von Alexandra Geyr<BR /><BR /><BR />In den vergangenen Jahren hat im Kosmetik- und insbesondere im Nagelstudio-Bereich die Anzahl der Personen, die kosmetische Dienstleistungen in Anspruch nehmen stark zugenommen – auch ist ein deutlicher Anstieg an neuen Anbieterinnen und Anbietern zu beobachten.<BR /><BR />Diese Entwicklung auf den ersten Blick positiv, doch hinter der raschen Expansion verbergen sich zunehmend Probleme und die Schattenwirtschaft im Kosmetiksektor nimmt nicht nur in Südtirol immer besorgniserregende Ausmaße an. Immer mehr kosmetische Dienstleistungen werden privat von zu Hause aus angeboten – oftmals ohne Anmeldung eines Gewerbes, ohne Zahlung von Steuern und Sozialabgaben sowie ohne die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften. Viele dieser „Studios“ werden von Personen betrieben, die keine fundierte fachliche Ausbildung durchlaufen haben und gesetzliche sowie hygienische Standards oft nicht einhalten.<BR /><BR />Ein zentrales Problem liegt in der Qualität der Ausbildung. Während staatlich anerkannte Fachschulen eine intensive drei bis fünfjährige Ausbildung mit umfassender Theorie- und Praxiserfahrung anbieten, gibt es mittlerweile zahlreiche Anbieter, die sogenannte „Zertifikate nach nur wenigen Tagen Schulung oder Online-Kursen ausstellen. <BR /><BR />Diese Kurzzeitausbildungen vermitteln oft nur oberflächliches Wissen und sind in keiner Weise mit einer professionellen Ausbildung vergleichbar. Und, in der Beautybranche herrscht ein deutliches Ungleichgewicht: während offiziell geführte Beautysalons zahlreiche gesetzliche Vorschriften einhalten müssen, arbeiten viele Anbieterinnen und Anbieter illegal von zuhause aus – ganz ohne Kontrolle oder Abgaben. <BR /><BR />Hinzu kommen gravierende Mängel bei der Hygiene. In vielen unprofessionell geführten Studios werden grundlegende Standards nicht eingehalten – etwa die korrekte Sterilisation von Werkzeugen, das Tragen von Einweghandschuhen, die Desinfektion von Arbeitsflächen, das fachgerechte Entsorgen von Skalpellen und vieles mehr. Diese Versäumnisse bergen ernste Gesundheitsrisiken für Kundinnen und Kunden, z.B. durch Infektionen oder allergische Reaktionen, sowie Nagelschädigungen. Für etablierte und seriöse Kosmetik- und Nagelstudios stellt diese Entwicklung eine ernsthafte Wettbewerbsverzerrung dar und professionell geführte Betriebe, die in hochwertige Ausbildung, geprüfte Produkte, Hygiene und Qualität investieren, geraten zunehmend unter Druck – sowohl wirtschaftlich als auch im Vertrauen der Kundschaft. In einigen Fällen gefährdet dies sogar die Existenz solcher Fachbetriebe. <BR /><BR />Die Handwerksordnung schreibt die Ausbildung klar vor, und um Verbraucherinnen und Verbraucher zu schützen und faire Marktbedingungen zu gewährleisten, sollten diese Richtlinien nicht nur eingehalten, sondern auch kontrolliert werden. Durch extrem, niedrige Preise, die möglich sind, weil keine Fixkosten wie Miete, Versicherungen oder Abgaben entfallen, entsteht ein ungesunder Preisdruck auf seriöse Fachbetriebe. Professionell arbeitende Schönheitspflegerinnen, die sich an alle gesetzlichen Vorgaben halten, geraten dadurch zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. <BR /><BR />Dieser Meinung ist auch Michaela Fink, Eigentümerin eines Schönheitssalons in Brixen. Sie appelliert an die Verbraucherinnen, Schwarzarbeit nicht zu fördern, auch wenn es im ersten Moment günstiger erscheint. „Kleine Betriebe können mit den Dumpingpreisen von privaten Anbietern einfach nicht mithalten, einige Betriebe müssen schließen und Arbeitsplätze, sowie Lehrlingsplätze gehen verloren“ ist sie überzeugt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1229385_image" /></div> <BR /><BR />Sie erzählt auch von einer Episode, die sich unlängst in ihrem Betrieb zugetragen hat. „Eine Frau kam zu mir in den Betrieb und fragte, ob wir auch Lehrmädchen einstellen. Ich bejahte das, und mit einem Blick auf ihre Nägel fragte ich sie, wo sie denn ihre Nägel habe machen lassen. Die Frau erzählte mir mit Stolz: bei einer Bekannten, privat daheim und sehr günstig. Nachdem ich kurz sprachlos war, meinte ich, sie solle doch ihre Tochter von ihrer Bekannten als Lehrling anstellen lassen“. <BR /><BR />Die Stärkung der einheimischen Wirtschaft ist daher ein zentrales Anliegen. Insbesondere kleine und neu gegründete Kosmetikbetriebe benötigen faire Wettbewerbsbedingungen und gezielte Förderung, um sich am Markt etablieren zu können. Dazu gehören verstärkte Kontrollen, bessere Aufklärung der Verbraucher, sowie Maßnahmen, die die legale Selbstständigkeit attraktiver und einfacher machen. Nur durch konsequentes Vorgehen gegen Schwarzarbeit kann die Qualität und Sicherheit kosmetischer Dienstleistungen langfristig gewährleistete und der Fortbestand professioneller Betriebe gesichert werden, ist Fink überzeug.