Ein 55-jähriger Mann, Gerardo P., ist am Samstag in einer Bar im Mailänder Stadtteil San Siro von einem 22-Jährigen mit einem Messer angegriffen und mehrfach verletzt worden. Die Attacke ereignete sich, während das Opfer in der Bar gemeinsam mit seinem Vater frühstückte. <BR /><BR />Laut Zeugen sei plötzlich ein junger Mann mit langen Haaren erschienen, vollständig schwarz gekleidet und teilweise vermummt, der ohne ein Wort ein 21 Zentimeter langes Messer zog. Der Angreifer, Lamin Saidilly, versetzte dem Mann etwa 20 Stiche an Kopf, Hals, Brust und Bauch. Die gesamte Attacke wurde von Überwachungskameras vor der Bar aufgezeichnet. <h3> Opfer außer Lebensgefahr</h3>Der Verletzte, der im Mailänder Krankenhaus Niguarda notoperiert wurde, befindet sich inzwischen außer Lebensgefahr auf der Intensivstation. Nach Angaben der behandelnden Ärzte waren die Stichverletzungen im Brust- und Bauchbereich nicht besonders tief.<BR /><BR /> Der Mann bleibt zwar unter Beobachtung, mit schweren Folgeschäden wird derzeit jedoch nicht gerechnet. Auch der Krankenhausaufenthalt dürfte voraussichtlich nicht von langer Dauer sein.<h3> Augenzeugen überwältigen Angreifer</h3> Der in Conegliano Veneto (Provinz Treviso) geborene Täter, der Wurzeln in Gambia hat, wurde nach der Messerattacke von drei Gästen des Lokals überwältigt und entwaffnet, bis die Polizei eintraf. Die drei Männer ägyptischer Herkunft hatten sich vor der Bar aufgehalten, in der sich der Angriff ereignete. Nach ihren Aussagen verlief der Angriff plötzlich und ohne vorausgegangenen Streit oder Wortwechsel. <BR /><BR />Auch nachdem der Täter zu Boden gebracht worden war, habe er kein Wort gesprochen. Die Ermittler prüfen, ob psychische Probleme beim Täter eine Rolle gespielt haben könnten. Nach Angaben seiner Eltern befand er sich jedoch nicht in ärztlicher Behandlung. Er hatte das Elternhaus bereits eine Woche zuvor verlassen und seitdem keinen Kontakt mehr zu seiner Familie.<h3> „Habe mich amüsiert“</h3>Die Staatsanwaltschaft untersucht jetzt die Vorgeschichte des Verdächtigen. Nach italienischen Medien fanden Ermittler in seiner Geldbörse mehrere Zettel mit wirren Notizen. Bei einer Durchsuchung des Elternhauses seien hingegen keine Hinweise auf eine islamistische Radikalisierung entdeckt worden. <BR /><BR />Saidilly soll rund zehn Jahre in Großbritannien gelebt haben und sich erst seit wenigen Tagen in Mailand aufgehalten haben. Wo er in dieser Zeit untergebracht war, ist bisher unklar. Er erklärte den Ermittlern nach der Festnahme, er habe sich beim Angriff „amüsiert“ und würde die Tat nach seiner Haftentlassung wiederholen. Die Staatsanwaltschaft nahm den Mann wegen versuchten Mordes fest. Zur Begründung verwies sie auf Fluchtgefahr sowie die Gefahr weiterer Straftaten. Der Beschuldigte soll am Montag im Mailänder Gefängnis San Vittore von Ermittlungsrichter Luigi Iannelli vernommen werden.<BR /><BR />Der Fall löste große Bestürzung aus. Das Opfer erhielt zahlreiche Solidaritätserklärungen aus der Politik. Im Mailänder Vorort Sesto San Giovanni ereignete sich am Samstag inzwischen ein weiterer Messerangriff. Ein 19-Jähriger wurde in einem Park durch Stiche in Brust und Oberschenkel schwer verletzt. Die Carabinieri nahmen drei 20-, 22- und 24 Jahre alte ägyptische Staatsangehörige ohne festen Wohnsitz wegen des Verdachts des versuchten Mordes fest. Nach bisherigen Erkenntnissen könnte die Tat im Zusammenhang mit dem Drogenmilieu stehen.