Die beiden anderen Haftbefehle betreffen den Ex-Bürgermeister von Laas und Obmann der Gesellschaft Leeg, die das Fernheizwerk in Laas betreibt, Andreas Tappeiner, sowie das Verwaltungsratsmitglied des Heizwerkes, Hugo Trenkwalder.<BR /><BR />Insgesamt hat der Trienter U-Richter Enrico Borrelli auf Antrag der Anti-Mafia-Staatsanwaltschaft (DDA) zwölf Haftbefehle ausgestellt – wegen des dringenden Verdachts auf gemeinschaftlichen, grenzüberschreitenden Handel mit illegalem Müll bzw. Mittäterschaft durch Unterlassung. Drei Verdächtige sind Österreicher – diese Haftbefehle wurden gestern nicht vollstreckt – zwei sind Bundesdeutsche und zwei weitere Kroaten (siehe eigenen Bericht). Im Ermittlungsregister stehen 19 Namen, außer den Verhafteten noch weitere sechs Südtiroler (siehe eigenen Bericht). Einer von ihnen ist der Generaldirektor der Landesumweltagentur, Flavio Ruffini. Für ihn hat die Staatsanwaltschaft die Suspendierung vom Amt beantragt, entschieden ist noch nichts. <BR /><BR />Im Raum steht der Verdacht, dass eine Gruppe von Stromproduzenten mittels Heizwerken, die mit der Holzvergasungsanlage der österreichischen Firma Syncraft Engineering GmbH arbeiten (siehe eigenen Bericht), die Restasche aus ihren Betrieben bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) als „Holzkohle“ registriert haben soll – dies unter Angabe eines nicht den Tatsachen entsprechenden Herstellungsprozesses. Die Produktionsrückstände dieser Anlagen seien dann in verschiedene EU-Länder exportiert worden, obwohl sie – so glauben die Ermittler – eigentlich als Abfall zu behandeln wären und deshalb nicht für die Herstellung von Grillbriketts oder als „Terra preta“ (Dünger) verwendet werden dürften. <BR /><BR />Im Visier stehen die Heizkraftwerke von Laas, Vierschach sowie zwei in Österreich, in Hatlersdorf und Stöcken. Das Laaser Werk wurde gestern beschlagnahmt.<BR /><BR /> <video-jw video-id="l42DlhuL"></video-jw> <BR /><BR />Den Erhebungen zufolge würden die Aschen eine hohe Konzentration an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) – sie gelten als krebserregend – sowie einen über dem gesetzlichen Grenzwert liegenden Dioxingehalt aufweisen. Die „Terra preta“ habe die für den landwirtschaftlichen Gebrauch zulässigen PAK-Werte um das Zwanzigfache überschritten, und für die Herstellung von Grillbriketts sei im Sinne der Norm UNI-EN 18060-2 als einziger Stoff Holzkohle erlaubt, und kein Material, das aus der Kohlevergasung stamme. Ein Teil der Aschen sei für die Herstellung von Beton und Asphalt benutzt worden, was auch nicht vorgesehen sei.<BR /><BR />Im gegenständlichen Fall seien somit große Mengen an Abfällen illegal auf den Markt gebracht worden. Damit habe man sich nicht nur die Kosten für die fachgerechte Entsorgung erspart, sondern den Gewinn der Kraftwerke durch den Verkauf der Aschen gesteigert – ohne jegliche Aufbereitung zur Beseitigung von Schadstoffen, so die Staatsanwaltschaft. Dadurch sei ein rechtswidriger finanzieller Vorteil entstanden, der für die Leeg auf 1.750.000 Euro und für die Vierschach GmbH auf 525.000 Euro geschätzt werde. Im Raum steht auch der Verdacht auf Handelsbetrug: Der Heimwerkermarkt OBI, der die Grillkohle in Italien vertrieben hat, hatte einen Strafantrag gestellt. Den von Haftbefehlen betroffenen Führungskräften und Fachangestellten der Umweltagentur wirft die Trienter Staatsanwaltschaft vor, dass sie sich vorsätzlich unterlassend verhalten und auch aktiv Schritte zur Unterstützung der mutmaßlich illegalen Tätigkeit unternommen hätten – je nach Position sei dies durch Erstellung irreführender Dokumente, nicht erfolgte Kontrollen und Verwaltungsmaßnahmen oder Abmachungen mit Verdächtigen geschehen. Die schwerwiegenden Verdachtsmomente der Ermittler fußen u.a. auf zahlreichen Telefonabhörungen. Die ersten Garantieverhöre sind für heute angesetzt. Für alle Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung.