Mittwoch, 26. August 2015

Im Montiggler See gehen exotische Quallen um

Sie sind klein, bis zu drei Zentimeter, weißlich-durchsichtig und noch nicht so häufig, aber sie gehören eigentlich nicht in den Montiggler See. Bei den gesichteten Tierchen handelt es sich um Süßwasserquallen aus China.

Craspedacusta Sowebii Lankester: So heißt die Art der Süßwasserqualle im Großen Montiggler See. Foto: Massimo Morpurgo/Naturkundemuseum Bozen
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Craspedacusta Sowebii Lankester: So heißt die Art der Süßwasserqualle im Großen Montiggler See. Foto: Massimo Morpurgo/Naturkundemuseum Bozen

In der ersten Juli-Hälfte wurde eine Mitarbeiterin des Biologischen Labors erstmals auf die fremdartigen Quallen aufmerksam. "Es handelt sich um den Großen Montiggler See, in dem die Quallenart gesichtet wurde", beschreibt Alberta Stenico, Amtsdirektorin des Biologischen Labors auf Anfrage von STOL.

Die genaue Spezies: Craspedacusta Sowebii Lankester. 

 

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Die Süßwasserqualle ist zwischen 2 und 3 Zentimeter klein. Foto: Massimo Morpurgo/Naturkundemuseum Bozen

Ihre genaue Anzahl ist ungewiss. Immer wieder werden die Quallen seither aber gesichtet. "Sie bewegen sich meist zehn bis 50 Zentimeter unterhalb der Wasseroberfläche", weiß auch Massimo Morpurgo, Kurator für Aquarien und Terrarien im Naturmuseum in Bozen. 

Er hat neulich eine Stunde lang am Großen Montiggler See auf die erste Quallenbegegnung gewartet, Fotos geschossen und einige Exemplare für Museum mitgenommen. 

Erstmal sin Südtirol

In Südtirol taucht diese Süßwasserqualle erstmals auf. "In mitteleuropäischen Raum kennt man das Phänomen aber bereits", weiß die Amtsdirektorin. Angst haben muss man vor der neuen Art nicht. "Es ist interessant, die Organismen zu beobachten, wie sie schwimmen, sich bewegen", sagt Alberta Stenico.

Nicht gefährlich für den Menschen

Was vor allem für die Schwimmer im See entscheidend ist: "Die Art ist für den Menschen nicht gefährlich, die Tierchen haben keine giftigen Tentakeln", weiß die Amtsdirektorin. 

Wie die fremdartigen Süßwassermedusen in das Montiggler Gewässer gekommen sind, sei schwer zu sagen. "Es könnte sein, dass ein Aquarium ausgeleert und die Quallen somit von den Haltern entsorgt worden sind", beanstandet Stenico, da dies auch bei anderen Tierarten, wie Schildkröten, immer wieder vorkomme. 

Damit würden aber Arten in Südtirol eingesetzt, die gar nichts hier verloren hätten.

Es kann aber auch sein, dass über das Einsetzen eines Bootes Polypen in den See gelangt sind. "Denn die Art hat zwei Lebenszyklen - als Qualle und als Polyp", so Stenico. Daher kann die Süßwasserqualle im Montiggler See wohl auch in Zukunft überleben. 

Den Winter überleben Quallen nicht, aber Polypen

"Die Quallen selbst werden den Winter nicht überleben, aber die Polypen können durchaus überwintern und sich bei günstigen Bedingungen dann wieder zur Qualle entwickeln", berichtet die Amtsdirektorin.

  

Der Lebenszyklus der Qualle besteht aus zwei Stadien: Polyp (ca. 1 mm) und Qualle (ca. 20 mm Durchmesser). Die Polypen leben auf festen Substraten (unter anderen auch Wasserpflanzen) im See und vermehren sich ungeschlechtlich. Im Sommer produzieren die Polypen durch Knospung die Quallen. Die Quallen sind die Geschlechtsform und vermehren sich sexuell. Aus den befruchteten Eiern entsteht eine Larve, die sich auf einem geeigneten Substrat ansiedelt und einen Polyp ausbildet. Die Polypen vermehren sich weiter ungeschlechtlich. Und so weiter… Foto: http://www.freshwaterjellyfish.org

Für andere Tiere ein Problem?

So könnte es sein, dass die Art bereits seit über einem Jahr im See ist, doch erst durch den heurigen, heißen Sommer in Form als Qualle aufgefallen ist. 

"Die erwachsenen Quallen leben nur wenigen Wochen. Die Polypen auf dem Seeboden überleben", erklärt auch Massimo Morpurgo, Experte des Naturmuseums. Ob die Craspedacusta Sowebii Lankester für die anderen Arten im See, wie Fische und Plankton, zum Problem wird, ließe sich sich derzeit noch nicht abschätzen.

stol/ker

stol