Eine Joggerin hat laut der Tageszeitung „l'Adige“ am Sonntagmittag in den Wäldern zwischen Cadine und Terlago, rund 15 Kilometer von Trient entfernt, eine gefährliche Begegnung mit einem Bären unverletzt überstanden. Die etwa dreißigjährige Frau aus der Gegend traf beim Laufen plötzlich auf das Tier und reagierte geistesgegenwärtig.<BR /><BR />Anstatt in Panik zu geraten, setzte sie ihren Lauf fort, verließ den Weg, auf dem sich der Bär befand, und schlug sich quer durch den Wald. Ohne anzuhalten lief sie weiter, bis sie den Weg oberhalb des Hotels Lillà erreichte.<BR /><BR />Bei dem Tier handelte es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um jene Bärin mit ihren Jungen, die in den vergangenen Tagen mehrfach in der Gegend gesichtet worden war. Die jüngste Sichtung hatte es am Freitagmorgen in der Ortschaft Fogolari am Monte Terlago gegeben. Nach Angaben der Frau folgte ihr der Bär zunächst. Ein Verhalten, das als typisch gilt, wenn eine Bärin ihre Jungen schützen will. Die Joggerin konzentrierte sich jedoch ausschließlich darauf, sich in Sicherheit zu bringen.<h3> Alarmierte via App die Einsatzkräfte</h3>Sobald sie den Bereich oberhalb des Hotels erreicht hatte, verständigte sie ihren Freund und aktivierte die Notruf-App „Where ARE U“. Die Anwendung ermöglicht es, den Notruf zu alarmieren und gleichzeitig automatisch den genauen GPS-Standort sowie die Daten des Nutzers an die Einsatzzentrale zu übermitteln, damit Rettungskräfte rasch entsandt werden können.<BR /><BR />Auch der Freund der Frau machte sich sofort auf den Weg zu den Wanderpfaden, auf denen sie unterwegs gewesen war, und alarmierte zusätzlich die Freiwillige Feuerwehr von Cadine.<BR /><BR />Der Kommandant der Feuerwehr von Cadine, Massimo Nardelli, setzte sich mit der Einsatzzentrale in Verbindung und forderte außerdem die Forstbehörde an. Gleichzeitig wurde die Suche nach der Joggerin aufgenommen. Dank der Geolokalisierung über die App konnte die Frau rasch lokalisiert werden.<h3> Sogar Hubschrauber wurde vorbereitet</h3>Die Freiwilligen Feuerwehren von Cadine erreichten die Dreißigjährige schließlich und brachten sie zur Feuerwehrhalle, wo sie betreut und beruhigt wurde, bevor sie nach Hause zurückkehren konnte.<BR /><BR />Die Frau berichtete später, sie habe sich in der Nähe von Fontana Filia befunden – einem Bereich mit einem alten Brunnen nahe der Weggabelung des Wanderwegs, der von Cadine in Richtung Terlago-See führt –, als sie den Bären bemerkte. Der Vorfall ereignete sich gegen 13.40 Uhr.<BR /><BR />Nachdem die Notruf-App aktiviert worden war, war zunächst befürchtet worden, die Frau könnte angegriffen worden sein. Deshalb wurde von Trient aus sogar der Start des Hubschraubers der Berufsfeuerwehr vorbereitet.<h3> Joggerin war unverletzt</h3>Die Joggerin selbst konnte die Einsatzkräfte jedoch über ihren Gesundheitszustand informieren. Sie stand zwar verständlicherweise unter starkem Schock und war sehr aufgewühlt, blieb aber unverletzt.<BR /><BR />Die Situation wurde in weiterer Folge laut Bericht vorbildlich gehandhabt. Die Freiwilligen Feuerwehrleute warteten entsprechend des vorgesehenen Protokolls für Einsätze im Zusammenhang mit Großraubtieren auf das Eintreffen der Forstbeamten und sorgten anschließend für die sichere Bergung der Frau.<BR /><BR />Im Anschluss kontrollierten die Feuerwehrleute mit ihren Fahrzeugen die Wanderwege oberhalb des Dorfes. Zahlreiche Personen wurden auf die Anwesenheit des Bären hingewiesen und aufgefordert, zu ihren Fahrzeugen zurückzukehren und nach Hause zu fahren.<h3> Bereits mehrere Bärenangriffe in der Gegend</h3>Darunter befand sich auch eine Gruppe von Menschen, die etwas oberhalb des Wegbeginns in der Gegend von Stapiana gezeltet hatte. Auch sie wurde vorsorglich aufgefordert, den Bereich zu verlassen.<BR /><BR />Die Präsenz von Bären in diesem Gebiet ist seit Jahren bekannt. Die Begegnung vom Sonntag ereignete sich jedoch zu einer Uhrzeit, die allgemein als vergleichsweise sicher gilt, da Sichtungen und Begegnungen häufiger in den frühen Morgenstunden oder am späten Nachmittag stattfinden.<BR /><BR />Gerade in dieser Gegend kam es allerdings bereits in der Vergangenheit zu schweren Zwischenfällen mit Bären. Am 10. Juni 2015 wurde kurz vor dem Abendessen Wladimir Molinari von der Bärin Kj2 angegriffen, die zwei Jahre später getötet wurde. Am 22. Juli 2017 wurde außerdem Angelo Metlicovec gegen 19 Uhr auf den Wanderwegen zwischen den Lamar-Seen und Terlago attackiert.<BR /><BR />Beide hatten versucht, sich an die empfohlenen Verhaltensregeln zu halten – ebenso wie die Joggerin am Sonntag. Dieses Mal endete die Begegnung jedoch glücklicherweise ohne Folgen.