Im Jahr 901 wurde Brixen erstmals urkundlich erwähnt – als der letzte Karolingerkönig Ludwig dem Bischof Zacharias von Säben den Meierhof „Prihsna“ samt ausgedehnten Ländereien und Rechten als Lehen übergab. „Dazu gehörten auch Waldareale“, weiß Georg Wieser, Leiter der Abteilung Forst- und Jagdwirtschaft der Diözese. <BR /><BR />Bis heute befinden sich rund 2.100 Hektar Wald im Eigentum der Diözese, vor allem größere Waldkomplexe in Lüsen, Schalders/Spiluck, in Untermoi am Würzjoch, Kampill, Tiers sowie in Tisens. Dazu kommen Flächen im Trentino (13 Hektar), Osttirol (960 Hektar) und in Belluno (540 Hektar). „Der Bischof von Brixen hat im 11. Jahrhundert die Waldkomplexe in Osttirol und Belluno als Schenkungen bekommen. Damals gab es die heutigen Landesgrenzen noch nicht.“ Die größeren Besitzungen haben sich über die Jahrhunderte hinweg gehalten, trotz vorübergehender Enteignungen und Rückgaben im 19. Jahrhundert und wechselnder Verwaltungsstrukturen.<h3> Areale stehen allen offen</h3>Im Rahmen der Einführung der 8-Promille-Regelung wurde im Jahre 1987 der Großteil der Pfründenwälder der Pfarreien an das neugegründete Diözesaninstitut für den Unterhalt des Klerus (DIUK) übertragen. „Das hat damals schon für Ärger gesorgt, zumal die Pfarreien viele Grundstücke als Schenkungen erhalten haben“, erzählt Wieser. Bis heute sei die Bewirtschaftung schwierig, da es sich teilweise um viele kleine Parzellen handelt. Wald im Eigentum des DIUK liegt beispielsweise in Seis, Antholz, Latzfons, Pfunders, Rodeneck, Reinswald, Pens und Tisens. Die diözesane Abteilung „Forstwirtschaft“ hat die Waldflächen des DIUK gepachtet, ebenso wie jene des Klosters Säben, des Vinzentinums sowie des Kollegiatstifts Mensalfond Innichen. So bewirtschaftet sie insgesamt rund 4.200 Hektar Wald.<BR /><BR />Die kirchlichen Waldflächen stehen allen Menschen offen. Sie sind Erholungsraum, wirtschaftliche Säule, Arbeitsplatz und wichtiger Bestandteil der Zukunft im Klimawandel. „Wir möchten den Wald erhalten, damit er auch für kommende Generationen bewahrt wird“, schließt Wieser.<BR /><BR /> <div class="embed-box"><div class="container-wrapper-genially" style="position: relative; min-height: 400px; max-width: 100%;"><video class="loader-genially" autoplay="autoplay" loop="loop" playsinline="playsInline" muted="muted" style="position: absolute;top: 45%;left: 50%;transform: translate(-50%, -50%);width: 80px;height: 80px;margin-bottom: 10%"><source src="https://static.genially.com/resources/loader-default-rebranding.mp4" type="video/mp4" />Your browser does not support the video tag.</video><div id="6a3d2312539b23f38e96f633" class="genially-embed" style="margin: 0px auto; position: relative; height: auto; width: 100%;"></div></div><script>(function (d) { var js, id = "genially-embed-js", ref = d.getElementsByTagName("script")[0]; if (d.getElementById(id)) { return; } js = d.createElement("script"); js.id = id; js.async = true; js.src = "https://view.genially.com/static/embed/embed.js"; ref.parentNode.insertBefore(js, ref); }(document));</script></div> <BR /><BR /><b>Hintergrund: Bewirtschaftete Flächen</b><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1331748_image" /></div> • Von den rund 4.200 Hektar, die die diözesane Abteilung „Forstwirtschaft“ bewirtschaftet, entfallen etwa 3.700 Hektar auf Waldflächen. Der Rest besteht aus Almen, Fels- und kargen Flächen.<BR />• 2.100 Hektar befinden sich im Eigentum der Diözese Bozen-Brixen. Darüber hinaus verwaltet die diözesane Abteilung weitere 1.000 Hektar im Besitz des Diözesaninstituts für den Unterhalt des Klerus (DIUK) sowie Flächen des Klosters Säben (44 Hektar), des Vinzentinums (36 Hektar) und des Kollegiatstifts Mensalfond Innichen (83 Hektar).<BR />• 12 Eigenjagden (7 in Südtirol, 4 in Osttirol, 1 in Belluno) hat die diözesane Abteilung an Pächter vergeben.<BR />• Der Diözese gehören 3 Fischereirechte in Osttirol.<h3> Mehr Pflege, weniger Ertrag</h3>Seit 1989 ist Georg Wieser der Leiter der diözesanen Abteilung „Forstwirtschaft“. In diesem Zeitraum wurden über eine Million Bäume aufgeforstet, an die 50 Kilometer Straßen neu gebaut, 50 Kilometer Straßen saniert und ausgebaut und ca. 500.000 fm Rundholz geerntet. Im Interview spricht er über Wirtschaftlichkeit, Klimaschutz und die Zukunft des Waldes. <BR /><BR /><b>Wie werden die 4.200 Hektar Wald, die die diözesane Abteilung „Forstwirtschaft“ verwaltet, konkret bewirtschaftet?