Mittwoch, 08. Juli 2020

Im Lockdown des Hauses verwiesen

Während der akuten Lockdown-Phase haben sich konfliktbeladene Familiensituationen weiter zugespitzt. Die U-Richter am Bozner Landesgericht haben wegen Misshandlungen in der Familie zahlreiche Personen des Hauses verwiesen bzw. mit Annäherungsverbot belegt, berichtet das Tagblatt „Dolomiten“ in der heutigen Ausgabe. Für einen uneinsichtigen Stalker klickten sogar die Handschellen.

Wie von Experten befürchtet,  scheinen Misshandlungen in der Familie eskaliert zu sein, als Opfer und Täter auf die eigenen 4 Wände beschränkt waren.
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Wie von Experten befürchtet, scheinen Misshandlungen in der Familie eskaliert zu sein, als Opfer und Täter auf die eigenen 4 Wände beschränkt waren. - Foto: © shutterstock
In der Zeit des Lockdown selbst gab es wenige Stalkingfälle, dafür aber umso mehr Fälle von Misshandlungen in der Familie. Zumindest haben die U-Richter am Bozner Landesgericht etliche einstweilige Verfügungen erlassen, die den Tatverdächtigen untersagen, in die eheliche Wohnung zurückzukehren bzw. sich dem von der Gewalt betroffenen Partner zu nähern.

Der 60-jährige Mann hatte schon vor dem Lockdown eine Boznerin in vielfältiger Weise belästigt. Eine vorherige Beziehung gab es nicht, die Frau wollte nie etwas von dem Mann wissen. Er soll aber nicht locker gelassen, ihr vor ihrem Haus aufgelauert und sie verfolgt haben. Auch habe er sie mit Anrufen und Nachrichten bedrängt. Die Frau bekam es mit der Angst zu tun und wandte sich an den Quästor, der den Mann vorlud und verwarnte.

Dann kam die Covid-Ausgangssperre – die Frau hatte eine Zeitlang Ruhe. Doch kaum wurden die strengen Regeln des Lockdown gelockert, soll der 60-Jährige wieder damit begonnen haben, die Frau regelrecht zu „belagern“. Als sie sich nicht mehr zu helfen wusste, alarmierte sie die Carabinieri. Diese ertappten den 60-Jährigen, wie er vor dem Haus auf die Frau wartete und verhafteten ihn auf frischer Tat wegen Stalking.

Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis belegte ihn U-Richter Emilio Schönsberg mit dem Verbot, sich in Bozen aufzuhalten. Sollte der Mann gegen diese Auflage verstoßen, kommt er wieder hinter Gitter.

In der Zeit des Lockdown selbst gab es wenige Stalkingfälle, dafür aber umso mehr Fälle von Misshandlungen in der Familie. Zumindest haben die U-Richter am Bozner Landesgericht etliche einstweilige Verfügungen erlassen, die den Tatverdächtigen untersagen, in die eheliche Wohnung zurückzukehren bzw. sich dem von der Gewalt betroffenen Partner zu nähern.

Besonders in Partnerschaften, die schon vorab stark konfliktbeladen waren, scheint es unter der covidbedingten, erzwungenen Beschränkung auf die gemeinsamen 4 Wände vermehrt zu gewalttätigen Handlungen gekommen zu sein. Das zumindest geht aus den Anzeigen hervor, die die Betroffenen erstattet haben. Obwohl in der akuten Corona-Zeit die Justiz insgesamt „auf Sparflamme“ war: Sämtliche einstweiligen Verfügungen wurden immer sofort erlassen, um die Opfer vor weiteren Tätlichkeiten zu schützen. Nicht immer handelte es sich übrigens um Gewalt in einer Lebensgemeinschaft.

2 Fälle, die einen richterlichen Verweis aus der Wohnung zur Folge hatten, betrafen Söhne, die ihre Eltern attackiert haben sollen – auch hier gab es bereits vorher angespannte Situationen, die laut der Anzeigen während des Lockdowns eskaliert sind.



rc