Viehweider erforscht als Gastwissenschaftler an der Uni Tokio Regelungsverfahren für Elektrofahrzeuge der Zukunft. Er ist Mitglied des Netzwerks Südstern.Herr Viehweider, was haben Sie vom Erdbeben mitbekommen? Alexander Viehweider: Ich befand mich gerade im siebten Stock eines Forschungsgebäudes des Kashiwa Campus der Universität Tokio in der Chiba Präfektur. Ich war gerade damit beschäftigt, Simulationen eines Regelungskonzeptes für zukünftige Elektrofahrzeuge durchzuführen. Ich habe die unmittelbaren Auswirkungen des Erdbebens mitbekommen: Es gab heftige Erschütterungen, Gegenstände sind umgefallen wie zum Beispiel Bücher, Regale und Computer. Wir mussten das Gebäude über die Nottreppen verlassen.Was haben Sie in diesem Moment gefühlt? Hatten Sie große Angst?Viehweider: Mir ist es zu diesem Zeitpunkt schlecht, ja sehr schlecht gegangen. Ich hatte große Angst, obwohl die Gebäude sicher sind.Ist Panik ausgebrochen?Viehweider: Nein, imGebäude ist keine Panik ausgebrochen. Eine Frau hat geweint, manche haben es auch sehr locker genommen, zumindest äußerlich. Japaner sind sehr disziplinierte Menschen, auch in außergewöhnlichen Lebenslagen.Wie ist es Ihrer Frau ergangen?Viehweider: Da meine Frau, eine Japanerin, in der Innenstadt von Tokio arbeitet, habe ich die Auswirkungen auf den Verkehr und die Transportsituation in der Innenstadt mitbekommen. Meine Frau konnte nicht mehr heimkehren. Ihre Vorgesetzte hat sie mit dem Auto zu ihren Eltern gebracht, die in der Nähe der Arbeitsstätte wohnen. Durch das Verkehrschaos bedingt hat dies drei Stunden gedauert. Da Verwandte meiner Frau im Norden Japans wohnen, genau in der Nähe des Erdbebengebietes, haben wir uns große Sorgen gemacht. Die Telefonleitungenwaren überlastet, deshalb war zunächst kein Kontakt möglich. Sie wohnen im Landesinneren. Nach einigen Stunden hatten wir die Gewissheit, dass sie wohlauf sind.Von welchen Schäden und Opfern haben Sie erfahren?Viehweider: Es gibt unterschiedliche Arten von Schäden. Die kleinsten Schäden sind verwüstetete Büros – diese habe ich unmittelbar erlebt. Es gibt Opfer, die aufgrund umfallender Gegenstände zu Schaden gekommen sind. Dies lässt sich nie ganz ausschließen – es ist in meiner Gegend und auch im Zentrum von Tokio passiert, die Zahl dieser Opfer ist aber gering. Im Fernsehen konnte ich die schrecklichen Bilder des Tsunami sehen. Hier sind wahrscheinlich sehr viele Todesopfer zu beklagen.Interview:Stephan Pfeifhofer