Entlang der Andreas-Hofer-Straße in Tramin trifft man auf historische Gebäude. Mittendrin wohnt Annemarie in ihrem denkmalgeschützen Haus. Aufgewachsen ist sie aber in Söll, einem kleinen Ortsteil oberhalb von Tramin. Ihre Eltern bewirtschafteten einen kleinen Hof. Sie waren sehr tüchtig, erzählt Annemarie. Nach der Schule ging sie in die Gastronomie und lernte das Kochen. Später dann arbeitete sie in der Altenburg, nicht nur in der Küche, sondern auch mit den Sonderschülern, insgesamt 23 Jahre lang. <h3> Monatelang war Gustl im Krankenhaus</h3>Sie war bei der Bauernjugend, auch der Gustl. So traf sie Gustl immer wieder im Dorf. Er ist hier aufgewachsen. Im Alter von 30 Jahren übernahm er den elterlichen Hof. Er musste auch für einen Onkel sorgen, das war für Gustl eine große Aufgabe, vor allem finanziell. „Er wor ollm zufrieden und wor gearn dorhuem“, erzählt Annemarie. Irgendwann war dann klar: Es wird geheiratet. Annemarie war damals 35 Jahre alt und Gustl 40 Jahre. Zwei Jahre später, im Jahr 1992, kam Werner auf die Welt und ein Jahr darauf Veronika. Gustl hatte die Kinder gerne, er genoss immer die Zeit mit ihnen.<BR /><BR />Er hatte einen guten Charakter, war sehr fleißig und sparsam, schwärmt Annemarie heute noch. Sie haben stets alles gemeinsam gemacht. Am Sonntag nahm er sich immer Zeit für die Familie und sie gingen wandern. Das war die schönste Zeit. Im August 2004 passierte jedoch das Unglück. Es regnete stark und Gustl wurde gerufen, weil bei der Beregnung etwas nicht funktionierte. Hilfsbereit wie Gustl war, fuhr er mit seinem Traktor einen steilen Fahrweg entlang, der Traktor rutschte. Die anwesenden Männer konnten Gustl nicht helfen. Die Bergung zog sich viel zu lange hin. Er fiel ins künstliche Koma. Monatelang war er im Krankenhaus, danach im Altersheim in Kurtatsch. Es war schwierig: die täglichen Besuche, die Arbeit auf dem Hof, die Sorgen, immer die Hoffnung: Vielleicht wird er noch! <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1145424_image" /></div> <BR />Es fehlten die Gespräche. „I wor oft überfordert!“, sagt Annemarie. Gustl verstarb dann in November 2006, zwei Jahre nach dem Unfall. Was übrig blieb, war die Arbeit, sagt Annemarie. Das Moos verpachtete Annemarie erstmal. Die Arbeit in den Berglen erledigte sie selbst, zum Glück half ihr Bruder viel aus. Sie reduzierte ihre Arbeit in der Altenburg auf 30% Teilzeit, so gelang es ihr alles unter einen Hut zu bringen. <h3> „Die erste Zeit lebte man Tag für Tag“</h3>Die Kinder waren ja auch noch da. Werner, damals 14 Jahre, besuchte die Laimburg. Veronika hat sich später für den Beruf Krankenschwester entschieden. Doch ist sie heute die schnellste italienische Downhillerin. Annemarie hat die Radleidenschaft von Veronika immer unterstützt, sie fuhr immer Rennen, so war sie stets gut aufgehoben und sie brauchte sich keine Sorgen machen. „Die erste Zeit lebte man Tag für Tag, dann plötzlich sind die Kinder groß!“ <BR /><BR />Annemarie ist mittlerweile in Pension. Den 3,5 ha. großen Obst- und Weinbaubetrieb bewirtschaftet inzwischen Werner. Annemarie ist froh, dass er sich um den Hof kümmert. Sie hilft nach wie vor mit, möchte aber doch in Zukunft kürzertreten. „I bin af nocht miead und geah gearn schlofn!“ <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1145427_image" /></div> <BR />Werner geht nebenher arbeiten und ist dankbar für die Hilfe. Er lebt mit seiner Lebensgefährtin und den drei Kindern nicht am Hof, jedoch haben die beiden Pläne und möchten den Hof umbauen. Das bereitet Annemarie schon Sorgen, das Haus ist unter Ensembleschutz. Doch es wird schon gehen, und Annemarie hofft, dass alles gut gehen wird. <BR /><BR />Rückblickend sagt sie: „Olls isch kompliziert gewesen, obor i und die Kinder hobm zommgholtn. Die Enkelen hon i gearn und mochn mir a große Freid. Hauptsoch olle gsund bleibm!“ <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1145430_image" /></div>