</b><BR /><BR />Georg Wieser: Unsere Arbeit besteht hauptsächlich aus Aufforstungs-, Waldpflege- und Holzschlägerungsarbeiten. Zu meinem Team gehören mehrere landwirtschaftliche Arbeiter sowie zwei Förster. Ein Förster ist für den Raum Pustertal, Gadertal, Osttirol und Belluno zuständig, der andere für das Wipptal, Eisacktal, Unterland, Burggrafenamt, Nonsberg, Sarntal sowie Passeier. Im Vinschgau besitzt die Diözese dagegen kaum Waldflächen. Das hat historische Gründe: Früher gehörte dieser Landesteil zur Diözese Chur; deshalb gehört der Großteil des Waldes im Vinschgau öffentlichen Körperschaften.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75398777_quote" /><BR /><BR /><b>Früher galt der Wald als die „Sparkasse“ der Bauern. Lohnt sich heute seine Bewirtschaftung überhaupt noch?</b><BR /><BR />Wieser: Die Diözese hat mit ihrem Wald bislang stets Einnahmen erzielt – mal mehr, mal weniger. Im Durchschnitt haben wir jährlich rund 10.000 Festmeter Holz entnommen. Mehr durften wir gemäß den Vorgaben nicht einschlagen.<BR /><BR /><b>Inwiefern?</b><BR /><BR />Wieser: Für Waldflächen mit mehr als 100 Hektar gibt es Waldwirtschaftspläne. Sie gelten jeweils für zehn Jahre, beschreiben den Zustand des Waldes, die zulässigen Nutzungen sowie die erforderlichen Pflegemaßnahmen. Die Diözese hat elf solche Pläne. Dazu kommen 48 Waldkarteien – für 48 Gemeinden - für kleinere Waldflächen. Auch sie legen fest, wie viel Holz jährlich im Rahmen einer nachhaltigen Bewirtschaftung entnommen werden darf.<BR /><BR /><b>Dann kam es aber zu einer Ausnahme von der Regel. Warum?</b><BR /><BR />Wieser: Genau, denn von 2019 bis 2026 haben wir insgesamt 250.000 Festmeter Holz genutzt. Das entspricht 30.000 Festmetern Holz pro Jahr – und damit dem Dreifachen des regulären Hiebsatzes von 10.000 Festmetern. Dabei handelt es sich überwiegend um Schadholz. Auslöser war das Sturmtief Vaia 2018, danach verschärften Schneedruck und Borkenkäfer die Situation. In Osttirol musste fast das gesamte Baum- und Altholz aufgrund der großen Borkenkäferkalamität aus dem Wald entnommen werden. Zugleich ließ das große Schadholzaufkommen die Holzpreise deutlich sinken. <BR /><BR /><embed id="dtext86-75399091_quote" /><BR /><BR /><b>Welche Maßnahmen setzen Sie gegen die Schäden?</b><BR /><BR />Wieser: In den vergangenen Jahren haben wir damit begonnen, die betroffenen großen Freiflächen wieder aufzuforsten. Bis 2018 setzten wir im Rahmen von normalen Nutzungsmengen durchschnittlich an die 15.000 bis 20.000 Pflanzen pro Jahr. In den vergangenen acht Jahren waren es aufgrund der großen Schadflächen insgesamt 463.000 Bäume, also durchschnittlich 58.000 Bäume pro Jahr. Allein in Osttirol wurden in diesem Zeitraum 338.000 Bäume gepflanzt. Wir werden die Holznutzung zurückfahren müssen. Das wird auch finanzielle Auswirkungen haben. Die Einnahmen werden deutlich geringer ausfallen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1331751_image" /></div> <BR /><BR /><b>Was macht die Diözese mit den Einnahmen aus der Forst- und Jagdwirtschaft?</b><BR /><BR />Der Großteil der Gelder fließt wieder in die Bewirtschaftung des Waldes und den Betrieb der Forstverwaltung. Der verbleibende Teil kommt dem Ordinariat zugute, das die Mittel für institutionelle Zwecke verwendet.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75399095_quote" /><BR /><BR /><b>Gibt es auch Maßnahmen, um den Wald klimafit zu machen?</b><BR /><BR />Wieser: Wichtig wäre es, in tiefen Lagen reine Fichtenwälder in Mischwälder umzuwandeln, also Wälder mit verschiedenen Baum-arten und mehr Laubholz. Ein Mischwald ist widerstandsfähiger. Bei den Aufforstungen haben wir verschiedene Baumarten gepflanzt und wir werden wieder vermehrt in die Pflege der Wälder investieren, um die Bestände stabiler zu machen. Trotzdem müssen wir genau beobachten, wie sich die Bestände entwickeln. Das ist ein langfristiger Prozess, das klappt nicht von heute auf morgen. Je nach Höhenlage und Standort braucht ein Wald 100 bis 150 Jahre, um hiebsreif zu werden.<BR /><BR /><b>Worin unterscheidet sich ein Kirchenwald von einem „nicht-kirchlichen“?</b><BR /><BR />Wieser: Wir haben stets großen Wert auf die Pflege des Waldes gelegt. Manche Flächen befinden sich seit über 1.000 Jahren im Besitz der Diözese. Wir sehen uns in der Verantwortung, diesen Wald sorgfältig zu bewirtschaften und an kommende Generationen weiterzugeben. Fast alle unsere Wälder sind PEFC-zertifiziert, was eine nachhaltige Bewirtschaftung garantiert.