Mittwoch, 15. Juli 2020

Im Herbst nachmittags und ohne Maske in die Schule

Der Lockdown hat Eltern schulpflichtiger Kinder einiges abverlangt. Nun kommt eine gute Nachricht, wenn es im Herbst wieder losgehen wird: An Grund- und Mittelschulen soll es auch an Nachmittagen ein Angebot in Form von Wahlfächern geben. Und die Kinder dürfen ohne Schutzmaske in die Schule, wie das Tagblatt „Dolomiten“ am Mittwoch berichtet.

Ab Herbst soll der Schulalltag wieder beginnen.
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Ab Herbst soll der Schulalltag wieder beginnen. - Foto: © shutterstock
Auch in Corona-Zeiten wird es ab Herbst ein Nachmittagsangebot in Form eines Wahlfaches an Grund- und Mittelschulen geben. Mensaaufsicht wird garantiert.

„Damit sorgen wir für Chancengerechtigkeit für Kinder und Planungssicherheit für Eltern“, so Landesrat Philipp Achammer. Trotzdem knistert es im Gebälk, denn Achammer möchte Schule zur Plattform für Nachmittags- und Sommerbetreuung machen. Beide sind derzeit aber Zuständigkeit von Familienlandesrätin Waltraud Deeg.

Auf einen Vermerk von Landesrat Achammer stellte die Landesregierung gestern 8,25 Mio. Euro bereit. „Aufgrund von Corona müssen ab Herbst in den Klassen Abstände eingehalten werden, denn ich bin nicht bereit, Kinder mit Maske in die Schule zu schicken“, so Achammer. Allein an den deutschen Schulen sind deshalb 400 zusätzliche Klassen zu bilden.

Bereits im Juni fiel daher die Entscheidung, sich auf den Vormittag zu konzentrieren. Bis Mittag wird regelmäßiger Unterricht an 5 Tagen pro Woche garantiert. Zusätzlicher Unterricht am Nachmittag könne mit der derzeitigen Personaldecke aber nicht geboten werden.

Nachmittagsbetreuung in gewohntem Umfang garantiert

Womit Tausende Eltern wieder mit der Frage dastanden: Wohin mit den Kids am Nachmittag? Gestern hat die Landesregierung die Frage beantwortet. „Auch in diesem außerordentlichen Jahr wird es ab Herbst ein Nachmittagsangebot an den Grund- und Mittelschulen in Form eines Wahlfaches geben“, so Achammer. Dort, wo bis dato ein Nachmittag abgedeckt wurde, wird es weiter ein Nachmittag sein. Waren es 2 Nachmittage, bleiben es 2 – organisiert über die Bildungsdirektion.

„Chancengerechtigkeit fußt auf einem einheitlichen Grundangebot“, so der Landesrat. In der Peripherie, wo die Schülerzahlen geringer und Raum kein Problem ist, gebe es durchaus Schulen, die keine Klassen teilen müssen. „Dort kann das Nachmittagsangebot über das eigene Personal gewährleistet werden.“

Dort, wo das eigene Personal nicht reicht, stellt nun das Land einen mit 8,25 Mio. Euro dotierten Topf bereit. Aus diesem können Zusatzstunden (Überstunden) der Lehrer oder eine Aufstockung der Teilzeit von Lehrern bezahlt werden. „Es kann aber auch ein externes Angebot, wie z.B. Theaterpädagogik oder Sprachförderung vergütet werden“, sagt Achammer.

Planungssicherheit für die Familien

Der Besuch des Wahlfaches ist freiwillig. „Es wird aber auf jeden Fall angeboten und muss von Eltern nicht eingefordert werden.“ Inhaltlich stehen dem Wahlfach alle Bereiche wie Sprachen, Kunst, Sport offen. Auch Mensaaufsicht werde garantiert.

„Es war wichtig, in diesem außergewöhnlichen Jahr dieses Zeichen zu setzen und Familien Planungssicherheit zu bieten“, so Familienlandesrätin Waltraud Deeg. Sobald Corona überwunden sei, müsse das Bildungsangebot am Nachmittag aber wieder dasselbe sein wie zuvor. „Viele Eltern haben Angst, dass es grundsätzlich in Richtung Vormittagsschule geht“, sagt Deeg.

„Das war nie, aber wirklich nie ein Thema. Wir wünschen uns alle, zum normalen Schulalltag zurückzukehren“, sagt Achammer. Mehr noch: „Es stellt sich gar die Frage, ob Schule in Zukunft nicht verstärkt Plattform für Betreuungsangebote werden soll.“ Er sei froh, dass man für 2020/21 eine Regelung gefunden habe und wolle keinen Streit. „Im Sinne eines ganzheitlichen Bildungsauftrags fände ich es aber sinnvoll, wenn über die Plattform Schule auch Sommer- und Nachmittagsbetreuung abgewickelt würden“.

Damit freilich hat Deeg keine Freude. Sommerbetreuung und außerschulische Nachmittagsbetreuung wurden 2013 vom Amt für Jugendarbeit an die Familienagentur verlegt – und fallen somit unter Deegs Zuständigkeit. „Und dort bleiben sie auch“, stellt Deeg unmissverständlich klar.

bv