Freitag, 09. April 2021

Hunde und Herrchen im Coronastress: Wird jetzt öfter zugeschnappt?

Coronakrise und Lockdown sind nicht nur für Menschen eine Belastung, sondern auch für ihre vierbeinigen Freunde. Hunde schnappen deshalb seit Ausbruch der Pandemie öfter zu, glaubt man Zahlen aus den USA: Seit dem Frühling 2020 mussten in einem Kinderkrankenhaus in Colorado 3mal mehr Hundebisse behandelt werden als normalerweise. Und in Südtirol?

Der intensive Kontakt, die ungewohnt dichte zeitliche und räumliche Nähe während des Lockdowns bedeuten für viele Hunde Stress. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass Halter wissen, wie sie mit ihren Tieren umgehen müssen.
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Der intensive Kontakt, die ungewohnt dichte zeitliche und räumliche Nähe während des Lockdowns bedeuten für viele Hunde Stress. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass Halter wissen, wie sie mit ihren Tieren umgehen müssen. - Foto: © shutterstock
Schon im Herbst 2020 berichteten amerikanische Ärzte im „Journal of Pediatrics“ von einer Zunahme der Hundebisse. Auch in Österreich hat das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) einen Anstieg verzeichnet, wenn auch nur einen geringfügigen. 600 bis 800 Kinder werden in Österreich jedes Jahr wegen Hundebissen im Krankenhaus behandelt.

Besonders kleine Kinder seien gefährdet, gebissen zu werden. Die meisten Unfälle dieser Art würden bei Kindern im Alter zwischen 5 und 9 Jahren registriert, legen Daten des amerikanischen Zentrums für Krankheitskontrolle und Prävention nahe.

Die beengten Verhältnisse im Lockdown werden von amerikanischen Ärzten als eine Ursache für die Zunahme gewertet. Familien und ihre Hunde seien wegen geschlossener Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen größerem Stress ausgesetzt. Außerdem seien Kinder im Lockdown länger mit Hunden zusammen als normalerweise und nicht immer unter Aufsicht.

Ein weiterer Grund, der in Medien für das Phänomen genannt wird, ist der Haustier-Boom, der sich seit Beginn der Krise gezeigt habe: Viele Familien hätten sich einen Hund zugelegt, aber oft fehlten in dieser Zeit für die Tiere Ausbildungsmöglichkeiten und Sozialkontakte zu Artgenossen. „Die Warnsignale, die Hunde schon früh aussenden, können von Kindern und eventuell auch von neuen Hundehaltern noch nicht richtig erkannt und interpretiert werden. Gerade hier zeigt sich sicherlich das Defizit durch die coronabedingt geschlossenen Hundeschulen,“ teilte das österreichische KFV mit.

Weniger gebissene Postboten in Südtirol

Für Südtirol gibt es indes Entwarnung. Hierzulande habe man keinen Anstieg der Beißunfälle festgestellt, weiß der Direktor der medizinischen und chirurgischen Notaufnahme im Krankenhaus Bozen, Dr. Mario La Guardia. Zwar habe man die Zahlen dazu nicht systematisch erhoben, „aber nach Rücksprache mit meinen Kollegen kann ich ausschließen, dass es in der Covid-Zeit mehr Hundebisse gegeben hat“.

Kurioses Detail am Rande: Die Zahl der Hundebissattacken auf Briefträger sei in Südtirol seit Ausbruch der Pandemie sogar geschrumpft. Solche Vorfälle müssten an die Gesamtstaatliche Anstalt für Versicherungen gegen Arbeitsunfälle (INAIL) gemeldet werden, daher lägen die entsprechenden Daten vor. Leider bedeuten sie nicht, dass sich das historisch schlechte Verhältnis zwischen dem Postboten und dem besten Freund des Menschen gebessert hätte: Das Phänomen lasse sich schlicht darauf zurückführen, dass der Post-Dienst für einige Zeit ausgesetzt gewesen sei, weiß Dr. La Guardia – und der beste Freund des Menschen weniger Gelegenheit hatte, nach dem Hosenbein des vermeintlichen Eindringlings zu schnappen.



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kn