Mit dem IKIS (internes Krankenhausinformationssystem) arbeiten seit 15 Jahren im Norden und Osten des Landes sowohl das Krankenhauspersonal als auch die Hausärzte. Es sei gut strukturiert, gebe mit wenigen Klicks Einblick in alle wichtigen Befunde und lasse Trends und Verläufe schnell und übersichtlich darstellen. Dies sei wichtig für Diagnosestellung und Therapieentscheidung und letztendlich für die Zusammenarbeit der beiden Gesundheitsstrukturen. Das sagen die, die damit arbeiten. <BR /><BR />Der staatliche Datenschutzbeauftragte hingegen hat Verstöße gegen die Bestimmungen zum Datenschutz ausgemacht. Zwar ist der Zugang zum System doppelt gesichert und nur mit der schriftlichen Zustimmung der Patienten möglich, aber bis vor Kurzem konnten sich im Krankenhaus auch nicht direkt an der Behandlung beteiligte Mitarbeiter Einblick in die Daten verschaffen. Der Patient hatte letztendlich nicht die Oberhoheit über seine Daten, wie der Datenschutzbeauftragte bemängelt.<BR /><BR /><embed id="dtext86-65842450_quote" /><BR /><BR />Anstatt die Datenschutz-Probleme zu lösen und das IKIS beizubehalten, wie es die Hausärzte fordern, soll es nun abgestellt werden. „Als Termin wurde uns der 1. September mitgeteilt“, berichtet Dr. Astrid Marsoner, Hausärztin in Niederdorf und Vertreterin der Hausärztegewerkschaft SNAMI im Pustertal. In 5 Wochen sollen alle patientenrelevanten Informationen nur mehr über die EGA, die elektronische Gesundheitsakte, einsehbar sein. „Die EGA ist notwendig und wird die Zukunft in ganz Europa sein. Aber derzeit ist sie bei uns noch nicht annähernd so weit, dass sie ein gut funktionierendes System, wie es das IKIS ist, ersetzen kann“, betont Dr. Marsoner. <BR /><BR />Das Problem sei, dass die EGA noch nicht mit allen relevanten Daten gefüllt sei. Derzeit enthält sie nur Daten ab 2020, also der vergangenen 4 Jahre. Sollten sich Patienten bis Ende Juni nicht dagegen ausgesprochen haben, werden die klinischen Ereignisse vor 2020 „progressiv“ in die EGA eines jeden Patienten eingespeist. Zumal von „progessiv“ die Rede ist, sei laut Dr. Marsoner fragwürdig, wie viele der Daten bereits ab 1. September über die EGA abrufbar sein werden. Zudem sei die Präsentation der Daten auf dem Bildschirm unübersichtlich und mache den Zugriff zeitaufwendig. Auch kann der Patient Daten, die für ärztliche Entscheidungen und Behandlung wichtig sein können, verdunkeln lassen. „Seit 20 Jahren beschäftigt man sich mit einer einheitlichen Digitalisierung von Patientenakten, und man war in dieser Zeit nicht in der Lage, die EGA so zu gestalten, dass man damit arbeiten kann. Jetzt soll es in ein paar Monaten über den Zaun gebrochen werden?“, fragt Dr. Marsoner ungläubig. „Auf ein Jahr mehr oder weniger dürfte es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ankommen, wenn es dann wirklich funktioniert.“<h3> Wieder Befunde vom Spital zum Hausarzt tragen</h3>Die Hausärzte beklagen, dass Befunde aus dem Krankenhaus für sie nicht mehr einsehbar sein werden. „Gerade für die Therapiepläne der neuen Antidiabetika oder Antikoagulantien, aber auch zur Befundbesprechung, etwa nach Koloskopie oder Gastroskopie, brauchen wir diese“, sagt Dr. Marsoner. Ansonsten müssen die Blutproben neu gemacht werden oder der Patient muss – wie in Vor-Computer-Zeiten – den Befund selbst vom Krankenhaus zum Hausarzt und wieder retour bringen. Weitere Probleme ergeben sich bei der Erstellung von Invaliditäts- und Pflegegesuchen, oder bei Wochenend- und Urlaubsvertretungen, wenn der Zugriff auf die Daten des zu behandelnden Patienten nicht mehr gegeben ist. „Keiner garantiert uns, dass all das bis 1. September gelöst sein wird“, sagt die Hausärztin. „Auch ist es nicht nachvollziehbar, dass die Umstellung am 1. September erfolgen soll, der Beginn der Einschulung in die Verwendung von EGA aber erst ab Herbst geplant ist.“<h3> 3000 Patienten unterschreiben Petition</h3>Weil das nicht nur für Ärzteschaft und Krankenhauspersonal unnötige Mehrarbeit bedeute, sondern für den Patienten zusätzliche Wege und mitunter auch gesundheitliche Nachteile, haben sich inzwischen 3000 Patienten im Puster-, Eisack- und Wipptal mittels Unterschrift für die direkte Bereitstellung der Gesundheitsdaten an ihren Hausarzt ausgesprochen. Die Hausärzte ihrerseits werden sich, sollte an der überschnellen Umsetzung der EGA festgehalten werden, auch zum Wohle der Patienten Protestmaßnahmen überlegen, sagt Dr. Astrid Marsoner.