Die Südtiroler Lebenshilfe feiert einen runden Geburtstag: Seit 60 Jahren setzt sich der Verein für Menschen mit Beeinträchtigung ein. „Unser Ziel war es stets, Betroffenen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen“, brachte es Präsident Roland Schroffenegger bei der gestrigen Jubiläumsfeier auf den Punkt. Wie gut dies geglückt ist, zeigen etwa die Geschichten von Mara Rieder aus Eppan und Gustav Lechner aus Bruneck. <BR /><BR />Die Lebenshilfe hat ihr Angebot in den letzten sechs Jahrzehnten ständig weiter ausgebaut, um Menschen mit Beeinträchtigung in allen Lebensbereichen zu unterstützen (siehe Interview unten). Den Besuchern der Jubiläumsfeier wurde ein umfassender Einblick gewährt: auch in die vielen Einrichtungen des Vereins, in denen zahlreiche Menschen mit Beeinträchtigung eine sichere Arbeitsstelle gefunden haben. <BR /><BR />Mara Rieder aus Eppan etwa ist im Restaurant des Hotels Masatsch in Kaltern als Servicekraft tätig. „Ich arbeite dort bereits seit zwölf Jahren und liebe den Job“, erzählte sie den „Dolomiten“. Neben dem Austragen der Teller und dem Decken der Tische berät sie die Gäste auch bei der Weinauswahl.<BR /><BR /> Ein Tipp der Kennerin: „Zu einem guten Stück Fleisch empfehle ich meist den Blauburgunder.“ Für die langjährige Unterstützung sprach Rieder der Lebenshilfe einen großen Dank aus. „Die Lebenshilfe ist für mich wie eine zweite Familie“, erklärte sie.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1377303_image" /></div> <BR /><BR />Gustav Lechner ist indes seit zwei Jahren in der Kunstwerkstatt in Bruneck tätig und hat dort schon zahlreiche Bilder gemalt und verkauft. „Am liebsten male ich mit Wasserfarben, und zwar Häuser und Landschaftsbilder“, sagte Lechner. Auf die Frage, was ihm denn bei seiner Arbeit am besten gefällt, antwortete er prompt: „Alles!“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1377306_image" /></div> <BR /><BR />„In den letzten sechs Jahrzehnten hat sich die Lebenshilfe zu einer wichtigen Anlaufstelle für Menschen mit Beeinträchtigung entwickelt“, lobte auch Landesrätin Rosmarie Pamer bei der Jubiläumsfeier. Der langjährige Präsident der Lebenshilfe, Arthur Obwexer, appellierte abschließend: „Bewahrt die Lebenshilfe als einen Ort voller Lebensfreude, in dem sich jeder wohlfühlen kann.“ <h3> Lebenshilfe will stärker in die Öffentlichkeit treten</h3><Frage>Wie sieht das Angebot der Lebenshilfe aus?</Frage><BR />Roland Schroffenegger (im Bild): Wir unterscheiden zwischen Einrichtungen und Dienstleistungen. Zu Ersterem gehören etwa das Hotel Masatsch in Kaltern, das Café Prossliner in Auer oder die Kunstwerkstatt in Bruneck, wo Menschen mit Beeinträchtigung Arbeit finden. Zusätzlich bieten wir Beratungen, Freizeitaktivitäten, Urlaube und vieles mehr an.<BR /><BR /><Frage>Wie steht es in Südtirol um das Thema Inklusion?</Frage><BR />Roland Schroffenegger: In vielen Bereichen gibt es Luft nach oben. Aber wenn ich die Entwicklung der Gesellschaft im Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigung betrachte, dann finde ich, sind wir auf einem guten Weg. Wichtig zu betonen ist: Die Gesellschaft muss sich an die Menschen mit Beeinträchtigung anpassen und nicht umgekehrt.<BR /><BR /><Frage>Die Lebenshilfe besteht seit 60 Jahren – wie geht es in den nächsten Jahren weiter?</Frage><BR />Schroffenegger: Wir haben ein gutes Team. Daher bin ich überzeugt, dass wir viel erreichen können. Ziel muss es sein, noch mehr in die Öffentlichkeit zu treten und die Leute dazu zu animieren, selbst mitzuhelfen.