<h3> Die Verdächtigen</h3>Gegen insgesamt 19 Personen wird im Rahmen der Operation „Alpenkohle“ ermittelt, gegen zwölf von ihnen wurden Haftbefehle erlassen. Die Trienter Staatsanwaltschaft hat den Vorbeugebedarf mit potenzieller Beweisverdunklungsgefahr und Tatwiederholungsgefahr begründet. <BR /><BR />Es handelt sich um: <Fett>Andreas Tappeiner</Fett> (58, Obmann der Gesellschaft Leeg), <Fett>Hugo Trenkwalder </Fett>(64, Verwaltungsratsmitglied), <Fett>Rupert Rosanelli</Fett> (62, Umweltberater der Gesellschaft), <Fett>Giulio Angelucci </Fett>(58, Direktor des Amtes für Abfallwirtschaft), <Fett>Andreas Marri</Fett> (60, Umweltinspektor), <Fett>Axel Preuß</Fett> (63) und <Fett>Thorsten Groeneveld</Fett> (42, gesetzliche Vertreter der deutschen Gesellschaft CARStorCOn, die die Holzvergasungsaschen als Bestandteil bei der Herstellung von Baumaterialien verwendet haben soll), <Fett>Neven</Fett> (38) und <Fett>Zdenko</Fett> <Fett>Jaki </Fett>(74, gesetzliche Vertreter der kroatischen Gesellschaft Krizevci Produkt, die das kroatische Werk betreibt, in dem die Grillkohle hergestellt und abgepackt worden sein soll) sowie die Österreicher <Fett>Tobias Ilg</Fett> (52, Inhaber der österreichischen Gesellschaft Energiewerk Ilg GmbH, die die Sycraft-Heizkraftwerke in Hatlersdorf und Stöcken betreibt), <Fett>Marcel Huber</Fett> (49, Geschäftsführer der österreichischen Gesellschaft Syncraft Engineering GmbH, die die von der Leeg und der Vierschach GmbH und von Ilg Thomas verwendete Holzvergasungsanlage hergestellt hat) und <Fett>Benjamin Hupfauf </Fett>(42, Geschäftsführer der österreichischen Gesellschaft SioTuu GmbH – vormals Alpenkohle –, die die Grillkohle herstellen lassen soll. <BR /><BR />Im Ermittlungsregister stehen weitere sieben Namen, gegen die keinerlei Vorbeugemaßnahmen verhängt wurden: <Fett>Marco Burgo</Fett> (65, stellvertretender Vorsitzender der Leeg), <Fett>Hermann Aichner</Fett> (67, Vorsitzender des Verwaltungsrats der Gesellschaft Vierschach GmbH, die das Syncraft-Heizwerk in Vierschach betreibt) sowie <Fett>Judith Sulzenbacher</Fett> (32, stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende), <Fett>Siegfried Wolfsgruber</Fett> (79, Verwaltungsratsvorsitzender der Gesellschaft Bioenergie Fernheizwerk Ritten), <Fett>Walter Rottensteiner</Fett> (66, stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender – beiden wird vorgehalten, „Terra preta“-Dünger verkauft zu haben, der auch Asche aus der Anlage in Laas enthalten und damit andere als die deklarierten Qualitätsmerkmale aufgewiesen habe) sowie <Fett>Marc Florian Koch </Fett>(44, Inhaber der österreichischen Gesellschaft SioTuu GmbH). <BR /><BR />Der Generaldirektor der Landesumweltagentur, <Fett>Flavio Ruffini</Fett> (62), ist nach wie vor im Amt. Die Staatsanwaltschaft hat seine Suspendierung beantragt, der U-Richter hat sich die Entscheidung aber bis nach dem Garantieverhör vorbehalten. Dieses ist für den 25. Mai angesetzt. Rechtsanwalt Federico Fava, der Ruffini verteidigt, betont, dass sein Mandant die Vorhaltung der Mittäterschaft durch Unterlassung zurückweist. Flavio Ruffini sei ein gewissenhafter Mann und habe immer rechtmäßig gehandelt, man werde alles aufklären können, zeigte sich Fava überzeugt. <BR /><BR />Auch der Direktor des Amtes für Abfallwirtschaft, Giulio Angelucci, weist sämtliche Vorwürfe zurück. Nachdem er seinen Mandanten im Gefängnis von Vicenza besucht hatte, erklärte Verteidiger Alberto Cunaccia gegenüber der Nachrichtenagentur ANSA, dass „Dr. Angelucci ruhig und zuversichtlich“ sei, nachweisen zu können, dass er seine Arbeit stets korrekt ausgeführt habe. <BR /><BR />„Die negativen Interpretationen und die gegen ihn erhobenen Vorwürfe entsprechen nicht der Realität“, so der Anwalt weiter. Beim heutigen Garantieverhör dürfte Angelucci voraussichtlich keine Aussage machen. „Wir haben den richterlichen Beschluss erst jetzt erhalten und müssen die Unterlagen zunächst prüfen. Dann werden wir klar und umfassend darlegen, dass die Vorhaltungen unbegründet sind“, betonte Cunaccia. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.