bedenkt, dass in jedem Volk bis zu 60.000 Bienen leben, ist das eine ganze Menge. Es ist wichtig anzumerken, dass in Südtirol kaum ein Bienenvolk ohne einen Imker überleben kann. Wir kontrollieren einerseits, ob es den Bienen gut geht und schützen sie vor Krankheiten. Andererseits kontrollieren wir auch, ob ein ausreichendes Nahrungsangebot für sie da ist. Wanderimker, so wie ich, verstellen ihre Bienenstöcke mehrmals im Jahr: Mal von einer Apfelwiese in den Wald, mal vom Tal in höhere Lagen. Wir folgen sozusagen der Pflanzenblüte und sorgen so für ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Nahrungsangebot für die Bienen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Königinnenzucht: Jetzt im Mai fliegen besonders viele von ihnen herum und sind auf der Suche nach männlichen Drohnen, um sich begatten zu lassen und ein neues Volk zu gründen. Durch die Königinnenzucht sichern wir den Bestand der Art.
Zuletzt geht es natürlich für uns Imker auch um die Honigernte. Im Spätsommer holen wir die (hoffentlich) vollen Waben aus den Bienenstöcken. Diese sind mit Wachs verschlossen und müssen geöffnet werden. Dann kommen sie in eine Schleuder, wo der Honig durch die Zentrifugalkraft herausgeschleudert wird. Dieser wird dann so schnell wie möglich in Edelstahlbehälter abgefüllt, damit er möglichst rein bleibt. Dann kann das Experimentieren beginnen und die verschiedenen Honigkreationen werden produziert.



STOL: Sie bieten auf ihrer Website auch Bienenpatenschaften an. Wie entstand die Idee dazu?

Hafner: Ich habe mir die Frage gestellt: Wie kann man die Bienen unterstützen? Der Honig ist eigentlich nur ein wunderbares Nebenprodukt. Viel wichtiger ist es zu bedenken, dass Bienen bis 80 Prozent aller Wildpflanzen bestäuben. Ohne die Bienen würde ein Großteil der Pflanzenwelt aussterben und mit ihr viele Tierarten und wohl auch der Mensch. Die Bienen stehen also am Anfang der Nahrungskette und aller Biodiversität. Deshalb wollte ich einen Weg finden, um sie zu unterstützen und zu schützen. Mit diesem Vorhaben bin ich dann auf rege Begeisterung gestoßen und so übernehmen heute zahlreiche Privatpersonen, Firmen und Hotels eine Patenschaft für ein Bienenvolk und helfen damit, unsere wunderschöne Natur in Südtirol zu bewahren.

STOL: Was wünschen Sie sich zum Weltbienentag?

Hafner: Der Weltbienentag sollte so etwas sein wie der Muttertag. Nicht nur an diesem speziellen Tag, sondern eigentlich jeden Tag sollte man ihnen etwas Gutes tun. Ich wünsche mir deshalb, dass die Biene und ihr wichtiger Beitrag als Bestäuber stärker in das Bewusstsein der Menschen rücken. Einen kleinen Beitrag, um die Bienen zu unterstützen, kann jeder leisten: Lassen Sie in ihrem Garten Pflanzen sprießen und Blüten austreiben, lassen sie auch mal Unkraut stehen und beobachten Sie, wer da so alles auf einen Besuch vorbeikommt.

Interview: Philipp Trojer

ptr