Bozen geht einen anderen Weg, so der Bürgermeister. <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/etwa-100-personen-schlafen-derzeit-in-bozen-im-freien" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Wie berichtet,</a> schlafen derzeit laut dem Verein „Bozen Solidale“ etwa 100 obdachlose Personen im Freien.<BR /><BR /><BR /><b>Herr Bürgermeister, laut dem Verein „Bozen Solidale“ schlafen derzeit etwa 100 Personen unter offenem Himmel, was zur Zeit extrem gefährlich ist. Was unternimmt die Gemeinde Bozen?</b><BR />Claudio Corrarati: Uns liegen andere Zahlen vor, auf der Warteliste sind weit weniger als 100 Personen. Ein Großteil der Obdachlosen, denen wir in den Winterschlafzentren Betten zur Verfügung stellen, hat das Angebot abgelehnt. Sie weigern sich grundsätzlich, in eine der fünf Unterkünfte in Bozen, Leifers, Meran, Brixen und Bruneck zu gehen. Natürlich kann ich diese Leute nicht zwingen. Andere weigern sich hingegen, sich auszuweisen, was aber Voraussetzung für eine Aufnahme ist. Wir wollen zumindest wissen, wen wir beherbergen und woher diese Person kommt. Diese Vorgehensweise ist für alle fünf Aufnahmezentren mit Landeshauptmann Arno Kompatscher vereinbart worden, auch aus Sicherheitsgründen. <BR /><BR /><BR /><b>Reichen die Plätze in den Aufnahmezentren nicht aus?</b><BR />Corrarati: Ich war gestern persönlich beim Info-Point von Volontarius am Zugbahnhof, bei dem sich Menschen, die eine Unterkunft möchten, auf die Warteliste setzen lassen können. Da gerade vier Leute aus Lecce eingetroffen waren, habe ich sie gefragt, woher sie kommen und warum sie hier sind. Ihre Antwort: Jemand, der bereits hier ist, hat sie angerufen und aufgefordert, nach Bozen zu kommen, weil es hier Schlafplätze und vielleicht auch Arbeit gibt. Ich frage mich: Warum kommt jemand aus Lecce in Süditalien, wo es sicher nicht so kalt ist wie hier, nach Bozen? Da stimmt etwas nicht. Was die verfügbaren Plätze betrifft, kann ich sagen, dass Sozialstadträtin Patrizia Brillo und ich uns zweimal am Tag hören, um zu sehen, wie viele Leute auf der Warteliste sind. Wir versuchen täglich, Menschen in den Zentren unterzubringen. Außerdem habe ich die Sicherheitskräfte um Hilfe gebeten. Sie achten bei ihren Patrouillenfahrten, die tags und nachts stattfinden, auf Menschen in Not und informieren die Gemeinde, damit wir rechtzeitig eingreifen können. <BR /><BR /><BR /><b>Wie viele Plätze in den fünf Zentren sind derzeit frei?</b><BR />Corrarati: Im Vergleich zum vergangenen Jahr sind heuer deutlich weniger Leute angekommen. Vergangene Woche waren bis zu 18 Personen auf der Warteliste, heute Morgen (gestern; Anm.d.Red.) waren es plötzlich 42. Deshalb frage ich mich: Warum kommen innerhalb von zwei Tagen so viele Obdachlose aus Orten, in denen es weniger kalt ist, ausgerechnet in die kälteste Stadt Italiens? Deshalb haben wir jetzt mit Landesrätin Rosmarie Pamer vereinbart, dass wir diesen Personen das Rückfahrtticket in ihre Gemeinde bezahlen. Wenn sie auch dort keinen Platz in einem Aufnahmezentrum erhalten, ist es zumindest nicht so kalt wie in Bozen. Ich betone, dass „Bozen Solidale“ und auch die Grünen die gesamte Thematik in einem gewissen Licht erscheinen lassen. Ich sage, dass Bozen viele Leute aufnimmt und dabei seine menschliche Seite zeigt, zugleich aber pragmatisch vorgeht. <BR /><BR /><BR /><b>Bozen wird also nicht dem Beispiel von Trient folgen?</b><BR />Corrarati: Wenn es in Leifers heißt, dass in der Unterkunft das Bad für fünf weitere Obdachlose zu klein ist, frage ich mich, ob es besser ist, dort zu schlafen, auch wenn es nur ein Bad gibt, oder bei minus zehn Grad im Freien. Die Leute, die eine Unterkunft suchen, kommen nach Südtirol, das kann nicht nur das Problem der Stadt Bozen sein. Wenn der Landeszivilschutz für einige Tage oder Wochen ein Notfall-Zentrum für Obdachlose einrichten will, geht das für mich natürlich in Ordnung. Landeshauptmann Kompatscher hat die Zuständigkeit, das zu veranlassen. Ich hoffe aber, dass er dann die leeren Fabrikhallen oder die Plätze für die Zeltlager in ganz Südtirol sucht, nicht nur in Bozen. Warum sollen wir als Gemeinde zum wiederholten Mal eine neue Struktur einrichten, etwa vor dem Drususstadion, so wie es die Grünen jetzt fordern? Bozen fordert in Notlagen Solidarität von allen Gemeinden ein. Wir tun, was irgendwie möglich ist. Aber wenn man dann in Leifers sagt, dass es nicht möglich ist, fünf Leute mehr aufzunehmen, weil im Aufnahmezentrum die Warteschlange für das Bad für die 20 Leute schon zu lang ist, dann soll der Landeszivilschutz die Sache in die Hand nehmen. Ich will nicht, dass das Problem immer auf die Landeshauptstadt abgewälzt wird, Bozen hat schon sehr viel getan. <BR /><BR /><BR /><b>Sind Sie in Kontakt mit dem Landeshauptmann?</b><BR />Corrarati: Ja, wir hören uns regelmäßig. Auch jetzt werde ich Kompatscher anrufen, um über die Thematik zu reden. <BR /><BR /><BR /><b>Landesrätin Rosmarie Pamer hat erklärt, sie habe Sozialstadträtin Brillo am Mittwoch aufgefordert, angesichts der Kältewelle Maßnahmen für Obdachlose zu ergreifen.</b><BR />Corrarati: Betrifft die Notlage durch die Kältewelle nur Bozen, oder ganz Südtirol? Die Leute kommen in der Stadt Bozen an, aber ist es dann die Aufgabe der Stadt, sich darum zu kümmern, oder ist es die Aufgabe des Landeszivilschutzes? Genau diese Frage werde ich dem Landeshauptmann und der Landesrätin stellen.