Gewerbezone Bozen Süd: Verkehr, Maschinenparks und sandfarbene Produktionshallen bestimmen hier die Szenerie. Nie und nimmer würde man vermuten, was sich hinter einem unscheinbaren Seiteneingang im ersten Stock eines Zweckbaus in der Johann-Kravogl-Straße verbirgt: Bozens Kinomuseum mit seinem Kurator Natalino Bernato (69). <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1299936_image" /></div> <BR /><BR />Mit dem Eintreten in die 500 Quadratmeter große Ausstellungsfläche weht dem Besucher ein Sammelsurium aus Südtiroler Kinogeschichte, filmtechnischen Raritäten und allerlei Ikonen entgegen. Zwischen massiven Schnittpulten, riesenhaft anmutenden analogen Filmrollen, alten Scheinwerfern und zugeklappten Originalsesseln finden hier Filmzeugnisse aus allen Epochen ihren Platz, während Hollywood-Stars auf den Plakaten die goldenen Kinozeiten in Erinnerung rufen.<BR /><BR /><BR />Und mittendrin Natalino Bernato – Herz und Seele dieser 2015 begründeten Kultureinrichtung, gleichzeitig ein rühriger Verfechter der analogen Filmkunst. „Es handelt sich hier nicht bloß um museale Objekte, denn die meisten Geräte sind funktionstüchtig, sodass unser Verein damit Filmerlebnisse wie anno dazumal bescheren kann“, sagt Natalino. Mit dem Siegeszug der digitalen Filmtechnik hat er es sich zur Aufgabe gemacht, den Film aus der analogen Zeit zu bewahren. Sein Credo: die historischen Zeugnisse aufwerten und einem breiten Publikum zugänglich machen. Man könne damit sowohl Touristen als auch Fachpublikum ansprechen, vor allem der Nachwuchs könne die einstigen Schnitt- und Sendetechniken von der Pike auf erlernen. Und so mit Haut und Haaren in die Kinokultur vergangener Tage eintauchen.<h3> Das cineastische Gewissen Bozens</h3>Natalino Bernato kann man durchaus als cineastisches Gewissen Bozens bezeichnen. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er in Charleroi in Belgien, ehe seine Familie nach Bozen zog. Als Mittelschüler schnupperte er in den späten 1960er-Jahren erste Filmluft im Costellazione-Kino in der Claudia-Augusta-Straße. Die Auswahl dort war dürftig, sodass sich der junge Bub in anderen Kinos der Stadt umsah und mit dem Verkauf von Süßigkeiten im Astra begann. In Bozen gab es damals eine beachtliche Anzahl von Kinos: das Drusus, das Augusteo, das Corso, das Boccaccio, das Concordia, das Cristallo, das Columbia, das Eden und eben das Astra. In den 1970er-Jahren ergab sich für Natalino die Gelegenheit, die Führung des Costellazione-Kinos zu übernehmen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1299939_image" /></div> <BR /><BR />Bald schon wechselte er zum Sole-Kino nach Leifers, dort konnte er auch selbst die Wahl der ausgestrahlten Filme bestimmen. Schließlich stieg er als Geschäftsführer ins Concordia ein, daraufhin folgte das Odeon in Meran. Im Laufe der Jahre musste zwar ein Kino nach dem anderen zusperren, gleichzeitig erweiterte der gelernte Elektrotechniker sein Wissen und seinen Bekanntenkreis in der Szene. Und entwickelte sich dank seiner Passion zu einem Kinofachmann erster Güte. Ganz nebenbei lernte er Stars wie Thomas Gottschalk, Paolo Villaggio, Tobias Moretti, Gianni Garko oder Mike Krüger kennen. Angesichts dieses Werdegangs überrascht es nicht, dass er auch hinter dem modernen Bozner Multiplex-Kino mit sieben Sälen steckt. „Das war ein großer Wunsch von mir, dank des Bauunternehmers Alfio Fiorucci gelang es, den Bau zu verwirklichen, schließlich übernahm das österreichische Unternehmen Cineplexx die Leitung“, sagt Natalino, der eine Zeit lang als technischer Direktor tätig war.<h3> Der Stoff, aus dem die Träume sind</h3>Seit zehn Jahren kümmert er sich mit den Vereinsmitgliedern hingebungsvoll um das Ciné-Museum. Sie sammeln Raritäten, stellen Ausstellungen auf die Beine und sind auf der Suche nach geeigneteren Räumlichkeiten. In der Szene hat sich das Kinomuseum längst einen Namen gemacht, sodass Objekte von überall her zugeschickt werden. Aus Platzmangel werden diese in sechs verschiedenen Lagern aufbewahrt. „Nicht nur für Bozen, sondern für ganz Südtirol wäre ein Kinomuseum moderner Prägung eine echte Attraktion“, sind Natalino und Daniel Arer überzeugt. Pläne dafür gibt es schon, der mögliche Standort in Eppan hat sich inzwischen zerschlagen. Die Bozner Kinofreunde bleiben weiter dran, … schließlich bewahren doch sie den Stoff, aus dem die Träume sind.